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Bauen: Ein Forscherteam aus England nutzt Pilze als Baustoff

Myocrete ist eine Art Beton auf Pilzbasis, der in eine gestrickte Form gegossen wird.
/ Werner Pluta
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Bioknit: Das Myzel wird ausgetrocknet, bevor es Fruchtkörper produziert. (Bild: Hub for Biotechnology in the Built Environment/Newcastle University)
Bioknit: Das Myzel wird ausgetrocknet, bevor es Fruchtkörper produziert. Bild: Hub for Biotechnology in the Built Environment/Newcastle University

Normalerweise möchte man keine (Schimmel-)Pilze in der Wohnung haben. Eine englische Wissenschaftlerin und ihr Team will Pilze dazu einsetzen, um ein Gebäude zu bauen.

Myocrete heißt der Baustoff, den das Team der Universität in Newcastle entwickelt, von Myzel, dem Zellgeflecht der Pilze, und Crete für Concrete, Beton. Hergestellt wird das Material aus dem Myzel, dem Körner zugegeben werden, von denen es sich ernähren kann. Damit die Paste mehr Volumen bekommt, werden als Zusatzstoffe Papierpulver, Papierfaserklumpen, Wasser, Glycerin sowie Xanthan beigemengt.

Damit das Myzel gedeihen kann, wird es in eine dunkle, feuchte und warme Umgebung gebracht. Das Myzel wächst, die dicht gepackten Fadenzellen des Myzels machen aus der Paste ein steifes dreidimensionales Gebilde. Bevor das Myzel Fruchtkörper produziert, also das, was wir gemeinhin als Pilze bezeichnen, wird es ausgetrocknet.

Die Form wird gestrickt

Damit das Myocrete eine bestimmte Form bilden kann, braucht es so etwas wie eine Schalung. Das Team um Jane Scott hat diese aus Textil hergestellt. Genauer gesagt hat es eine Form gestrickt. "Stricken ist ein unglaublich vielseitiges 3D-Fertigungssystem" , sagte Scott(öffnet im neuen Fenster) . Strickwerk lasse Sauerstoff durch, den das Myzel zum Wachsen brauche, es sei leicht, flexibel und formbar. "Der große Vorteil der Stricktechnologie im Vergleich zu anderen textilen Verfahren ist die Möglichkeit, 3D-Strukturen und Formen ohne Nähte und ohne Abfall zu stricken."

Das Team hat mithilfe einer gestrickten Form aus Myocrete eine freistehende Kuppel mit der Bezeichnung Bioknit hergestellt. Die Form wurde aus zuvor sterilisierter Merinowolle gestrickt. Sie wurde an einer starren Struktur befestigt und dann mit der Paste gefüllt. Dabei musste Paste so flüssig sein, dass sie in die Form injiziert werden konnte, aber nicht zu flüssig, damit sie nicht die Form verliert.

Bei Tests habe sich gezeigt, dass Myocrete als wesentlich stabiler sei als andere experimentelle Baumaterialien auf Myzelbasis und dass es beim Trocknen weniger schrumpfe, schreibt das Team in der Fachzeitschrift Frontiers in Bioengineering and Biotechnology(öffnet im neuen Fenster) .

"Unser Ziel ist es, das Aussehen und die Haptik von und das Wohlbefinden in architektonischen Räumen zu verändern, indem wir Myzel in Kombination mit biologischen Materialien wie Wolle, Sägemehl und Zellulose verwenden" , sagte Scott. Myocrete könnte ein günstiger und nachhaltiger Ersatz für Schaumstoff, Holz und Plastik sein.


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