Exploit mittels Java-Deserialisierung

Die sicherlich spektakulärste Erkenntnis des BeAthon war, dass die BeA-Software, die nach wie vor auf den Rechnern vieler Anwälte installiert ist, von einer weiteren, extrem gefährlichen Sicherheitslücke betroffen ist. Wir haben darüber bereits am Freitag kurz berichtet. Markus Drenger vom Chaos Computer Club Darmstadt hatte diese Lücke bereits im Dezember an die Bundesrechtsanwaltskammer (Brak) gemeldet, doch wie gravierend sie war, wurde der Kammer erst während des BeAthon klar.

Stellenmarkt
  1. IT-Softwareingenieur (w/m/d) 1st Level
    SSI SCHÄFER Automation GmbH, Giebelstadt
  2. Projekt Manager FUTR HUT (m/w/d)
    Tegel Projekt GmbH, Berlin
Detailsuche

Es handelt sich dabei um eine Sicherheitslücke bei der Deserialisierung eines Java-Objekts. Diese Art von Sicherheitslücken hat in den vergangenen Jahren einige Aufmerksamkeit erhalten, da mehrere Forschungsarbeiten zum Thema veröffentlicht wurden.

Verschiedene Java-Bibliotheken ermöglichen es, Objekte aus der Programmiersprache so zu codieren, dass sie in Textform, beispielsweise JSON-codiert, übertragen werden können. Wenn die so übertragenen Daten durch einen Angreifer kontrolliert werden können, ist es oftmals möglich, mittels einer Methode namens Property Oriented Programming bösartigen Code auszuführen.

Die Clientanwendung von BeA nutzt die Java-Bibliothek Jackson, um Daten über eine Websocket-Schnittstelle von Webseiten zu empfangen. Jackson wiederum deserialisiert JSON-Objekte und war von einer solchen Lücke betroffen. Markus Drenger gelang es damit, einen funktionierenden Exploit zu schreiben, über den eine Webseite beliebigen Code auf dem Rechner eines betroffenen Rechtsanwalts ausführen konnte.

Golem Akademie
  1. Masterclass Data Science mit Pandas & Python: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    29./30.09.2022, Virtuell
  2. Microsoft 365 Administration: virtueller Drei-Tage-Workshop
    01.-03.06.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Das Grundproblem hierbei ist, dass die BeA-Clientanwendung zahlreiche veraltete Java-Bibliotheken nutzt. Teilweise waren diese älter als das gesamte BeA-Projekt, einige werden auch nicht mehr weiterentwickelt. Die Lücke in Jackson wurde vor einigen Monaten bereits geschlossen.

Brak empfiehlt, BeA-Software zu deaktivieren

Die Brak nahm direkt Kontakt mit Atos auf. Von dort hieß es, dass das Problem nicht bestehe, da BeA sowieso offline sei und die Software somit überhaupt nicht starte. Drenger konnte das bei einem Test allerdings nicht nachvollziehen. Vertreter der Brak entschieden daher noch während des BeAthon, ihre Mitglieder umgehend zu einer Deaktivierung der BeA-Software aufzufordern. Anwälte, die BeA nach wie vor installiert haben, sollten es also sofort deinstallieren oder zumindest aus der Autostart-Funktion von Windows entfernen.

Das war auch dringend notwendig, denn es war vereinbart, dass alle auf dem BeAthon diskutierten Inhalte von den Teilnehmern nach außen getragen werden dürften. Damit war klar, dass Informationen über die Lücke öffentlich werden und somit auch potenziellen Angreifern zur Verfügung stehen würden.

Fenster aufmachen, Client beenden, Version auslesen

Die Websocket-Schnittstelle verursachte noch andere Probleme, die allerdings weniger gravierend sind. So war es laut Markus Drenger ebenfalls möglich, dass eine Webseite Fenster der Clientanwendung öffnete, die Clientanwendung beendete oder schlicht die Versionsnummer auslas.

Die meisten dieser Probleme lassen sich relativ einfach lösen und sollten in einer zukünftigen BeA-Version nicht mehr auftauchen. Doch in jedem Fall dürfte es bei der momentanen Konstruktion des BeA dabei bleiben, dass eine Webseite herausfinden kann, ob auf einem Rechner die BeA-Software läuft.

Das entfachte einige Diskussionen unter den Anwesenden. Einige Anwälte sahen darin bereits ein Problem, denn für einen Angreifer ist es damit möglich herauszufinden, ob ein Rechtsanwalt gerade eine Webseite aufruft. Ob man sich damit nicht geradezu zum Ziel für Hackerangriffe mache, fragte einer der anwesenden Anwälte.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 BeA: So geht es mit dem Anwaltspostfach weiterXSS: Wie kann man so eine triviale Lücke übersehen? 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6. 5
  7.  


mimimi123 30. Jan 2018

Nein??

BernardMarx 30. Jan 2018

Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben diesen Eintrag zu schreiben. Ich habe...

intnotnull12 29. Jan 2018

Ja, aber die BRAK will ja offenbar ganz auf Nummer sicher gehen. So interpretiere ich den...

berritorre 29. Jan 2018

Kenne mich zwar nicht aus, ob das System auch für Anwälte passt. Aber du weisst ja wie...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
LG HU915QE
Laserprojektor erzeugt 90-Zoll-Bild aus 5,6 cm Entfernung

LG hat einen Kurzdistanzprojektor mit Lasertechnik vorgestellt. Der HU915QE erzeugt ein riesiges Bild und steht dabei fast an der Wand.

LG HU915QE: Laserprojektor erzeugt 90-Zoll-Bild aus 5,6 cm Entfernung
Artikel
  1. Verkaufsstart des 9-Euro-Tickets: Was Fahrgäste wissen müssen
    Verkaufsstart des 9-Euro-Tickets
    Was Fahrgäste wissen müssen

    Das 9-Euro-Ticket für den ÖPNV ist beschlossene Sache, Verkehrsverbünde und -unternehmen sehen sich auf den Verkaufsstart in diesen Tagen gut vorbereitet. Doch es gibt viele offene Fragen.

  2. Sexualisierte Gewalt gegen Kinder: Bundesinnenministerin Faeser ändert Ansicht zu Chatkontrolle
    Sexualisierte Gewalt gegen Kinder
    Bundesinnenministerin Faeser ändert Ansicht zu Chatkontrolle

    Ursprünglich hat die Sozialdemokratin die geplante EU-Überwachung des Internets befürwortet. Nun sagt sie etwas anderes zur Chatkontrolle.

  3. LTE-Patent: Ford droht Verkaufs- und Produktionsverbot in Deutschland
    LTE-Patent
    Ford droht Verkaufs- und Produktionsverbot in Deutschland

    Ford fehlen Mobilfunk-Patentlizenzen, weshalb das Landgericht München eine drastische Entscheidung gefällt hat. Autos droht sogar die Vernichtung.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Acer Predator X38S (UWQHD, 175 Hz OC) 1.499€ • MindStar (u. a. AMD Ryzen 7 5700X 268€ und PowerColor RX 6750 XT Red Devil 609€ und RX 6900 XT Red Devil Ultimate 949€) • Alternate (u. a. Cooler Master Caliber R1 159,89€) • SanDisk Portable SSD 1 TB 81€ • Motorola Moto G60s 149€ [Werbung]
    •  /