Battlefield Hardline Beta angespielt: Sechs Tage Feintuning mit der Community
In letzter Zeit muss man überall mit Hasstiraden gegen Electronic Arts rechnen, wenn man Battlefield Hardline erwähnt. Nicht nur in den offiziellen Foren(öffnet im neuen Fenster) häufen sich die Gefühlsausbrüche. Sogar der Taxifahrer in Köln flippt aus, als ich ihm erzähle, dass ich das Spiel eben bei EA angespielt habe. "Von denen kaufe ich gar nichts mehr", zetert er. "Battlefield 4 war das letzte Spiel, das ich von denen gekauft habe. Mich haben die zum letzten Mal verarscht!" Später erklärt er auch, warum er sich so aufregt: "Die haben die Community mit den tausend DLCs, den Bezahlinhalten, vollkommen gespalten. Wenn dann mal die Server gingen, konnte ich mit meiner Grundversion quasi nie mitspielen, da mir so viele Maps fehlten."
Ich versuche, ihn zu beschwichtigen. "Bei EA sagen sie immerhin, dass ihnen die Problematik bewusst ist und sie es dieses Mal besser machen wollen. Hinter Hardline steckt auch ein anderes Entwicklerteam." Was ihn wirklich milder stimmen könnte, darf ich wegen der Sperrfrist von EA noch nicht sagen: dass das Anspielen von Hardline wirklich Spaß gemacht hat. Die restliche Fahrt zum Kölner Hauptbahnhof wird, naja, schweigsam.

Inwiefern EA seine guten Vorsätze umsetzen wird, es diesmal besser zu machen, ist noch nicht ganz klar. Immerhin muss vom 3. bis zum 8. Februar niemand für das Ausprobieren von Battlefield Hardline zahlen – höchstens ein wenig warten, bis der Download fertig ist. Entwickler Visceral Games hat in den vergangenen Monaten bereits viele Details optimiert: So wurde die Soundengine verbessert und es gibt mehr dreidimensionales Feedback, beispielsweise durch mehr Audiofeedback bei Querschlägern und Treffern sowie neue Geräusche beim Schleichen, Gehen und Rennen.
Battlefield auf Speed
Beim Multiplayer setzen die Entwickler inzwischen komplett auf Geschwindigkeit. Hardline soll das "schnellste" beziehungsweise "rasanteste" Battlefield werden. Deshalb wurden Höchstgeschwindigkeiten, Beschleunigung und Handling gegenüber der ersten spielbaren Fassung verändert. Beim Probespielen fällt das fixere Fahren auch direkt auf, vor allem auf den Motorrädern und den Pkw. Laster und Hubschrauber verhalten sich dagegen wie gehabt.

Das Fahrgefühl scheint etwas besser zu sein als in bisherigen Serienteilen, nichtsdestotrotz verhake ich mich ab und an in Abhängen oder Wänden – für eine Betafassung ist das aber nicht verwunderlich.
Die drei Modi Heist, Conquest und Hotwire dürfen wir vier Stunden lang testen – genug Zeit, um am Ende nickend mit einigen Kollegen zu resümieren: Das scheint alles sehr solide zu werden. Visceral erfindet zumindest den Multiplayer von Battlefield nicht neu – bei der Solokampagne sind wir da hoffnungsvoller -, aber sie machen ihn auch definitiv nicht kaputt. Die drei spielbaren Karten Downtown (Los Angeles), Dustbowl (Wüste) und ein Bankraub sind allesamt stimmig und haben ihren einen Höhepunkt, Stichwort Levolution.
Als mir in Dustbowl das erste Mal nach ein paar Minuten der Levolution-Sandsturm um die Ohren fliegt, bleibe nicht nur ich staunend stehen. Die versammelte Presse sowie einige Youtuber vergessen das gegenseitige Totschießen für einige Zeit und blicken alle Richtung Horizont. Kurz bevor der Sturm im Zentrum der Karte, einem Methlab, ankommt, verschanzen sich alle hinter Mauern und gehen in Deckung. Als der Sturm vorübergezogen ist, sausen mir wieder Projektile um die Ohren. Audiovisuell ist der Sturm mein bisheriges Highlight in Hardline.
Mit Vollgas an die Punkte
Dustbowl erinnert durch die Weitläufigkeit und viel offenes Terrain an klassische Battlefield-2-Maps wie Daqing Oilfields oder Mashtuur City. Hier darf erstmals auch der Spielmodus Hotwire ausprobiert werden. In Hotwire verdienen die Kriminellen Punkte, indem sie vier Autos erobern und so lange wie möglich damit herumfahren.
Den Cops wird es künstlich erschwert, die Bösen aufzuhalten, da ihnen der Zugriff auf Minen und Raketenwerfer verwehrt bleibt. Nach etwas Eingewöhnungszeit gelingt es, eine Route abseits des Geballers im Zentrum ausfindig zu machen, entspannt Runden zu drehen und fleißig Punkte für das Team zu sammeln. Zugegeben: Es gibt nicht gerade einen Adrenalinschub, macht aber Spaß – besonders der Erfolg am Ende der etwa 15-minütigen Partie.
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Wer gern verschanzt als Infanterie kämpft, kommt wohl eher beim Heist auf seine Kosten. Der Bankraub, bei dem anschließend die Beute in Sicherheit gebracht werden muss, spielt sich vollkommen anders. Hier kommen auch häufiger die neuen Gadgets wie der Enterhaken zum Einsatz, mit dem der Spieler schnell an begehrte Sniper-Punkte gelangt.
Extramodi für E-Sports
Noch nicht in der Beta verfügbar sind die Modi Rescue und Crosshair. Diese für E-Sportler erdachten Wettbewerbe fokussieren sich auf kleinere Teams. Über deren endgültige Spieleranzahl schweigen sich die Entwickler noch aus. Erst einmal wollen sie den klassischen Multiplayer-Modus und die Solokampagne fertigstellen. Dafür hoffen sie auch auf Informationen von Spielern aus der offenen Beta.
Steve Papoutsis, General Manager von Visceral Games, sagt: "Es gibt nichts Wertvolleres für unser Team als die Beziehung zu unserer Community." Ihr Feedback habe bereits geholfen, Hardline viel besser zu machen. "Wir wollen, dass alle wie verrückt die Beta spielen und vertrauen darauf, dass sie weiterhin Feedback geben und wir das Feintuning vorantreiben können."
Verfügbarkeit und Fazit
Die Open Beta von Battlefield Hardline geht vom 3. bis zum 8. Februar. Der Client ist unter Windows über Origin zu beziehen. Auf der Playstation 3 und 4 sowie der Xbox One kann er im jeweiligen Marktplatz heruntergeladen werden.

Fazit
Der Multiplayer-Modus von Battlefield Hardline hat mir beim zweiten Anspielen wieder Spaß gemacht – nicht mehr als Battlefield 4, wenn es funktioniert, aber auch nicht weniger. Die bewährten Stärken, die primär mit der Engine und dem Spielprinzip zu tun haben, spielt auch der Hardline-Multiplayer gelungen aus. Die Spielmodi Heist, Hotwire und Conquest unterscheiden sich in ihrer Dynamik außerdem deutlich. Da müsste für viele Spieler etwas dabei sein. Mir hat das Kapern der Autos im Modus Hotwire mit dem anschließenden Katz-und-Maus-Spiel am meisten Freude bereitet.
Wie gut Hardline die Community über lange Zeit halten kann, lässt sich auch nach dem zweiten Probespielen noch nicht voraussagen. Wirklich wichtig ist, dass die Server stabil laufen und Electronic Arts die Community nicht zu schnell mit kostenpflichtigen Erweiterungen und Ingame-Monetarisierung spaltet.
Wir bleiben dabei: Der spannendere Teil von Hardline wird die actionreiche und atmosphärische Solokampagne. Sie verspricht durch die spielerischen Umsetzungen des Polizisten-Daseins und das recht unverbrauchte Szenario mehr Neues. Der Multiplayer ist dagegen eher altbewährt – ein kostenloses Probespiel in der Beta aber allemal wert.
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