Bepi Colombo: Raumsonde lüftet magnetisches Rätsel auf Merkur

Am 4. September 2024 führte die europäisch-japanische Raumsonde Bepi Colombo ihren vierten erfolgreichen Vorbeiflug am Merkur durch(öffnet im neuen Fenster) . Dabei verringerte die Sonde ihre Geschwindigkeit und passte ihre Richtung an, um den Eintritt in die Umlaufbahn um den Planeten für das Jahr 2026 vorzubereiten.
Eine vorläufige Datenanalyse von zehn der 16 Instrumente an Bord der Sonde zeigten, dass die Umgebung des Merkur erheblich variiert und gelegentlich unerwartete Merkmale aufweist. Dies teilte die Forschungsgruppe auf dem diesjährigen Europlanet Science Kongress (ESPC2024) in Berlin mit.
Vierter Vorbeiflug liefert neue Erkenntnisse
Zwar ist Bepi Colombo bei jedem der vorherigen drei Vorbeiflüge durch dieselben Regionen um den Merkur geflogen . Jedoch zeichneten die Instrumente unterschiedliche Partikelzahlen in der blasenartigen Magnetosphäre auf, die durch das Magnetfeld des Planeten entstand, erklärt die leitende Wissenschaftlerin Hayley Williamson (schwedisches Institut für Weltraumphysik).
Beim letzten Vorbeiflug in einer Höhe von nur 165 Kilometern über der Planetenoberfläche zeichnete die Sonde erstmals planetare Ionen auf – diese geladenen Teilchen stammen vom Sonnenwind und schweben in der Magnetosphäre des Merkur. Seltsamerweise schienen sich diese Partikel kurz nach der größten Annäherung von Bepi Colombo in zwei verschiedene Energieebenen aufzuspalten.
Einen Tag vor der letzten Annäherung von Bepi Colombo traf eine Ansammlung hochenergetischer Teilchen von der Sonne auf die Raumsonde und Merkur. Diese Teilchen hätten die Magnetosphäre des Planeten dramatisch beeinflusst und könnten einige der unerwarteten Merkmale in den Daten erklären. Doch dafür braucht es weitere Analysen.
Dicht über der Oberfläche – durch korrigierte Flugbahn
Die Raumsonde flog zudem 35 Kilometer näher an der Merkuroberfläche vorbei, als es zuvor geplant war. Laut Ignacio Clerigo, der bei der europäischen Raumfahrtbehörde Esa für den Betrieb von Bepi Colombo zuständig ist, war dies der dichteste Vorbeiflug an einem Planeten – einschließlich der Erde -, den ein Raumfahrzeug je unternommen hat.
Die unerwartet geringe Entfernung zur Merkuroberfläche war auf die vom Missionsteam überarbeitete Flugbahn zurückzuführen, die zur Behebung einer Störung im Antriebssystem des Raumfahrzeugs entwickelt wurde.
Im April stellten die Ingenieure fest, dass die elektrischen Triebwerke im Transfermodul des Raumfahrzeugs nicht mit voller Leistung arbeiteten. Diese Triebwerke werden mit Strom aus den Solarmodulen des Moduls betrieben. Anomale elektrische Ströme, die zwischen dem Transfermodul der Sonde und einer Einheit zur Stromversorgung des gesamten Raumfahrzeugs flossen, ließen weniger Strom für die Triebwerke übrig. Durch die überarbeitete Route entwickelt, waren geringere Schubwerte erforderlich.
Die anstehenden Meilensteine der Mission
Jedoch wird Bepi Colombo nun erst im November 2026 in eine Umlaufbahn um den Merkur eintreten – elf Monate hinter dem eigentlichen Zeitplan. Die Verzögerung wird jedoch die wissenschaftlichen Ziele der Mission nicht beeinträchtigen, teilte die Esa in einer Presseerklärung mit.
Der nächste Meilenstein für das Raumfahrzeug ist ein Vorbeiflug am Merkur am 1. Dezember 2024 und ein weiterer am 8. Januar 2025, was insgesamt drei Vorbeiflüge in etwa vier Monaten entspricht.



