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Benzinpreise: 12-Uhr-Regel steigert Gewinnmarge der Konzerne

Die neue Spritpreisregel hilft den Verbrennerfahrern nicht. Vor allem kleine Tankstellenketten profitieren von höheren Gewinnen.
/ Friedhelm Greis
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Das Foto zeigt den Preisunterschied an einer Tankstelle in Berlin vor und nach 12 Uhr am 25. April 2026. (Bild: Tobias Schwarz/AFP/Getty Images)
Das Foto zeigt den Preisunterschied an einer Tankstelle in Berlin vor und nach 12 Uhr am 25. April 2026. Bild: Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

Die Mineralölkonzerne nutzen die seit dem 1. April 2026 geltende Spritpreisregel zur Steigerung ihrer Gewinne. Das geht laut Pressemitteilung(öffnet im neuen Fenster) aus einer Analyse des ZEW Mannheim und des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) hervor. Demnach stiegen die Gewinnmargen sowohl für E5- als auch für E10-Benzin in Deutschland um rund sechs Cent pro Liter.

Die Bundesregierung wollte mit dem sogenannten Österreichmodell den starken Anstieg der Kraftstoffpreise seit dem Beginn des Irankrieges dämpfen. Tankstellen, die zuvor Dutzende Male am Tag die Preise für Benzin und Diesel anhoben, dürfen das seit dem 1. April 2026 nur noch einmal am Tag um 12 Uhr.

Spritpreisregel führt zu höheren Preisen

Eine Auswertung des ADAC ergab bereits nach zweieinhalb Wochen(öffnet im neuen Fenster), dass die Mineralölkonzerne mit der einmaligen Erhöhung um 12 Uhr einen hohen Risikoaufschlag einpreisen, der im Laufe des Tages nur langsam abgebaut wird. Autofahrer mit Verbrennern hätten mit dem früheren Modell ebenfalls gut planen, aber im Durchschnitt vor allem günstiger tanken können, schrieb der Automobilclub.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen die Forscher der beiden Institute. "Einerseits reduziert sich der durch sieben bis acht Preisspitzen geprägte Tageszyklus auf eine einzelne, vorhersehbare Mittagssteigerung, wodurch günstige Zeitfenster klarer erkennbar werden. Andererseits müssen höhere Preise zwischen Mittag und frühem Abend in Kauf genommen werden", sagte Co-Autor Leonard Gregor vom DICE. Die Ergebnisse deuten demnach darauf hin, "dass die Vorhersehbarkeit der Preisanpassungen indirekt zu höheren Durchschnittspreisen führt".

Kleine Ketten trauen sich mehr

Um die Gewinnmargen zu berechnen, verglichen die Forscher die Kraftstoffpreise abzüglich der Steuern und Gebühren mit den Großhandelspreisen aus der europäischen Handelsregion Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen, dem sogenannten ARA-Preis. Im Zeitfenster von jeweils 14 Tagen vor und nach der Reform analysierten die Forscher rund 420.000 Beobachtungen für E5-Benzin und Diesel auf Basis der Preisdaten aus der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K)(öffnet im neuen Fenster).

"Während die Gewinnmargen von Benzin seit Inkrafttreten der Tankpreisregelung im Durchschnitt etwa sechs Cent pro Liter gestiegen sind, schwankten die Margen für Diesel im Beobachtungszeitraum deutlich. Die Preise für Diesel zogen bereits vor Inkrafttreten der Regelung im Verlauf des Iran-Konflikts stark an, während Benzin verzögert reagierte", sagte Jacob Schildknecht vom ZEW.

Der Analyse zufolge beeinflussen sowohl die Region als auch die Größe der Tankstellenkette die Größe des Effekts. Ketten und unabhängige Anbieter verzeichneten die höchsten Margenanstiege, während die Auswirkungen für mittelgroße Ketten moderater und bei großen Ketten am geringsten seien. In Süddeutschland stiegen die Margen demnach besonders stark – zusätzlich um bis zu 1,2 Cent pro Liter Benzin und 2,4 Cent pro Liter für Diesel.

Nach Einschätzung von DICE-Direktor Justus Haucap zeigt die Untersuchung, dass die Effekte der Spritpreisregel stark Marktstruktur und Wettbewerbsintensität abhängen. "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere größere Unternehmen ihre Margen weniger stark erhöhen, da sie als marktbeherrschende Akteure eher kartellrechtliche Prüfungen fürchten müssen", sagte Haucap.

Bundestag beschließt Tankrabatt

Der Bundestag beschloss am 24. April 2026 den sogenannten Tankrabatt(öffnet im neuen Fenster), der durch eine Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel die Nutzer von Verbrennerfahrzeugen um 17 Cent pro Liter Treibstoff entlasten soll.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte bei der Vorstellung der Pläne die Erwartung, "dass die Mineralölwirtschaft diese Entlastung auch direkt und ohne Einschränkung an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergibt". Nach Angaben von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil kostet der Tankrabatt den Bundeshaushalt 1,6 Milliarden Euro. "Wir haben verabredet, dass wir diese Entlastung mit kartellrechtlichen und steuerrechtlichen Maßnahmen gegenfinanzieren", sagte der SPD-Chef. Merz ergänzte, dass überhöhte Preise, die durch Missbrauch von marktbeherrschender Stellung oder Preisabsprachen erzielt worden seien, nach dem Kartellrecht abgeschöpft werden könnten.


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