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Beamer im Test: Mini-Projektoren, die nicht Mist sind

Sie sind kompakter und günstiger als große Heimkinoprojektoren. Unser Test von vier Mini-Projektoren zeigt, dass einige inzwischen auch fast so gut sind.
/ Martin Wolf
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Alle getesteten Projektoren im Bild (Bild: Nina Völkel / Golem.de)
Alle getesteten Projektoren im Bild Bild: Nina Völkel / Golem.de

Mini-Projektoren werden zu einer ernstzunehmenden Produktklasse. Noch vor einigen Jahren waren Marktplätze wie Amazon voll von Angeboten für billige und kleine Projektoren mit abenteuerlichen Spezifikationen und einem enttäuschenden Bild. Die aktuelle technische Entwicklung von Projektoren mit LED- und Laserlichtquellen ermöglicht hingegen eine kompakte Bauweise, ohne beim Bild gravierende Abstriche machen zu müssen.

Als Ersatz für einen vollwertigen hellen Heimkinoprojektor taugt trotzdem keiner der vier von uns getesteten Projektoren – aber das ist auch nicht das Versprechen der Hersteller. Vielmehr sollen die Geräte in der Wohnung oder unterwegs für flexiblen Medienkonsum genutzt werden. Ob im Kinderzimmer, im Garten oder im Meetingraum – die kleinen Beamer haben ihren sinnvollen Platz. Nicht jeder in unserem Testfeld ist für alle Einsatzszenarien gleich gut geeignet, Full-HD-Auflösung ist jedoch bei allen Standard. Wir haben uns den Yaber Pro V9, den Emotn N1, den Xgimi Mogo 2 Pro und den Viewsonic M2 näher angesehen.

Unterschiede sind vor allem bei Bildgröße und -qualität, der Helligkeit und den Smart-TV-Funktionen zu verzeichnen.

Yaber Pro V9

Unser erster Projektor im Test hat von Letzteren nur wenige: Lediglich die Spiegelung von Inhalten per iOS- und Android-Smartphone oder PC mit Miracast(öffnet im neuen Fenster) wird unterstützt. Dabei gibt es keine HDCP-Zertifizierung. Das bedeutet, dass beim Teilen von Netflix per WLAN die Leinwand dunkel bleibt.

Immerhin hat der Projektor als einziger im Test gleich zwei HDMI-Ports und bietet auf der Oberseite gut fühlbare und teilweise beleuchtete Tasten. Da sein Netzteil intern verbaut ist, reicht ein einfaches Euro-Netzkabel für die Stromzufuhr. Angeschaltet gibt er ein deutlich wahrnehmbares Lüfterrauschen von sich und projiziert ein mit 500 Ansi-Lumen recht helles Bild, das selbst bei dezentem Tageslicht noch gut erkennbar ist. Es zeigt nach unten eine leichte Verfärbung und Abdunkelung.

Weil außer einer mal besser und mal schlechter funktionierenden automatischen Eckenausrichtung und dem motorisierten Autofokus anscheinend kaum Bildveränderungen vorgenommen werden, ist die Latenz mit 40 ms ziemlich niedrig und der Projektor somit zum Spielen geeignet. Der Mono-Ton aus den Lautsprechern ist blechern und kaum für Filmabende geeignet. Dank Bluetooth und Miniklinke kann aber auch auf externe Audiogeräte ausgewichen werden.

Mini-Projektoren – Fazit
Mini-Projektoren – Fazit (01:57)

Der Lieferumfang ist sehr gut. Neben einem kleinen Transportrucksack sind auch ein HDMI-Kabel sowie eine Linsenabdeckung und ein Adapter für den Composite-Eingang mit dem Yaber Pro V9 dabei. Leider kann mit dem analogen Signal nur 16:9 dargestellt werden, was den Spaß bei alten Spielkonsolen genauso trübt wie die sichtbaren Artefakte, die bei der Bildumwandlung von analog zu digital auftreten.

Positiv bewerten wir die Komfortfunktionen. So kann man einstellen, ob der Projektor sofort bei Stromzufuhr angeht, welche Quelle als erstes genutzt wird und ob sich die Optik nach dem Ausschalten wieder in die Ausgangsposition zurückfahren soll. Das Betriebssystem ist eher holprig ins Deutsche übersetzt. Die unbeleuchtete Fernbedienung hingegen ist mit ihren gut erfühlbaren Tasten für fast alle Einstellungen und ohne Menü-Buddelei ein Pluspunkt.

Wir sehen den Yaber Pro V9 am ehesten in Bildungseinrichtungen oder im Geschäftsumfeld. Hier kann er mit schnörkelloser Leistung ohne Datenschutzbedenken wegen etwaiger Einverständniserklärungen punkten.

Kleiner, lauter, teurer?

Emotn N1

Beim nächsten Kandidaten müssen wir beim ersten Einschalten gleich zwei davon abnicken – sonst geht beim Emotn N1 nichts. Wenn wir uns damit angefreundet haben, unsere Nutzungsdaten zugänglich zu machen, bekommen wir allerdings auch einiges mehr geboten als beim Yaber Pro V9.

Als einziger Projektor im Test kann der kompakt-zylindrische N1 nämlich Netflix direkt aus dem Betriebssystem starten. Dieses basiert auf Ubuntu(öffnet im neuen Fenster) und bietet sogar einen absolut brauchbaren Webbrowser. Die Bluetooth-Fernbedienung muss nah vor der Front des Projektors zum ersten Pairing platziert werden, dedizierte Tasten am Gerät selbst gibt es nicht.

Das Bild ist mit 500 Ansi-Lumen schön hell und auch bei leichtem Tageslichteinfall noch gut erkennbar. An den Rändern dunkelt es jedoch merklich ab, was bei Bildern mit hohem Weißanteil zu sehen ist. Die automatische Ausrichtung und der Fokus sind ziemlich treffsicher, aber wir konnten durch manuelles Nachjustieren immer noch ein wenig mehr Schärfe erreichen. Der Projektor ist schön leise und seine Latenz von ca. 60 ms macht ihn für uns spieletauglich.

Die Anwendungen aus dem vorinstallierten Appstore sind nicht alle funktionsfähig, aber zumindest Internetradios bekamen wir zum Laufen.

Die Fernbedienung hat keine Taste zur Quellenauswahl, dafür gibt es Netflix, Amazon Prime Video und Youtube auf Knopfdruck. Das unterstreicht, ebenso wie der einzelne HDMI-Eingang, dass der Emotn N1 als alleinstehendes Medienkonsumgerät ohne die Notwendigkeit weiterer Zuspieler konzipiert wurde. Diese Aufgabe erfüllt er unserer Meinung nach sehr gut – wenngleich wir beim Sound Abstriche machen müssen.

Der Lautsprecher klingt zwar um Welten besser als der des Yaber Pro V9, aber lange nicht so gut wie ein richtiger Bluetooth-Speaker – oder wie wir es vom Volumen des Emotn N1 erwarten würden. Stereo gibt es nicht, dafür aber simulierten Raumklang.

Xgimi Mogo 2 Pro

Mit seinem Klang punktet hingegen der nächste Kandidat. Man sieht es ihm nicht an, aber der kleinste Projektor in unserem Testfeld hat den größten Sound. Den Xgimi Mogo 2 Pro würden wir ohne weiteres auch als Stereo-Bluetooth-Lautsprecher nutzen – was dank vorhandener Konnektivität und der Stromversorgung über USB-C sogar mit einer Powerbank ginge.

Aber auch als Projektor überzeugt der Mogo 2 Pro. Er kommt mit Android TV 11 als Betriebssystem, was einen Google-Account voraussetzt. Er war bei uns innerhalb weniger Sekunden einsatzbereit, weil wir die Einrichtung mit unserem Smartphone abschließen konnten.

Somit steht uns auch Youtube sofort zur Verfügung, Netflix sollte über Umwege auch installierbar sein – aber bei uns funktionierte das nicht.

Das 500 Ansi-Lumen helle Bild zeigt keine Abdunkelungen und die Automatiken für Trapez und Fokus sind treffsicher. Es gibt sogar eine Objekterkennung, die das Bild im Ganzen verkleinert, wenn Gegenstände im Weg stehen. Auch eine automatische Abschaltung der Lichtquelle zum Augenschutz bietet der Projektor – was im Kinderzimmer sicherlich sinnvoll ist.

Der Lüfter rauscht vernehmbar, ist aber nicht so laut, dass er nervt. Die Latenz ist mit unter 50 ms im Gaming-Modus niedrig genug für die meisten Spiele. Allerdings muss dann auf die Trapezkorrektur verzichtet werden. Die unbeleuchtete Fernbedienung hat keine Tasten für die Quellenwahl, ist aber dank fühlbar unterschiedlicher Tasten gut benutzbar.

Wie beim großen Modell des gleichen Herstellers sind nur wenige Optionen für die Bildkalibrierung und den Komfort vorhanden.

Viewsonic M2

Davon hat der schon etwas ältere Viewsonic M2 genügend. Ob Gamma, Farbanteile oder Komforteinstellungen wie die Vorwahl der Quelle beim Einschalten – beim M2 kann vieles angepasst und in zwei Profilen gespeichert werden.

Seine flache und kompakte Bauweise führt dennoch nicht zu lauten Lüftergeräuschen, denn der M2 ist eindeutig der leiseste Projektor im Test. Auch sein helles Bild mit 500 Ansi-Lumen kann mit dem Mogo 2 Pro locker mithalten. Beim Sound hingegen verliert er klar.

Bluetooth-Konnektivität und Klinkenanschluss sorgen aber auch hier wie bei allen anderen Geräten für Abhilfe.

Nicht so gut sieht es hingegen bei den Smart-TV-Funktionen aus. Der M2 kommt mit einem eigenen, auf Android basierenden Betriebssystem, das einen alternativen App-Store ohne native Programme für Youtube oder Amazon Prime Video, geschweige denn Netflix mitbringt. Dafür ist keinerlei Anmeldung nötig, um den Projektor zu nutzen.

Seine Automatikfunktionen für Fokus und Verzerrung sind solide, einen Augenschutz hat das Gerät auch. Die Latenz ist mit rund 60 ms bei Abschaltung von Bildverbesserungen für viele Spiele ausreichend.

Auch sonst punktet der M2 bei uns: Er kommt als einziger mit einem Micro-SD-Kartenslot, eine robuste Tasche für das Netzteil und die einfach gehaltene Fernbedienung sind im Lieferumfang enthalten. Dabei lässt er sich wie der Mogo 2 Pro notfalls per Powerbank über seinen USB-C-Anschluss betreiben.

Viewsonic bewirbt den M2 mit 1.200 LED Lumen(öffnet im neuen Fenster) Lichtleistung – auch wenn das etwas merkwürdig erscheinen mag, hat es seine Berechtigung (G+) . Alle von uns getesteten Projektoren erscheinen subjektiv wesentlich heller, als es ihre Ansi-Lumen-Spezifikation vermuten ließe. Der Grund liegt in der LED-Lichtquelle, die Farben deutlich kontrastreicher wirken lässt. Daher raten wir dazu, einmal einen LED-Projektor im realen Umfeld auf die subjektive Helligkeit zu prüfen.

Mini-Beamer: Verfügbarkeit und Fazit

Verfügbarkeit

Der Yaber Pro V9 ist derzeit mit Rabatt ab 250 Euro erhältlich(öffnet im neuen Fenster) , der Emotn N1 kostet mit Rabatt 400 Euro(öffnet im neuen Fenster) , Xgimis Mogo 2 Pro kommt für 500 Euro ab April 2023 in den Handel und Viewsonics M2 und M2e sind ab rund 600 Euro lieferbar.

Fazit

Wir finden für alle getesteten Projektoren ein Einsatzfeld. Der einfache und sehr preiswerte Yaber Pro V9 mit seinen Gehäusetasten und dem Standard-Netzkabel ist in Schule oder Meetingraum auch dann noch nutzbar, wenn Fernbedienung und Originalkabel fehlen. Außerdem ist er dank seiner Tasche gut zu verstauen – all das lässt über Schwächen bei Bild und Ton hinwegsehen und -hören. Die fehlenden Smart-TV-Funktionen sind in diesem Umfeld verschmerzbar.

Der Emotn N1 ist das Rundum-Sorglos-Paket für den Medienkonsum ohne zusätzliche externe Quellen, da er Netflix und andere Videostreamingdienste mitbringt. Seine soliden Automatikfunktionen und ausreichende Bildqualität machen den etwas schwächeren Sound allemal wett.

Der Xgimi Mogo 2 Pro ist der Star auf jeder Party, da sein voluminöser Sound unterwegs die Stereoanlage ersetzt. Da er auch der kompakteste Projektor im Test ist, kann er dank seiner gut funktionierenden automatischen Bildeinrichtung und der Stromversorgung per USB-C überall eingesetzt werden.

Spezifikationen der getesteten Mini-Projektoren
Yaber Pro V9 Emotn N1 Xgimi Mogo 2 Pro Viewsonic M2
Lichtstärke in ANSI-Lumen 500 500 500 500
Farbraumabdeckung k.A. k.A. DCI P3 90 % Rec 709 125 %
Bilddiagonale bei 130 cm Abstand 90 cm 100 cm 115 cm 100 cm
Anschlüsse Miniklinke, 2xHDMI, USB, Composite Miniklinke, HDMI, USB, RJ 45 Miniklinke, HDMI 2.0, USB Miniklinke, HDMI 2.0 mit HDCP 1.4/2.2, USB, MicroSD
Funk WLAN, Bluetooth WLAN, Bluetooth WLAN, Bluetooth WLAN, Bluetooth
3D Nein Nein Ja Ja
Stromverbrauch Bis zu 100 Watt Bis zu 100 Watt Bis zu 65 Watt Bis zu 65 Watt
Lautsprecher Anzahl / Watt k.A. 2 / 5 Watt 2 / 8 Watt 2 / 3 Watt
Lebensdauer Leuchtmittel Bis zu 30.000 Stunden Bis zu 30.000 Stunden Bis zu 30.000 Stunden Bis zu 30.000 Stunden
Gewicht 2,9 kg 2 kg 1,1 kg 1,3 kg
Maße 364 x 257 x 156 mm 284 x 279 x 254 mm 160 x 118 x 108 mm 224 x 224 x 50 mm
Native Auflösung 1.920 x 1.080 1.920 x 1.080 1.920 x 1.080 1.920 x 1.080

Den Viewsonic M2 würden wir am ehesten als Ersatz für einen ausgewachsenen Projektor sehen: Er lässt sich am besten kalibrieren, hat viele Komfortfunktionen, einen guten Lieferumfang, das hellste Bild der getesteten Geräte und ist am leisesten. Schwächen beim Ton und den smarten Funktionen sowie einen höheren Preis als bei den anderen Geräten muss man dagegen abwägen.

Dass alle getesteten Projektoren grundsätzlich gut benutzbar sind, zeigt, dass sich kleine LED-Projektoren in den vergangenen Jahren zu einer ernstzunehmenden Gerätekategorie entwickelt haben. Gerade wer eher selten Filme bei Tageslicht anschaut, kann theoretisch auf einen großen Smart-TV verzichten und stattdessen einfach ab und zu einen kleinen Projektor auf dem Couchtisch platzieren. Für unterwegs und das gemeinsame Fußballvergnügen im Garten empfehlen sich die Minis natürlich sowieso.


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