Berater: Snowden will sich stärker einmischen

US-Whistleblower Edward Snowden will im kommenden Jahr öfter in den Medien präsent sein. Ex-NSA-Chef Hayden befürchtet eine weitere Schwächung der US-Geheimdienste.

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Nur der Beginn einer stärkeren Medienpräsenz? Snowdens Weihnachtsansprache auf Channel 4
Nur der Beginn einer stärkeren Medienpräsenz? Snowdens Weihnachtsansprache auf Channel 4 (Bild: Channel 4)

Sein Interview und seine Ansprache vor Weihnachten könnten nur der Auftakt gewesen sein: US-Whistleblower Edward Snowden will im neuen Jahr offenbar stärker in den Medien präsent sein. Das sagte der Snowden-Berater Benjamin Wizner am Sonntag in der US-Fernsehsendung Meet the Press. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass er ein bisschen herauskommen wird", sagte Wizner, der als Jurist für die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU arbeitet und nach eigenen Angaben "regelmäßig" auf verschlüsseltem Weg mit Snowden kommuniziert. Bislang habe dieser sich stark zurückgehalten, obwohl ihm Geld für Buch- und Filmprojekte angeboten worden sei, sagte Wizner weiter. Es sei zu erwarten, dass Snowden sich stärker an der öffentlichen Debatte über die Enthüllungen der NSA-Spähmethoden beteilige.

Nach Darstellung Wizners hofft der 30-Jährige weiter auf eine Rückkehr in die USA - allerdings nicht mit der Erwartung, dort eine lange Haftstrafe antreten zu müssen. Die Regierung solle berücksichtigen, dass Snowden sein Wissen nicht an einen feindlichen Staat verkauft, sondern eine wichtige öffentliche Debatte damit angestoßen habe. Solange eine Amnestie nicht zu erwarten sei, werde er aber nicht zurückkehren. "Snowden ist nicht der Überzeugung, dass der Preis für seine Gewissensentscheidung ein Leben hinter Gittern sein sollte", sagte Wizner. Im Übrigen sei es auch nicht im Interesse der USA, dass sich der Whistleblower in Russland aufhalte. Selbst wenn er nicht in sein Heimatland zurückkehren könne, sei es immer noch besser, einen anderen Platz für ihn zu finden. Weil die USA nach Snowdens Flucht dessen Reisepass für ungültig erklärt hatten, hatte er im vergangenen Juni auf dem Moskauer Flughafen festgesessen und nicht wie geplant nach Lateinamerika weiterreisen können.

Hayden: Snowden ist jetzt ein Verräter

Eine Amnestie Snowdens in den USA erscheint derzeit jedoch unwahrscheinlich. Ex-NSA-Chef Michael Hayden wiederholte dazu am Sonntag in der CBS-Sendung Face the Nation seine Vorwürfe, dass Snowden ein Überläufer und Landesverräter sei. Hayden bezog sich dabei auf angebliche Angebote des Whistleblowers, wonach er den Regierungen von Deutschland und Brasilien versprochen habe, im Gegenzug für eine Asylgewährung bei der Aufklärung der Vorwürfe gegen die NSA behilflich zu sein. "Ich denke, es gibt einen englischen Begriff für den Verkauf amerikanischer Geheimnisse an eine andere Regierung. Und ich denke, er lautet Verrat", sagte Hayden. Die Darstellung des Ex-NSA-Chefs trifft jedoch nicht zu. Zwar hat Snowden beiden Ländern seine Hilfe angeboten, dies aber nicht explizit mit einem Asylwunsch verknüpft. Allerdings hat er in einem offenen Brief an das brasilianische Volk darauf hingewiesen, dass er ohne dauerhaftes Asyl nicht frei sprechen könne.

Hayden hält die NSA durch die Enthüllungen Snowdens für "unendlich schwächer" als vorher. "Das ist der schwerste Aderlass an amerikanischen Geheimnissen in der Geschichte der amerikanischen Spionage", sagte Hayden. Es werde Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, um wieder zu der Position vor den Enthüllungen zurückzukehren. Er befürchte, dass in den noch zu erwartenden Berichten weitere Methoden und Quellen der US-Geheimdienste enthüllt würden.

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