BBC: Filme für die Filterblase

Die BBC möchte Filme mit Hilfe einer App auf die jeweiligen Vorlieben der Zuschauer zuschneiden. So interessant wie die Technik sind auch die möglichen Nebenwirkungen.

Artikel von Eike Kühl/Zeit Online veröffentlicht am
James Bond - vielleicht auch bald ganz individuell?
James Bond - vielleicht auch bald ganz individuell? (Bild: Danjaq, LLC)

In Pixars jüngstem Animationsfilm Alles steht Kopf gibt es eine Szene, in der die junge Protagonistin Riley eine Portion Brokkoli von ihrem Vater serviert bekommt, worauf sie mit Ekel, Protest und Wut reagiert. Verständlich, denn in den USA ist Brokkoli eines der unbeliebtesten Gemüse. Ganz anders sieht es in Japan aus; dort ist Brokkoli auch unter den Jüngsten akzeptiert. Damit die Szene erzählerisch in beiden Ländern gleich gut funktioniert, hat sie Pixar nachträglich angepasst: Statt Brokkoli bekommt Riley in der japanischen Fassung eine grüne Paprika aufgetischt.

Inhalt:
  1. BBC: Filme für die Filterblase
  2. Bloß keine Überraschungen

Regionale Änderungen wie diese kommen in Kinofilmen häufiger vor. Im Actionfilm Iron Man 3 wurde sogar exklusiv für den chinesischen Markt eine Szene hinzugefügt, in der eine Figur namens Dr. Wu dem Superhelden aus der Patsche hilft. Die BBC möchte noch einen Schritt weitergehen. Die Entwicklungsabteilung der britischen Rundfunkanstalt plant, Filme nicht nur für bestimmte Regionen, sondern für jeden Zuschauer individuell zu gestalten. Das entsprechende Verfahren heißt Visual Perceptive Media.

"Stell dir eine Welt vor, in der die Erzählung, Hintergrundmusik, Farbgebung und das grundlegende Gefühl eines Films in Echtzeit auf deine Persönlichkeit zugeschnitten sind", heißt es auf der Website des Projekts. Seit mehreren Jahren experimentiert die BBC mit Perceptive Media, bereits 2012 erschien ein Online-Hörspiel, in dem auf Basis der IP-Adressen der Zuhörer verschiedene Elemente ausgespielt wurden. Für das Filmprojekt arbeitet die BBC mit dem Unternehmen Preceptiv zusammen, dessen App ein genaues Profil der Nutzervorlieben liefern soll.

Sag mir, was du magst und ich sag dir, was du guckst

Bevor der Film beginnt, beantworten die Zuschauer einige Fragen per Smartphone-App. Welche Musik sie mögen, ob sie männlich oder weiblich sind, ihr Alter und ihre Lieblingsfarbe sind offensichtliche Variablen, aber prinzipiell kann die App auch klären, ob die Zuschauer eher romantisch, kreativ oder schüchtern sind. Diese Entscheidungen beeinflussen anschließend die Zusammensetzung des Films.

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Ein kurzes Demovideo auf der Website zeigt, wie das aussehen kann: So ändert sich je nach Vorliebe der Zuschauer etwa die Farbgebung in einzelnen Szenen oder die Hintergrundmusik. Mehr noch, einzelne Szenen bekommen manche Zuschauer gar nicht erst zu sehen oder sie werden aus der Perspektive anderer Charaktere gezeigt. Im Video ist von einem Gender Bias die Rede, also davon, ob in einigen Szenen die männliche oder die weibliche Figur im Mittelpunkt steht.

Um den Effekt zu verstärken, wird der komplette Film in Einzelteile zerlegt und eine Matrix verschiedener Variationen erstellt. Je nach Profil des Zuschauers werden die Szenen zusammengesetzt, angepasst und mit dem entsprechenden Soundtrack bestückt. "Ich denke, die Technologie hat einen Punkt erreicht, an dem wir das so reibungslos umsetzen können, dass die Zuschauer es überhaupt nicht mehr bemerken", sagt Ian Forrester von der BBC. Er weist darauf hin, dass es sich am Ende nicht um verschiedene Filme, sondern bloß um Variationen des gleichen Films handele - ähnlich wie beim Brokkoli und der grünen Paprika im Pixar-Film. Das bedeutet auch, dass sich zwar die Perspektive ändern kann, nicht aber die Schauspieler.

Noch ist das Projekt der BBC bloß ein Experiment und Perceptive Media im digitalen Zeitalter ein noch recht junges Forschungsgebiet. Die Entwicklungen in Hollywood zeigen aber, wie wichtig es für Filmstudios schon jetzt ist, dem Publikum in den Kinosälen rund um die Welt möglichst angepasste Inhalte zu liefern. Schließlich ist es bei Filmen wie in der Werbung oder der Facebook-Timeline: Je enger die Inhalte auf die persönlichen Vorlieben zugeschnitten sind, desto stärker und emotionaler ist die Reaktion der Nutzer und Rezipienten.

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Bloß keine Überraschungen 
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    Von Stephan Skrobisch

Anonymer Nutzer 23. Dez 2015

Vampire leben quasi ewig: kein Problem. Vampire überwinden die Grenzen der Physik: kein...

elgooG 21. Dez 2015

Vielleicht kann man so endlich die US-Flagge die alle paar Minuten das Bild verdeckt...

tingelchen 21. Dez 2015

Zumal man sich dann auch fragen muss, welche Charaktere in einem Film/Serie dann...

0xLeon 21. Dez 2015

Das kennt man doch alles schon von der DVD. Vorgesehen war mal, die Möglichkeit...

mnementh 21. Dez 2015

Das jemand mit dem Nick Winston Smith dann auch Fahrenheit gelesen hat ist irgendwie...


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