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Benutzerinterfaces: Die Maus ist tot? Es lebe die Maus!

Die Maus - Tastatur -Kombi ist als Bedienschnittstelle nach wie vor unerreicht. Warum auch KI daran nichts ändern wird.
/ Christian Rentrop
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Im Grunde hat sich in Sachen Benutzerinterface seit 40 Jahren wenig getan. (Bild: Bill Bertram via Wikimedia Commons)
Im Grunde hat sich in Sachen Benutzerinterface seit 40 Jahren wenig getan. Bild: Bill Bertram via Wikimedia Commons / CC-BY-SA 2.5
Inhalt
  1. Benutzerinterfaces: Die Maus ist tot? Es lebe die Maus!
  2. Touch-Technik: mehr Intuition, weniger Funktion
  3. Bringt KI die Bedienungswende?

Wie werden wir in Zukunft mit dem Computer und smarten Geräten interagieren? Wenn der Mensch mit der Maschine interagieren soll, steht der Designer vor einem Problem: Wie ist es möglich, eine maximal funktionale und gleichzeitig intuitive Schnittstelle zu schaffen, die Nutzer weder vor Hürden stellt, noch frustriert – und gleichzeitig technisch machbar ist?

Dass das gar nicht so einfach ist, zeigt die Tatsache, dass wir heute am PC und Mac wie eh und je mit der Maus Icons auf dem Monitor herumschubsen – so, wie wir es in grauer Vorzeit bereits am Ur-Mac, Amiga 500 und Atari ST getan haben. Die Schreibtisch-Metapher, so scheint es, ist unzerstörbar – zumindest bei Computern für den Schreibtisch.

Anders sieht es bei all den mobilen Alltagsgegenständen aus, die uns inzwischen überall umgeben. Das sind zwar ebenfalls Computer – aber sie sollen nicht so wirken! Smartspeaker, Smartwatches und Wearables. Autos und TV-Geräte. Ja sogar Haushaltsgegenstände wie Kaffee- und Waschmaschinen. Und zuvorderst natürlich das Smartphone, dessen Desktop-Metapher Steve Jobs direkt beim ersten iPhone kassierte, zusammen mit dem Stylus(öffnet im neuen Fenster) , der wenige Jahre später beim iPad wieder auftauchen sollte.

Doch die ersten Smartphones vor knapp 20 Jahren bilden nicht nur die Grundlage unserer heutigen vernetzten Welt, sondern setzten auch den Ton, der seither bei Bedienoberflächen von allerlei Devices nachklingt: Einfachheit zuerst, alles andere kommt später. Bis auf einige Linux-Hardliner, die ihr Smartphone lieber als vollwertigen Computer per Terminal-Eingabe nutzen würden, wurde die Beschränkung der Funktion zugunsten der Benutzerfreundlichkeit von der breiten Masse akzeptiert. Heute hat jeder einen kleinen Computer in der Tasche, auch, weil das Smartphone die Computerbedienung demokratisierte.

Schon die Texteingabe war eine Revolution

Wobei das eigentlich nicht stimmt: Es gab in der Vergangenheit viele Verbesserungen der Nutzerfreundlichkeit am Computer: Die wenigsten Menschen wären heute in der Lage, einen Großrechner wie den Zuse Z3 (1941) oder ENIAC (1945) zu bedienen, mit all ihren Schaltern und Tasten, Lochkarten und Druckern. Selbst erste All-in-One-Desktop-Rechner wie der Olivetti Programma 101 (1965)(öffnet im neuen Fenster) mussten noch ohne Display auskommen.

Erst Ende der 1960er Jahre setzten sich die ersten Computer mit Display und Texteingabe durch, damals noch kaum erschwinglich für die Massen. Dennoch glich das Konzept einer Revolution. Egal ob als Terminal am Großrechner oder als Standalone-Computer: Input und Output via Tastatur und Bildschirm machten Computer zugänglicher als je zuvor.

Teure Einzelgeräte für Unternehmen und die Wissenschaft wie den DEC GT40 (1972)(öffnet im neuen Fenster) setzten in Sachen Bedienung den Ton für die kommende Dekade und gaben vor, was die ersten erschwinglichen Haushaltscomputer wie der seinerzeit günstige Altair 8800 (1975) , der Commodore PET 2001 (1977)(öffnet im neuen Fenster) oder auch der Apple II, später Sinclair ZX80(öffnet im neuen Fenster) , der erste IBM-PC (1981)(öffnet im neuen Fenster) und natürlich der Commodore C64 (1982)(öffnet im neuen Fenster) aufgriffen. Gemeinsam hatten sie alle die Texteingabe.

Die Desktop-Metapher: Ein großer Sprung nach vorn

Das Problem: Textbasierte Systeme sind zwar sehr effizient, aber alles andere als intuitiv. Weshalb sich Wissenschaftler schon seit den 1960ern über eine Verbesserung der Bedienung Gedanken machten. Die Erfindung des "X-Y Position Indicator for a Display System" 1964 durch Douglas Engelbart – oder "Maus", wie wir ihn heute nennen -, wies die Richtung.

Parallel entwickelte Telefunken die Rollkugelsteuerung RKS 100-86, die im Kern nichts anderes ist als eine moderne Computermaus. Was fehlte, war eine sinnvolle Anwendung: Die demonstrierte Xerox mit dem Alto (1973), dem ersten PC mit grafischer Benutzeroberfläche und Maussteuerung. Apple legte 1984 beim Mac die bis heute gültige Schreibtisch-Metapher nach: Statt Texteingabe war jetzt Mausschubsen angesagt. Die textbasierte Eingabe ist dennoch bis heute Bestandteil aller Desktop-Betriebssysteme. Linux hat sie, genau wie MacOS oder Windows. Das Terminal ist nicht totzukriegen, weil es so herrlich effizient ist.


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