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Bento Box: Europäische private Forschungsplattform startet 2026

Mit der Plattform Bento Box sollen Experimente in der Schwerelosigkeit ermöglicht werden – etwa an Bord einer deutsch-französischen Wiedereintrittskapsel .
/ Patrick Klapetz
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Eine Illustration der Phoenix-2-Wiedereintrittskapsel und der Bento-Boxen (s.o.). (Bild: Atmos Space Cargo, Space Cargo Unlimited)
Eine Illustration der Phoenix-2-Wiedereintrittskapsel und der Bento-Boxen (s.o.). Bild: Atmos Space Cargo, Space Cargo Unlimited

Der ehemalige Direktor der europäischen Raumfahrtagentur Esa, Jan Wörner , ist jetzt zuständig für eine neue Forschungsplattform im Weltraum. Als Strategiechef beim europäischen Raumfahrt-Startup Space Cargo Unlimited(öffnet im neuen Fenster) soll er die Fertigung im Weltall vorantreiben. Die Forschungsplattform Bento Box soll dafür ab 2026 in die Erdumlaufbahn gebracht werden.

Im vergangenen Jahr hatte Wörner diesen Posten bei der Firma aus Luxemburg übernommen. Im Gespräch mit der Wirtschaftswoche erzählt er(öffnet im neuen Fenster) , dass das Unternehmen eine Mischung aus Labor und Fabrik im All erschaffen will. Mit dieser Weltraumplattform haben Forschungsteams die Möglichkeit, neue Dinge und Produktionen in der Schwerelosigkeit durchzuführen.

Die Vorteile einer Forschungsplattform im Weltraum

Denn in der Schwerelosigkeit sind einige Hürden für Experimente ausgeschaltet. Dadurch werden die Experimentaufbauten einfacher und es gibt weniger Variablen, die man für die Versuchsaufbauten beachten muss. Besonders in der Medizin, Biologie und Materialwissenschaft könne man Mischungen herstellen, die sich auf der Erde, wegen der vorhandenen Schwerkraft, immer wieder voneinander trennen würden.

Laut Wörner wurden im Weltraum bereits Glasfaserkabel hergestellt, die von viel besserer Qualität sein sollen als diejenigen, die auf der Erde produziert werden. Zudem sind Pflanzen in der Schwerelosigkeit einem weiteren Stressfaktor ausgesetzt, der zu Mutationen führt, durch die die Pflanzen resistenter gegen bestimmte Umweltbedingungen werden. Diese Züchtungen kann man dann auf der Erde nutzen.

Bento-Boxen fürs All

Diese Experimente können nun in den sogenannten Bento-Boxen des Unternehmens durchgeführt werden. Sie sind nach den Kästchen benannt, in denen in Japan Speisen zum Mitnehmen angerichtet und transportiert werden. Jedoch werden die Bento-Boxen von Space Cargo Unlimited mit Strom versorgt, damit etwa die Temperaturen für die Experimente geregelt werden können.

"Die Box fliegt mit unterschiedlichen Raumtransportern ins All und kehrt dann nach kürzerer oder längerer Zeit wieder zurück" , teilt Wörner mit. Zudem sagt er, dass Plattformen wie die Bento-Boxen den Zugang zum Weltraum kommerzialisieren können.

Die Nachfrage wäre da, jedoch wird die Internationale Raumstation ISS nur noch bis zum Ende des Jahrzehnts in Betrieb sein. Danach benötige man andere Zugänge zur Schwerelosigkeit, so Wörner. Europa habe "diesen Kommerzialisierungskick jetzt auch verinnerlicht" . Und der derzeitige Generaldirektor der Esa, Josef Aschbacher, unterstützt diesen Kurs auch.

Mitfahrgelegenheit im Orbit

Jedoch brauchen die Bento-Boxen auch eine Mitfahrgelegenheit, da sie selbst nicht als Raumschiff konzipiert sind. Dafür dient die Kooperation mit dem deutsch-französischen Raumfahrtunternehmen Atmos Space Cargo(öffnet im neuen Fenster) , das wiederverwendbare Raumkapseln entwickelt, um Fracht jeder Größe aus dem niedrigen Erdorbit zu transportieren, zu betreiben und zurückzubringen.

Das Wiedereintrittsfahrzeug Phoenix-2 soll 2026 an Bord einer Falcon-9-Rakete von SpaceX in den Weltraum aufbrechen. Die Mission soll mehrere Wochen andauern. Während Atmos die Fähigkeiten seines Raumfahrzeugs testen wird(öffnet im neuen Fenster) , will Space Cargo Unlimited seine Bento-Boxen auf den Prüfstand stellen. Ein genauer Starttermin wurde bisher nicht verkündet. Allerdings soll dies nur der erste von sieben gemeinsamen Raumflügen sein.


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