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KI macht die Welt, wie sie mir gefällt

Sollen Bilder eine politische Botschaft vermitteln, bekommt dieser Aspekt noch einmal deutlich mehr Gewicht: Dank KI lassen sich fast ohne Aufwand auch Narrative in Bild, Ton oder gar Video umsetzen, die gar nicht der Realität entsprechen. Das zeigt sich am eingangs beschriebenen Bild der Partei Die Basis, das ein erwünschtes Szenario darstellt: der große, patriotische Aufstand, die breite Masse, die das eigene Ziel verfolgt.

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Die Realität gibt solche Szenen aber nicht her. Zwar finden sich beeindruckende Bilder, etwa aus Berlin von der Demo am 18. Dezember 2023, auf denen sich zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor Traktor an Traktor reiht. Fehlen nur die jubelnden Massen und das Meer der Deutschlandfahnen. Noch weniger realistisch sind Bilder, die Umsturzphantasien zeigen – wie eines, das wir als Thumbnail eines Youtube-Videos gefunden haben.

Hier stürmt eine Horde Männer in Lederhose mit Fackeln, langen Messern, Deutschlandfahnen und Bierkrug auf den Betrachter zu, Münder und Augen weit aufgerissen. Es ist eine groteske Überzeichnung des Titelbilds dieses Artikels. Ein anderes Bild zeigt Traktoren und Menschen vor dem brennenden Reichstag.

Wie bereits angedeutet, lässt sich mit generierten Bildern die Realität bewusst überzeichnen, um die eigene Position zu unterstreichen. Das zeigen auch die Bilder der Tierschutzorganisationen, auf denen die Tiere entweder übertrieben niedlich oder unnatürlich verschreckt sind. Aber warum teilen Menschen diese Bilder?

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Es geht längst nicht mehr um Wahrheit

Möglich, dass manche Menschen nicht erkennen, dass solche Bilder reine Computerkunst sind. Viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass es vollkommen irrelevant ist, ob das Bild echt ist. Hauptsache, es bestätigt das eigene Weltbild. Das gilt links wie rechts des Spektrums und ist auf beiden Seiten problematisch. Damit haben KI-generierte Inhalte das Potenzial, einer noch stärkeren Ausprägung von Identitätspolitik Vorschub zu leisten.

Die allerdings ist wenig hilfreich, denn komplexe gesellschaftliche Probleme – und wir stehen vor einer Menge davon – lassen sich nicht in wenigen knackigen Stichpunkten fassen. Schon gar nicht in einem Bild, und erst recht nicht, wenn dieses eine reine Scheinwelt darstellt. KI-generierte Inhalte werden in der Mehrzahl der Fälle genutzt, um eine weitere gesellschaftliche Polarisierung zu erreichen.

An der ist vor allem die extreme Rechte interessiert, von wo auch unserer – möglicherweise unzutreffenden – Beobachtung nach die Masse der KI-generierten, politischen Inhalte stammt. Sie versucht damit, den oft berechtigten Unmut und das Gefühl "Es muss sich doch mal was tun!", zu adressieren und breite Bevölkerungsschichten für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Das ist auch für die Vereinnahmten ein Problem, etwa die von der AfD und ihrem Umfeld umworbenen Landwirte – denen die Partei, wie auch dem Rest des Landes, möglichst alle Subventionen streichen will (siehe Punkt 10 des Grundsatzprogramms). Auch müsste die AfD einmal erklären, wie die von vielen Landwirten kritisierten Einschränkungen beim Ausbringen von Dünger, Pestiziden und Gülle mit den Versprechen von stärkerem Gewässerschutz und dem Verbot von Glyphosat in Einklang zu bringen sind.

Die KI an sich ist dabei nicht das Problem. Sie ist nur ein Werkzeug, das eigentlich durchaus positiv sein könnte (vom enormen Energieaufwand einmal abgesehen). KI kann die bildende Kunst demokratisieren. Leider ist die generative KI zu einem unglücklichen Zeitpunkt auf die Bühne getreten. Daher wird ihr Einsatz für politische Propaganda noch zunehmen.

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