BB-8 im Test: Ist das wirklich der Droide, nach dem wir suchen?

Ein kugelrunder, kleiner Droide aus dem neuen Star-Wars-Film, der sich über das Smartphone fernsteuern lässt und wie R2D2 vor sich hin piepst - viele Star-Wars-Fans dürften schon beim Gedanken daran mit Geldscheinen und Bankkarten wedeln. Der piepende Roboter BB-8 hat mit seinem knapp einsekündigen Auftritt im ersten Teaser zum neuen Star-War-Film schließlich einen bleibenden Eindruck bei vielen Fans hinterlassen.

Sphero bringt BB-8(öffnet im neuen Fenster) jetzt als kleine Spielzeugversion auf den Markt. Dabei verspricht der auf App-gesteuertes Spielzeug spezialisierte Hersteller nicht wenig: BB-8 soll sich authentisch bewegen, zuhören und antworten, holographische Kommunikation ermöglichen und selbstständiges Verhalten mit einer eigenen Persönlichkeit aufweisen. Spätestens hier liegen die Geldscheine oder die Bankkarte auf den Verkaufstresen.












Bei einem Preis von 170 Euro und aufgrund der Marketingversprechen dürften die Erwartungen an das Spielzeug bei den meisten Nutzern nicht gerade gering sein. Golem.de hat sich BB-8 genau angeschaut - und zwar viel Spaß gehabt, aber auch feststellen müssen, dass einige Versprechen unerfüllt bleiben.
Kugelkörper mit magnetischem Kopf
BB-8 besteht aus zwei Teilen: einem kugelförmigen Körper in der Größe einer Orange und einem aufsetzbaren Kopf in Form einer Halbkugel. Damit sieht der kleine Droide tatsächlich aus wie sein Vorbild im Teaser des neuen Star-Wars-Films. Technisch basiert BB-8 auf dem Sphero, einem per App fernsteuerbaren Ball des gleichen Herstellers.
Wie der Sphero bewegt sich auch BB-8 mit Hilfe eines gyroskopischen Antriebs: Im Inneren befindet sich eine Unwucht, die in Rotation versetzt wird und so den kleinen Ball vorwärtsbewegt. Durch Drehung der Unwucht wird die Richtung beeinflusst. Heben wir den Ball hoch, ist die Unwucht auch im ausgeschalteten Zustand zu bemerken.
Trotz des drehbaren Körpers hat BB-8 wie im neuen Star-Wars-Film einen Kopf, der während der Bewegung des kleinen Droiden auf dem Körper sitzt, ohne sich mitzudrehen. Das erreicht Sphero durch eine magnetische Halterung. Ein im Inneren des Körpers sitzender Magnet hält den Kopf fest und gleicht die Bewegungen aus. Das funktioniert weitgehend gut, ganz so stabil wie im Trailer sieht das Ganze aber nicht aus. Bei hektischen Bewegungen in Verbindung mit Kollisionen verliert BB-8 auch mal seinen Kopf.
Laden per Induktionsstation
Vor der ersten Verbindung mit einem Smartphone setzen wir den kleinen Droiden in die mitgelieferte und sehr gut verarbeitete Ladestation, die den Roboter per Induktion auflädt. Im Grunde kann man sich diese Kombination als Sammler bereits ins Regal stellen. Der Ladestatus wird durch drei blinkende LED-Streifen an der Ladestation angezeigt. Die Akkulaufzeit von BB-8 soll Sphero zufolge eine Stunde durchgängiges Fahren ermöglichen, was wir nach unserem Test bestätigen können.












Ist BB-8 zum ersten Mal auf der Ladestation, wird er quasi zum Leben erweckt. Im Inneren des runden Körpers blinken Lichter und der Kopf bewegt sich, als ob der Roboter um sich schauen würde. Um ihn steuern zu können, benötigen wir ein Tablet oder Smartphone mit Android oder iOS und die Steuerungs-App Sphero BB-8. Diese begrüßt uns bei jedem Start mit der Titelmelodie von Star Wars und ist wirklich nett gemacht; sie sieht gut aus und ist übersichtlich.
Schnelle und unkomplizierte Verbindung per Bluetooth
Die Steuerungs-App erkennt den kleinen Droiden von selbst und verbindet sich automatisch per Bluetooth mit ihm. Nach dem ersten Start wird bei uns zunächst einmal ein Update für den BB-8 heruntergeladen. Danach können wir direkt mit der Steuerung des Droiden loslegen.
Die App hat die Modi Fahren, Nachricht und Patrouille sowie ein Einstellungsmenü. Bereits im Hauptmenü macht der BB-8 R2D2-ähnliche Piepsgeräusche - diese werden über das zur Steuerung verwendete Smartphone oder Tablet ausgegeben, der Droide selbst hat keinen Lautsprecher. Das ist praktisch, denn so hören wir die Geräuschkulisse auch dann, wenn die Kugel in einiger Entfernung von uns ihre Bahnen zieht. Die maximale Entfernung beträgt Sphero zufolge 30 Meter, was wir bestätigen können.
Ausrichtung notwendig
Der Fahrmodus ist in zwei Bereiche aufgeteilt: das Steuerkreuz auf der linken Seite und die Nivellierungssteuerung sowie weitere Aktionen auf der rechten Seite. Mit Hilfe der Nivellierung richten wir die Grundrichtung von BB-8 aus - legen also fest, welche Richtung auf dem Steuerkreuz als vorne gilt. Aufgrund der gyroskopischen Steuerung ist dies notwendig.
Bewegen wir den Finger über die rechte Schaltfläche, leuchtet im Kugelkörper von BB-8 ein kleines blaues Licht auf. Dieses müssen wir so einstellen, dass es auf uns zeigt - dann ist die Richtung, in die wir blicken, vorne. Wie bei einem ferngesteuerten Auto oder einem Multicopter sind jetzt die Steuerungsrichtungen festgelegt. Drehen wir BB-8 also um, um ihn auf uns zufahren zu lassen, müssen alle Richtungsangaben umgedreht werden.
Alternativ kann auch die Nivellierung neu eingestellt werden. Dies finden wir in der Praxis aber in diesem Fall unnötig; wenn wir den Droiden allerdings steuern und ihm folgen, ist die erneute Einstellung der Grundausrichtung manchmal durchaus sinnvoll.
Rollen in gemächlichem Schritttempo
Vom Tempo her bewegt sich BB-8 weitaus gemächlicher als sein Vorbild aus dem Star-Wars-Trailer: Selbst wenn wir die Geschwindigkeit in den Einstellungen auf Maximum stellen, erreicht die Kugel gerade mal Schrittgeschwindigkeit. Das dürfte auch daran liegen, dass der magnetisch fixierte Kopf ansonsten die Bewegung nicht mehr ausgleichen kann: Bereits bei der aktuellen Geschwindigkeit benötigt der Kopf immer etwas Zeit, um nach Richtungsänderungen wieder gerade auf dem Körper zu sitzen. Ein Boost-Modus verleiht dem Droiden einen circa einsekündigen Schub. Auch mit dieser Geschwindigkeitssteigerung kommt BB-8 nur schwer kleinere Steigungen hinauf.












Die Steuerung reagiert gut auf die Richtungseingaben in der App. Eine gewisse Grundverzögerung ist allerdings durch den gyroskopischen Antrieb gegeben: Bei ruckartigen Bewegungen muss sich das Momentum erst umkehren. Je langsamer sich der Droide bewegt, desto leichter lässt sich die Richtung ändern. Bei höherem Tempo gerät BB-8 auch mal außer Kontrolle, besonders auf glatten Böden. Dann ist er aus vollem Tempo nur schwer in den Stand zu bringen, stattdessen eiert er herum.
Glatter Untergrund führt zu Schlingern
Generell beeinflusst die Wahl des Untergrundes das Fahrverhalten stark: Je härter und glatter der Boden, desto schneller bewegt sich der Droide, besonders schnell auf harten, ebenen Holzböden oder glattem Beton. Dann rutscht er allerdings wie beschrieben, besonders bei Wendemanövern. Auf Teppichböden braucht der Roboter je nach Florhöhe ordentlich Zeit und Schwung, um Tempo aufzubauen. Dafür rutscht er auf solchen Bodenbelägen - beispielsweise kurzflorigem Teppichbelag - nicht so leicht in den Kurven.
Auch auf Bürgersteigen oder Straßen lässt sich der Roboter gut fahren - hier rutscht er deutlich weniger als auf Holzböden oder Kunststoffbelägen. Das Gehäuse bekommt dabei natürlich früher oder später den einen oder anderen Kratzer ab, zerbrechlich wirkt es aber nicht. Schützen sollten Nutzer den Droiden jedoch vor Stürzen aus größeren Höhen auf harten Boden. Kollisionen haben ihm nichts anhaben können, auch mit harten Wänden oder Blumentöpfen. Üblicherweise flog hierbei lediglich der Kopf ab, den wir dann einfach wieder aufsetzten.
Nach Zusammenstößen muss sich BB-8 wieder kurz orientieren beziehungsweise das Gyroskop im Inneren neu ausrichten. In dieser Zeit ist er nicht genau zu steuern, nach einigen Sekunden hat er sich in unserem Test aber immer wieder gefangen und ist von neuem losgerollt.
Kleine Bewegungen sind programmiert
BB-8 beherrscht einige programmierte Bewegungen. Diese sind abrufbar, wenn wir eine Schaltfläche neben der Nivellierungsanzeige drücken. Dann erscheinen Schaltflächen für Bewegungen wie Nicken, Kopfschütteln oder Tanzen sowie für kleine, eigenständige Fahrten auf einer rechteckigen Fläche oder innerhalb einer Acht.
Die ungeschickteste Patrouille aller Zeiten
Wer genug vom Selbstfahren hat, kann BB-8 auch selbstständig im Patrouillenmodus fahren lassen. Hier soll er eigenständig die Umgebung erkunden, wobei "erkunden" etwas euphemistisch ausgedrückt ist: Tatsächlich rollt er niedlich wie eh und je von alleine los und wechselt die Richtung, wenn er an ein Hindernis stößt.












Ein System, eigenständiges Denken oder einen Lernvorgang können wir dabei allerdings nicht beobachten. Auch nach über zehn Minuten knallt er immer wieder gegen dieselben Hindernisse, gut vom Fleck weg kommt er nicht. Interessanterweise stört es ihn bei der Patrouille nicht, seinen Kopf zu verlieren - im normalen Fahrmodus hingegen keift er auch gerne mal los, wenn sein Kopf abhandengekommen ist.
Auf dem Smartphone werden während der Patrouille zahlreiche Informationen angezeigt, etwa der zurückgelegte Weg, die Geschwindigkeit, ein Logbuch oder auch die gyroskopischen Kräfte. Wie der Rest der App ist das grafisch und klanglich sehr schön umgesetzt, mehr als eine Spielerei ist der Patrouillenmodus aber nicht.
Holographische Kommunikation ist keine Kommunikation
Die "holographischen Kommunikation" des BB-8 besteht aus Videonachrichten, die mit der Frontkamera des Smartphones aufgenommen und als Augmented-Reality-Element abgespielt werden, wenn das Smartphone auf den Droiden gerichtet wird. Die Hauptkamera zeigt ihn dann in Echtzeit, wie er - genauso wie R2D2 in Star Wars: Eine neue Hoffnung - die Nachricht in den Raum projiziert. Die aufgenommenen Nachrichten können über das Smartphone ausgewählt und auch wieder gelöscht werden.
Natürlich war uns vor dem Test schon klar, dass BB-8 keine Holographie erzeugen kann. Das Ergebnis ist aber dennoch enttäuschend, da die AR-Projektion nur sehr schwer zu erkennen ist und meist irgendwo im Raum schwebt. Es ist ein ziemliches Gefummel, bis wir das Smartphone endlich in einer Position haben, in der wir den Inhalt überhaupt erkennen können. Nachrichten an andere BB-8-Nutzer lassen sich nicht verschicken.
Sprachkommandos bisher nur auf Englisch
BB-8 versteht auch Sprachkommandos: Nach einer Erstkonfiguration hört der Droide auf "Hello BB-8" und kann danach weitere Befehle verarbeiten. Dazu gehören "It's a trap!" , woraufhin BB-8 die Flucht ergreift, "Look around" , woraufhin der Droide auf eine kurze Tour geht, oder "Go to Sleep" : hierbei schaltet sich BB-8 ab. Generell ist die Spracherkennung sehr gut.
Alle Befehle sind auf Englisch, auch das "Hello BB-8" Kommando müssen wir auf Englisch sagen. Aktuell hält sich die Auswahl der Sprachbefehle noch in Grenzen - es ist aber nicht ausgeschlossen, dass diese in Zukunft erweitert werden. Smart ist das Sprachverständnis von BB-8 allerdings nicht: Der Roboter lernt nicht dazu, auch ändert sich sein Verhalten nicht, je öfter wir mit ihm sprechen.
Verfügbarkeit und Fazit
BB-8 kostet in Deutschland 170 Euro, ist zurzeit allerdings vergriffen. Beim Start am 4. September 2015 war der Droide innerhalb von 13 Minuten bei Amazon ausverkauft. Der Hersteller Sphero konnte uns nicht sagen, wann die nächste Charge erhältlich sein wird.












Fazit
Mit BB-8 herumzufahren, macht Spaß. Auch die App ist schön gemacht, dank der Tonausgabe kommt tatsächlich Star-Wars-Stimmung auf. Die gyroskopische Steuerung funktioniert gut, technisch bedingt kommt der Droide bei schnellen Richtungsänderungen auf manchen Untergründen aber ab und an ins Schlingern. Die Verarbeitung ist sehr gut, der Ball ist stabil und hält auch Zusammenstöße aus.
Gut gefällt uns das Gesamtpaket mit der Induktions-Ladestation: Im Regal macht sich der Droide in seiner Station sehr gut. Sammlern und Star-Wars-Fans dürfte dies zusätzlich zur Fernsteuerbarkeit gefallen.
Im Laufe des Tests haben wir aber schnell gemerkt, dass Sphero bei der Beschreibung etwas zu euphorisch ist: Der BB-8 agiert zwar autonom, aber nur in einem programmierten, festen Rahmen - er ist nicht intelligent, lernt nichts dazu. Anpassungsfähigkeit konnten wir nicht feststellen, eine Interaktion mit uns gab es ebenfalls nicht.
Die programmierten Aktionen simulieren zwar Kommunikation, ein tatsächlicher Austausch ist jedoch nicht möglich. Dass BB-8 alle zehn Sekunden den Kopf bewegt und Töne von sich gibt, wenn wir ihn gerade nicht fahren, mag ihn zwar menschlich erscheinen lassen; doch auf Bewegungen von uns reagiert er nicht. Auch die Sprachsteuerung wird mangels Interaktion schnell langweilig.
Alles in allem ist uns der Roboter bei einem Preis von 170 Euro einfach ein zu teures Spielzeug - der Spaß ist von zu kurzer Dauer. Für Star-Wars-Fans könnte der kleine Droide zum Sammeln interessant sein. Wer einfach einen gyroskopischen Ball per Fernsteuerung fahren lassen will, kann auch zum originalen Sphero greifen: Den gibt es aktuell für unter 120 Euro.



