BeA: Anwälte wollen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung einklagen

Das besondere elektronische Anwaltspostfach (BeA) lässt weiter auf sich warten. Jetzt fordern Anwälte, dass das System nur mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung online gehen darf - und wollen das auch einklagen.

Artikel von Hanno Böck veröffentlicht am
"BeA - aber sicher!" fordert eine Gruppe von Anwälten und will eine sichere Verschlüsselung für das Anwaltspostfach einklagen.
"BeA - aber sicher!" fordert eine Gruppe von Anwälten und will eine sichere Verschlüsselung für das Anwaltspostfach einklagen. (Bild: Bea - aber sicher!/Screenshot: Hanno Böck)

Eine Gruppe von Rechtsanwälten will gerichtlich erzwingen, dass das besondere elektronische Anwaltspostfach mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ausgestattet wird. Die Initiative, die von der Gesellschaft für Freiheitsrechte ins Leben gerufen wurde, sammelt derzeit Spenden für eine entsprechende Klage.

Stellenmarkt
  1. IT-Spezialist / Cloud Platform Engineer (Microsoft Fokus) (m/w/d)
    INNEO Solutions GmbH, Ellwangen (Jagst) bei Aalen, Stuttgart
  2. Digital Product Owner (m/w/d)
    Martin Mantz GmbH, Großwallstadt (Raum Aschaffenburg), Köln, Leipzig
Detailsuche

Das besondere elektronische Anwaltspostfach, kurz BeA, ist ein von der Bundesrechtsanwaltskammer entwickeltes Kommunikationssystem, mit dem Nachrichten zwischen Rechtsanwälten und Gerichten ausgetauscht werden. Eigentlich ist die Nutzung des Postfachs seit dem 1. Januar 2018 verpflichtend. Doch zurzeit ist das BeA aufgrund von Sicherheitsbedenken offline. Kurz vor Weihnachten hatte Golem.de aufgedeckt, dass ein mit der Software mitinstalliertes Root-Zertifikat dazu genutzt werden konnte, HTTPS-Verbindungen der Nutzer des Systems anzugreifen.

"Eine Gefahr für das anwaltliche Berufsgeheimnis"

Dieses Problem wäre vergleichsweise einfach lösbar, doch das war längst nicht das einzige Sicherheitsproblem des BeA. Ursprünglich hatte die Bundesrechtsanwaltskammer das BeA damit beworben, dass es mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ausgestattet ist. Doch das stimmte nicht. Die Nachrichten beim BeA werden nicht mit dem Schlüssel des Empfängers verschlüsselt, sondern mit einem Postfachschlüssel. Anschließend werden die Nachrichten in einem sogenannten Hardware Security Module (HSM) "umgeschlüsselt". Das heißt, sie werden erst hier mit dem eigentlichen öffentlichen Schlüssel des Empfängers verschlüsselt.

Hier von einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu sprechen, ist selbstverständlich absurd. Golem.de hatte im Januar bereits skizziert, wie sich die Anforderungen an das BeA auch mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung umsetzen lassen.

Golem Akademie
  1. Netzwerktechnik Kompaktkurs
    8.-12. November 2021, online
  2. CEH Certified Ethical Hacker v11
    8.-12. November 2021, online
  3. Linux-Systeme absichern und härten
    8.-10. November 2021, online
Weitere IT-Trainings

"Diese Schwachstelle des BeA in seiner derzeitigen technischen Ausgestaltung ist eine Gefahr für eine Säule unseres Rechtsstaats: das anwaltliche Berufsgeheimnis", heißt es hierzu auf der Webseite der Initiative. "Menschen, die sich einer Anwältin oder einem Anwalt anvertrauen, müssen sich darauf verlassen können, dass die elektronische Kommunikation über das BeA nicht unterwegs abgehört werden kann."

Die Initiative unter dem Motto "BeA - aber sicher" geht davon aus, dass die Rechtslage eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erfordert - und möchte diese daher einklagen. Um die Klage zu finanzieren, werden nun Spenden gesammelt. Ziel ist es, 25.000 Euro hierfür zusammenzubekommen.

Anwaltskammer Berlin fordert Rücktritte und Quellcode

Auch von anderer Seite gerät die Bundesrechtsanwaltskammer unter Druck. Vor kurzem hatte eine Versammlung der Rechtsanwaltskammer Berlin gefordert, dass der Quellcode des Anwaltspostfach unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden solle. Auch forderte die Berliner Kammer den Rücktritt des Präsidenten der Bundesrechtsanwaltskammer Ekkehard Schäfer und des Vizepräsidenten Martin Abend, der für das BeA zuständig ist. Bei verschiedenen anderen lokalen Rechtsanwaltskammern liegen ähnlich lautende Anträge vor.

Eine Offenlegung des Quellcodes hatten zuvor bereits die Free Software Foundation Europe und der Chaos Computer Club verlangt. Bislang hatte die Bundesrechtsanwaltskammer erklärt, dass eine solche Offenlegung nicht möglich sei, da hierbei Rechte Dritter betroffen seien. Doch auf eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz, welche Lizenzen eine Offenlegung verhinderten, hat die Anwaltskammer bislang nicht geantwortet. Eine Prüfung laufe noch.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


MoonShade 26. Mär 2018

Man kann sicherlich auch einen Todmannschalter verwenden, wenn man eine technische...

Olaf77 21. Mär 2018

Wow man will 25.000 Euro von den Kollegen als Spende einsammeln, um dann klagen zu...

EynLinuxMarc 21. Mär 2018

Ohh vergessen zuhause und jetzt.

EynLinuxMarc 21. Mär 2018

Die könnten ja geld sparen so, nene das geht ja gar nicht. ^^

divStar 21. Mär 2018

@Schnarchnase: durch eine End-to-End-Verschlüssung wird unser Grundrecht nicht unbedingt...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
20 Jahre GTA 3
Neuer Ausflug ins alte Liberty City

Vor 20 Jahren hat GTA 3 Open World in 3D salonfähig gemacht. Überzeugt die Originalversion noch - oder sollte man die Neuauflage abwarten?
Von Benedikt Plass-Fleßenkämper

20 Jahre GTA 3: Neuer Ausflug ins alte Liberty City
Artikel
  1. Weihnachtsgeschäft: DHL erwartet etwas höhere Paketmengen als im Vorjahr
    Weihnachtsgeschäft
    DHL erwartet etwas höhere Paketmengen als im Vorjahr

    Deutsche Post DHL bereitet sich auch technisch vor und kann jetzt kleine Pakete erheblich schneller sortieren.

  2. Stella Vita: Solarflügel-Camper tourt 2.000 km ohne Steckdose
    Stella Vita
    Solarflügel-Camper tourt 2.000 km ohne Steckdose

    Das elektrische Wohnmobil Stella Vita mit ausfahrbarem Solarzellen-Dach ist ohne Steckdosen zum Akkuladen 2.000 km durch Europa gefahren.

  3. New State: Neues Pubg für Smartphones mit Überläufern und Cheat-Schutz
    New State
    Neues Pubg für Smartphones mit Überläufern und Cheat-Schutz

    Erangel und andere Elemente aus Battlegrounds plus neue Ideen: Das Entwicklerstudio Pubg Studios bereitet den Start von New State vor.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Seagate SSDs & HDD günstiger (u. a. ext. HDD 14TB 326,99) • Dualsense PS5-Controller Weiß 57,99€ • MacBook Pro 2021 jetzt vorbestellbar • World of Tanks jetzt mit Einsteigerparket • Docking-Station für Nintendo Switch 9,99€ • Alternate-Deals (u. a. iPhone 12 Pro 512GB 1.269€) [Werbung]
    •  /