Berkeley DB: Oracles Lizenzen bereiten erneut Probleme

Die Berkeley DB steht nun unter der AGPLv3. Der scheinbar positive Schritt zu einem starken Copyleft stellt die Open-Source-Community aber vor viele Probleme. Die einfachste Lösung ist wohl ein Verzicht auf die Datenbank.

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Oracles Berkeley DB steht unter der AGPL
Oracles Berkeley DB steht unter der AGPL (Bild: King of Hearts/Wikimedia - CC-BY-SA 3.0)

Auf den ersten Blick scheint es das erste Mal seit langem zu sein, dass Oracle einen Schritt auf die Open-Source-Gemeinde zugeht, statt diese zu verprellen. Seit Anfang Juni steht Version 6.0 der Datenbank Berkeley DB (BDB) unter der Copyleft-Lizenz APGLv3 - zumindest laut offizieller Ankündigung. Doch der Lizenzwechsel bereitet vielen Projekten erhebliche Probleme, da einige Lizenzen nicht kompatibel mit der AGPL sind, das gilt insbesondere für die häufig verwendete GPLv2.

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Die AGPL soll auch dann gewährleisten, dass Anwender Zugriff auf den Quellcode haben, wenn eine entsprechende Anwendung auf einem Server läuft und nur über das Netzwerk verwendet wird.

Distributionen wie Debian sind nun gezwungen, sich auf einen adäquaten Umgang mit der Datenbank zu einigen. Viele Wahlmöglichkeiten bleiben den Entwicklern dabei nicht, denn sie könnten entweder die alte Version mit alter Lizenz behalten, ganz auf die Datenbank verzichten oder sämtliche betroffene Anwendungen relizenzieren, die BDB einsetzen, wie Ondřej Surý schreibt.

Schwierige Details

Die Relizenzierung wäre im Fall von kompatiblen Lizenzen rechtlich kein Problem. So wäre es Debian etwa erlaubt, ein Programm, das unter Apache-Lizenz steht und BDB nutzt, einfach unter der AGPLv3 weiterzuverbreiten. Sorge bereiten dabei jedoch die noch wenig geklärten Fragen dazu, wie genau Distributoren von AGPL-Software die Lizenz erfüllen müssen, zum Beispiel wann und wie der Quellcode bereitgestellt werden muss.

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Noch größer ist das Problem für nicht lizenzkompatible Software - etwa jene, die ausschließlich unter GPLv2 steht. Für eine Relizenzierung bräuchte es das Einverständnis sämtlicher Beitragender, eine schwer zu lösende Aufgabe. Bradley Kuhn, Mitautor der AGPL und Präsident des Software Freedom Law Center (SFLC), glaubt, dass jene Softwareprojekte zukünftig einfach auf den Einsatz von BDB verzichten werden.

So können etwa OpenLDAP oder der Cyrus-Mail-Server bereits mit alternativen Datenbanken als Backend betrieben werden. Die Entwickler von RPM, APT und vielen weiteren könnten wohl einen ähnlichen Weg einschlagen.

Lizenzwechsel zum Geldverdienen?

Wegen der vielen Probleme, die der Lizenzwechsel mit sich bringt, liegt der Verdacht nahe, Oracle wolle dadurch lediglich die Verkäufe für die proprietären Lizenzen erhöhen. Dies würde in das sehr negative Bild passen, das viele Mitglieder der Open-Source-Community von Oracle haben. Kuhn sieht in dem Schritt gar ein sehr aggressives Verhalten.

Damit auch freie Projekte künftig beim Einsatz von BDB vor eventuellen Klagen Oracles einigermaßen geschützt sind, schlägt Kuhn vor, den AGPL-lizenzierten Code einfach zu forken und eigenständig weiter zu pflegen. So wäre Oracle, zumindest nach US-Recht, nicht mehr alleiniger Urheber. Die Community könnte dann ihre Auslegung der AGPL in Bezug auf die Datenbank vor Gericht deutlich machen und so "Oracle schwere Zeiten bescheren".

Erst vor wenigen Wochen hat Oracle aus Versehen die Lizenz für die Dokumentation von MySQL geändert, so dass diese für kurze Zeit proprietär war.

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