Bemannte Raumfahrt: Gleicht die ISS einer Rumpelkammer?

Der Platz auf der Internationalen Raumstation ISS ist knapp. Das musste bereits Alexander Gerst feststellen.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Klapetz
Alexander Gerst schwebte damals bereits in der vollgepackten ISS umher.
Alexander Gerst schwebte damals bereits in der vollgepackten ISS umher. (Bild: NASA, ESA)

In rund 400 Kilometern Höhe fliegt die Internationale Raumstation ISS über die Erde hinweg. Am 31. Oktober soll der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer als Besatzungsmitglied der Crew-3 von SpaceX zur Raumstation aufbrechen. Viel Platz gibt es dort allerdings nicht mehr, denn "das ist schon voll da oben. Etwas zu suchen und zu finden ist manchmal nicht so leicht bei der Menge", räumt Volker Schmid, der beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Maurers Mission "Cosmic Kiss" leitet, gegenüber der DPA ein.

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Entworfen wurde die Raumstation in den 1980er-Jahren und da man nicht mal eben für einen Notfall hochfliegen kann, sollen sich alle wichtigen Utensilien auf der ISS befinden. Dabei kommen jedoch so manche Dinge zum Vorschein, die auf der Erde vermutlich längst Staub angesetzt hätten. So entdeckte der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst einst in einem Fach Disketten, die mit den über 20 Jahre alten Betriebssystemen Windows 95/98 vollgepackt waren.

Alt, aber immer noch robust

Das sei aber nicht das einzige Manko der ISS. Mittlerweile ist sie auch selbst in die Jahre gekommen. Es gibt immer wieder kleinere Lecks im russischen Modul der Station. Um herauszufinden, wo sich diese Lecks befinden, lassen die Raumfahrenden Teebeutel umherschweben.

Eine Gefahr sei dies laut Schmid aber nicht und deshalb auch kein Grund dafür, die ISS sofort abzuschalten. Immerhin sei das russische Modul mehr als 20 Jahre alt und würde hoch beansprucht werden. Im Erdschatten müsste es minus 150 Grad Celsius aushalten, wogegen es plus 150 Grad auf der Sonnenseite seien. Und das alles im Wechseltakt von 45 Minuten.

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Als Vergleich nimmt der Experte ein Auto, bei dem im Laufe der Zeit wahrscheinlich auch das ein oder andere Teil ausfallen würde: "Dann muss man schauen, dass man das reparieren kann." Dafür werden immer wieder Reparaturen getätigt wie das Austauschen von Wärmepumpen, Ersatzteilen und neuen, leistungsstarken Solarpanels.

Bis 2024 bleibt die ISS laut Schmid definitiv noch in Betrieb, realistischer sei jedoch ihr Einsatz bis zum Ende der 2020er Jahre. Im nächsten Jahr tagt der Esa-Ministerrat darüber, wie es weitergehen und wie auch ein Nachfolger der ISS nach dem Jahr 2030 aussehen könnte. Immerhin sei die ISS "eine Rieseninvestition von Steuermitteln gewesen. Die will man nutzen, solange es geht", so Schmid.

Was tun bei Gefahr?

Natürlich kann es auch vorkommen, dass größere Probleme auftreten. Die ISS wurde jedoch so konstruiert, dass sie diese überstehen sollte. Für Sauerstoff, Strom und lebenserhaltende Systeme gebe es Ersatz. Falls ein Modul unbenutzbar oder undicht würde oder ein Feuer ausbräche, könne man es von der restlichen Station abschotten. "Und zur Not könnte man auch jederzeit zurück, denn die Sojus- und Dragonkapseln fungieren auch als Rettungssysteme", so Schmid. Auf solche Situationen werden die Raumfahrenden in ihrem Training vorbereitet.

Schwierig kann es werden, wenn wieder mal Nachschub zur ISS geschickt wird. Das soll alle paar Wochen geschehen, erörtert Schmid und fügt hinzu: "Wenn viel zu tun ist, kann das Aus- und Einladen schon mal hektisch werden. Zum Beispiel, wenn viele neue Experimente kommen, Proben für den Rücktransport verpackt und große Teile temporär untergebracht werden müssen."

Platz schaffen, wo kaum einer ist

Manchmal wird es dann so voll, dass man Experimentierschränke hin und her schieben muss. Der Wohn- und Arbeitsraum beträgt laut der ESA ungefähr 1.200 Kubikmeter. Schmids Vergleich: "Die haben so viel Platz wie in einem leeren Jumbojet." Alleine während der "Cosmic Kiss"-Mission von Maurer sollen zwischen 100 und 150 Experimente durchgeführt werden. Diese benötigen ebenfalls Platz. Im Gespräch mit Golem.de meinte der Materialwissenschaftler, dass bereits einige der Experimente auf der ISS durchgeführt werden. Andere würde er mitbringen.

Experimente müssen entsprechend abgesprochen werden. Laut Schmid sei dies teilweise "nicht so ganz easy." Deshalb schicke man immer wieder Analysen, Geräte und Proben zurück zur Erde. Anders ist es mit ausgedienten Experimenten, Hardware oder Astronautenunterwäsche. Diese lasse man als Müll mit Versorgungsraumschiffen beim Wiedereintritt in die Atmosphäre einfach verglühen - auch eine Lösung.

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