Abo
  • IT-Karriere:

BeA: Noch mehr Sicherheitslücken im Anwaltspostfach

Das besondere elektronische Anwaltspostfach hat mehr als nur eine Sicherheitslücke. Die Probleme reichen von einer falschen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung über Cross Site Scripting bis hin zu ROBOT und veralteten Java-Libraries. Dabei hat die Firma SEC Consult einen Sicherheitsaudit durchgeführt.

Artikel von Hanno Böck veröffentlicht am
Wie es genau mit dem Anwaltspostfach weitergeht, ist im Moment nicht abzusehen.
Wie es genau mit dem Anwaltspostfach weitergeht, ist im Moment nicht abzusehen. (Bild: Martin Wolf / Golem.de (Montage))

Das besondere elektronische Anwaltspostfach (BeA) bleibt vorerst offline, und das wohl mindestens bis Ende Januar. Das hat die Bundesrechtsanwaltskammer ihren Mitgliedern in einem Schreiben mitgeteilt. Hintergrund ist, dass die Software aufgrund eines integrierten Zertifikats samt privatem Schlüssel eine gravierende Sicherheitslücke aufwies. Golem.de hatte vor Weihnachten darüber berichtet und war auch an der Aufdeckung der Details beteiligt.

Inhalt:
  1. BeA: Noch mehr Sicherheitslücken im Anwaltspostfach
  2. Verwundbar für simple Cross-Site-Scripting-Lücke
  3. Hat SEC Consult all das übersehen?

Doch die Probleme mit dem Zertifikat sind längst nicht die einzige Baustelle beim Anwaltspostfach. Einiges war schon vorher bekannt, anderes hatten Markus Drenger und Felix Rohrbach vom Chaos Computer Club Darmstadt auf dem 34C3 in einem Vortrag erläutert.

Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die keine ist

"Die sichere Übermittlung der Nachrichten wird beim BeA durch eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gewährleistet", heißt es auf den Webseiten der Bundesrechtsanwaltskammer. Weiter wird behauptet, "auch die BRAK als Betreiber des BeA oder der Systemadministrator der Kanzlei können die Nachrichten nicht lesen." Doch das Anwaltspostfach hat eine Funktion, die die gesamte Sicherheit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wieder aushebelt.

Das Anwaltspostfach sieht nämlich eine "Umschlüsselung" der Nachrichten auf dem Server vor. Die Idee dabei: Ein Nutzer des Postfachs kann definieren, dass Nachrichten an ihn auch von einer anderen berechtigten Person gelesen werden können.

Stellenmarkt
  1. Hays AG, Ruhrgebiet
  2. ivv GmbH, Hannover

Damit das funktioniert, muss der Server natürlich Zugriff auf den privaten Schlüssel des Empfängers haben. Dieser befindet sich in einem sogenannten Hardware Security Module (HSM). Hier noch von einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu sprechen, ist eine sehr kreative Auslegung des Begriffs.

Diese Konstruktion war auch bisher kein Geheimnis. Auf der übrigens nur unverschlüsselt über HTTP erreichbaren Webseite der Rechtsanwaltskammer zum BeA wird mit einigen Klimmzügen versucht, zu begründen, warum das Ganze trotzdem sicher sein soll. Da ausschließlich das HSM Zugriff auf die Schlüssel hat und die Nachricht auch niemals vollständig entschlüsselt wird - zur Umschlüsselung muss nur der asymmetrische Teil einer Hybridverschlüsselung durchgeführt werden -, sah man in dieser Konstruktion offenbar kein Problem.

Webinterfaces vertragen sich nicht mit einer sicheren Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Doch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hat ein noch viel fundamentaleres Problem: Die Nutzer der BeA-Anwendung kommunizieren mit dieser generell über ein Webinterface. Die lokale Software ist nur dazu da, die Kommunikation mit der Chipkarte durchzuführen.

Ein Webinterface verträgt sich aber überhaupt nicht mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, da der Server jederzeit anderen Javascript-Code schicken kann, der die Verschlüsselung aushebelt oder Nachrichten unverschlüsselt an Dritte weiterleitet.

Es ist offensichtlich, dass bei der Konstruktion von BeA grundlegende Missverständnisse über den Sinn und Zweck einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vorlagen. Die Idee einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist, dass man dem Betreiber der Serverinfrastruktur nicht vertrauen muss. Beim BeA hat dieser aber gleich mehrere Möglichkeiten, die Sicherheit des Systems zu kompromittieren und Nachrichten mitzulesen.

Verwundbar für simple Cross-Site-Scripting-Lücke 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. ab 369€ + Versand
  2. 107€ (Bestpreis!)
  3. täglich neue Deals bei Alternate.de

intnotnull12 06. Jan 2018

Genau so schauts aus. Auf eine perverse Art hat Atos nämlich alles richtig gemacht und...

Sharra 05. Jan 2018

Davon abgesehen, dass De-Mail eigentlich ein Flopp sondergleichen ist, funktioniert es...

tingelchen 05. Jan 2018

Finde auch, der Name passt perfekt :D

tingelchen 05. Jan 2018

Die Audits an den Zertifizierungsstellen sind oft der letzte Mist. Mich würde es nicht...

Anonymer Nutzer 05. Jan 2018

Die BRAK ist die eigene, berufsständische Organisation der deutschen Anwaltschaft. Bea...


Folgen Sie uns
       


Dell XPS 13 (7390) - Hands on

Das XPS 13 Convertible (7390) ist Dells neues 360-Grad-Gerät: Es nutzt Ice-Lake-Chips für doppelte Geschwindigkeit, hat ein höher auflösendes Display, eine nach oben versetzte Kamera und eine magnetisch arbeitende Tastatur.

Dell XPS 13 (7390) - Hands on Video aufrufen
Linux-Gaming: Steam Play or GTFO!
Linux-Gaming
Steam Play or GTFO!

Meine ersten Gaming-Eindrücke nach dem Umstieg von Windows auf Linux sind dank Steam recht positiv gewesen: Doch was passiert, wenn ich die heile Steam-(Play-)Welt verlasse und trotzdem Windows-Spiele unter Linux starten möchte? Meine anfängliche Euphorie weicht Ernüchterung.
Ein Praxistest von Eric Ferrari-Herrmann

  1. Project Mainline und Apex Google bringt überall Android-Updates, außer am Kernel
  2. Ubuntu Lenovo bietet Laptops mit vorinstalliertem Linux an
  3. Steam Play Tschüss Windows, hallo Linux - ein Gamer zieht um

Projektorkauf: Lumen, ANSI und mehr
Projektorkauf
Lumen, ANSI und mehr

Gerade bei Projektoren werden auf Plattformen verschiedener Onlinehändler kuriose Angaben zur Helligkeit beziehungsweise Leuchtstärke gemacht - sofern diese überhaupt angegeben werden. Wir bringen etwas Licht ins Dunkel und beschäftigen uns mit Einheiten rund um das Thema Helligkeit.
Von Mike Wobker


    Energie: Wo die Wasserstoffqualität getestet wird
    Energie
    Wo die Wasserstoffqualität getestet wird

    Damit eine Brennstoffzelle einwandfrei arbeitet, braucht sie sauberen Wasserstoff. Wie aber lassen sich Verunreinigungen bis auf ein milliardstel Teil erfassen? Am Testfeld Wasserstoff in Duisburg wird das erprobt - und andere Technik für die Wasserstoffwirtschaft.
    Ein Bericht von Werner Pluta

    1. Autos Elektro, Brennstoffzelle oder Diesel?
    2. Energiespeicher Heiße Steine sind effizienter als Brennstoffzellen
    3. Klimaschutz Großbritannien probt für den Kohleausstieg

      •  /