BEREC: Datentraffic erzeugen die Nutzer, nicht Netflix oder Meta
Es gibt keine Begründung dafür, dass Streaminganbieter wegen hohem Datentraffic Zahlungen an die Netzbetreiber leisten müssten. Das ergab eine Untersuchung des BEREC(öffnet im neuen Fenster), dem Gremium europäischer Regulierungsstellen (Body of European Regulators for Electronic Communications), die am 11. Oktober 2022 vorgelegt wurde. "BEREC hat keine Beweise dafür gefunden, dass eine solche Methode (eine direkte Kompensation) angesichts der aktuellen Marktlage gerechtfertigt ist".
Die Telekommunikationsbranche argumentiert, dass die CAPs (Content and Application Providers) Google, Netflix, Meta, Amazon, Microsoft und Apple einen "fairen Anteil" an der Telekommunikationsinfrastruktur zahlen sollten, da ihre Dienste mehr als die Hälfte des Internetverkehrs ausmachen, und will über die EU-Kommission dazu Regelungen durchsetzen.
Die Netzbetreiber und ihr Verband ETNO (European Telecommunications Network Operators' Association) nennen den Vorstoß Sending-Party-Pays. Den Datenverkehr erzeugen jedoch laut BEREC die zahlenden Kunden der Internetprovider, die Streaming und Anwendungen nutzen. Laut Netzneutralität müssen Daten unabhängig von Herkunft, Inhalt, Anwendung, Absender und Empfänger in Netzen gleichbehandelt werden. Das werde auch ausdrücklich vom europäischen Gesetzgeber anerkannt, erklärte BEREC. "CAPs sind auch in der Lage, die Dateneffizienz der von ihnen bereitgestellten Inhalte und Anwendungen zu optimieren." Diese sind Übertragung über CDNs, effiziente Video-Codecs, Anpassung der Bitrate an die Bildschirmgröße und an die Netzwerkkapazität sowie Benutzeroberflächen.
ETNO: Neidisch auf den Erfolg der CAPs
"Letztendlich ist es der Erfolg der CAPs, aus denen ETNO zusätzliche Einnahmen ziehen möchte, der im Mittelpunkt der jüngsten Nachfragesteigerung nach Breitbandzugang steht. Die Tatsache, dass der Datenfluss auf Anfrage der Kunden der ISPs erfolgt, konnte beispielsweise während der COVID-19-Krise beobachtet werden, als der Internetverkehr für einen Zeitraum, der auf der Nachfrage der Endbenutzer basiert, erheblich zunahm", heißt es in der BEREC-Analyse.
Wenn ISPs Zugangsnetzwerke aufbauen, neigten sie dazu, diese so zu konstruieren, dass mehr Traffic empfangen als gesendet werden kann, erklärte BEREC. "Dies sieht man in Mobilfunknetzen in höherer Download- als Upload-Geschwindigkeit. Im Festnetz ermöglichen Technologien wie Fiber to the Home (FTTH) symmetrische Bandbreiten, auch wenn Provider noch asymmetrische xDSL-Dienste anbieten. ISPs ermöglichen sogar die Befreiung von Datenbegrenzung für ausgewählte Inhalte in ihren Zero-Rating-Angeboten." Daher scheine das Argument der Verkehrsasymmetrie nicht mit dem tatsächlichen Verhalten der ISPs übereinzustimmen.
ETNO wies die BEREC-Ergebnisse als veraltet zurück und erklärte, sie werde der EU-Kommission neue Belege zur Untermauerung ihrer Position vorlegen. EU-Industriekommissar Thierry Breton sagte der Nachrichtenagentur Reuters(öffnet im neuen Fenster), die Europäische Union werde die Angelegenheit Anfang 2023 prüfen.
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