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BCI: Neuralink hat das Problem mit abgelösten Drähten gekannt

Das kürzlich beim ersten menschlichen Probanden aufgetretene Problem mit Neuralinks BCI ist nicht neu. Auch der Zulassungsbehörde muss es bekannt gewesen sein.
/ Werner Pluta
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BCI von Neuralink: schwer zu lösendes Problem (Bild: Neuralink)
BCI von Neuralink: schwer zu lösendes Problem Bild: Neuralink

Die Probleme mit dem Implantat von Elon Musks Unternehmen Neuralink sind offensichtlich nicht neu: Seit Jahren soll dem Unternehmen bekannt sein, dass die Elektroden sich ablösen. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass es beim ersten menschlichen Patienten zu einem Problem gekommen ist.

Im Januar hatte Neuralink seine Gehirn-Computer-Schnittstelle (Brain-Computer-Interface, BCI) erstmals in das Gehirn eines Menschen eingesetzt . Allerdings verschoben sich die haarfeinen Drähte und damit auch die Elektroden . Die Elektroden stellen die Verbindung zum Gehirn her.

Neuralink räumte die Probleme ein, nachdem das Wall Street Journal darüber berichtet hatte. Allerdings soll Neuralink gewusst haben, dass die Drähte sich verschieben und so die Elektroden von ihrer Position entfernen könnten, berichtete die britische Nachrichtenagentur Reuters(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf fünf Quellen aus dem Unternehmen.

Das Problem trat bei den Tierversuchen auf

Das Problem soll demnach seit Jahren bekannt sein. Schon bei den Tierversuchen, die das Unternehmen durchführte, soll es nach Angaben der Informanten aufgetreten sein. Auch die Food and Drug Administration (FDA), die für die Zulassung medizinischer Neuentwicklungen zuständige US-Behörde, müsste laut Reuters davon Kenntnis gehabt haben, weil Neuralink die Ergebnisse aus den Tierversuchen beim Antrag auf Einsatz des BCI beim Menschen vorlegen musste.

Neuralink reagierte nicht auf eine Anfrage von Reuters. Die FDA wollte sich nicht dazu äußern, ob das Problem bekannt war. Die Behörde erklärte, dass sie die Sicherheit der Neuralink-Patienten weiter überwachen werde.

Das BCI von Neuralink ist ein 8 mm großer Chip, an dem winzige Fäden hängen, die etwa ein Viertel des Durchmessers eines menschlichen Haares haben. An diesen Fäden sind Elektroden befestigt, die die Verbindung des Chips zu den Nervenzellen bilden. Über die Elektroden werden Signale der Nervenzellen erfasst. Sie können aber auch aktiv die Nervenzellen mit elektrischen Impulsen stimulieren.

Der Computer wird mit Gedankenkraft bedient

Der Patient, der das BCI eingesetzt bekam, ist von den Schultern abwärts gelähmt und soll mit dem BCI einen Computer zu bedienen. Wenn ein Mensch sich bewegen will, wird das Bewegungszentrum im Gehirn aktiviert - auch wenn die Bewegung wegen der Querschnittslähmung nicht durchgeführt werden kann. Die 1.024 Elektroden des BCI fangen diese Signale auf und setzen sie in Steuersignale um. Es reicht also, dass der Patient sich eine Bewegung vorstellt, um einen Cursor auf am Computer zu bewegen.

Nach der Operation zeigte der Patient laut Neuralink zunächst eine vielversprechende Erkennung neuronaler Aktivität. Dann sank die Präzision und Schnelligkeit der Cursor-Bedienung wegen der abgelösten Elektroden. Als Reaktion machte Neuralink nach eigenen Angaben den Algorithmus zur Erfassung Gehirnaktivitäten empfindlicher.

Experten sagten Reuters, dass das Problem mit den sich verschiebenden Drähten mit der Art und Weise zusammenhänge, wie sich das Gehirn im Schädel bewege. Sie halten es deshalb für schwer lösbar.


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