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Battlefield 5 im Test: Klasse Kämpfe unter Freunden

Umgebungen und Szenario erinnern an frühere Serienteile, das Sammeln von Ausrüstung motiviert langfristig, viele Gebiete sind zerstörbar: Battlefield 5 setzt auf Multiplayermatches für erfahrene Squads. Wer lange genug kämpft, findet schon vor der Erweiterung Firestorm ein bisschen Battle Royale .
/ Peter Steinlechner
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Szene von Battlefield 5 (Bild: Bild: Dice/Screenshot: Golem.de)
Szene von Battlefield 5 Bild: Bild: Dice/Screenshot: Golem.de

Wir könnten von Siegen mit unserem Squad in Battlefield 5 prahlen, oder schlimme Niederlagen beichten. Allerdings: Am stärksten ist uns beim Test des Actionspiels eine gefühlt eher lustige Szene im Gedächtnis geblieben. Dabei haben wir unseren Charakter in einer Hütte auf einer eisigen Bergspitze geparkt. Und konnten dann zusehen, wie durch ein zufälliges Gefecht innerhalb weniger Augenblicke das Gebäude um uns herum von oben nach unten zerstört wurde. Am Ende standen wir im Schneesturm – unverletzt.

Eigentlich spricht es ja nicht für das Spiel, dass wir einen solchen Angriff ohne verlorene Lebenspunkte überstanden haben. Wir fanden die Szene schlicht witzig, außerdem zeigt sie eine der beeindruckenden technischen Neuerungen: In Battlefield 5 können die Spieler mit ausreichend Waffenkraft viel weitgehender als in früheren Serienteilen ganze Häuser zerstören, Mauern einreißen und Abwehrstellungen kaputt machen. Um das wenigstens im Ansatz zu kompensieren, darf eine der Einheiten übrigens Stacheldrähte bauen, Sandsäcke verlegen und andere Verteidigungsanlagen bauen, allerdings nur an vorgegebenen Stellen.

Battlefield 5 – Fazit
Battlefield 5 – Fazit (02:13)

Das alles tun wir in Multiplayergefechten mit bis zu 64 Teilnehmern, sowie in vier kurzen Solokampagnen im Szenario des Zweiten Weltkriegs. Dabei geht es alles andere als historisch zu: Battlefield 5 verzichtet weltweit auf Hakenkreuze, stattdessen wird Deutschland durch das Eiserne Kreuz symbolisiert – das ist das gleiche Zeichen, das auch die Bundeswehr verwendet (die das vermutlich gar nicht lustig finden würde, wenn sie es wüsste). Auf der anderen Seite stehen die Briten als einzige Fraktion der Alliierten. Das Entwicklerstudio Dice(öffnet im neuen Fenster) machte Andeutungen, dass zusätzliche Nationen per Erweiterung kommen; Details gibt es noch nicht.

Die Anspielungen auf die Geschichte sind generell vage gehalten. Herumbrüllende Klischee-Nazis in schwarzen Ledermänteln gibt es ebenso wenig wie allzu konkrete Bezüge auf historische Schlachten. Zwar sind wir an Orten wie Rotterdam oder in der Provence unterwegs, aber wesentlich mehr als die Jahreszahl und oberflächliche Details erfahren wir nicht. Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung hatte es Proteste in Foren gegeben, weil die Entwickler weibliche und männliche Soldaten angekündigt hatten. Im fertigen Spiel sind die Geschlechter gleichberechtigt – aber das fällt kaum auf, weil Infanteristin und Infanterist in Schutzkleidung fast gleich aussehen.

Zum Start von Battlefield 5 gibt es sechs Hauptmodi, die auf acht Maps gespielt werden. Wir kämpfen unter anderem in Rotterdam, rumpeln mit dem Panzer durch eine Wüste in Nordafrika, erkunden wunderschöne Raps- und Lavendelfelder in Frankreich, bekriegen uns auf einer zerstörten Brücke und sind im ewigen Eis von Norwegen unterwegs. Die Karten sind exzellent aufgebaut – damit meinen wir sowohl die Grafik als auch die fürs Spielen nötigen Details. Und sie sind groß, was man unter anderem daran sieht, dass viele Karten groß genug sind, um Spieler im steuerbaren Flugzeug durch die Luft sausen zu lassen.

Die meisten Modi sind schon aus den Vorgängern bekannt, etwa Domination und Team Deathmatch. Zentral sind Conquest und die Grand Operations. Conquest verbindet das Erobern feindlicher Stellungen und das Ausschalten von Gegnern stärker als etwa Domination. Ein Balken am Bildschirmrand zeigt eine Art Zusammenfassung und das Team, das zuerst den Balken des anderen vollständig gesenkt hat, geht als Sieger vom Platz.

Noch interessanter – und vermutlich sehr im Fokus der Community – sind langfristig die Grand Operations. Das ist eine Abfolge mehrere Matches, deren Ausgang jeweils die nächste Partie bestimmt. Beispielsweise geht es im ersten Match darum, dass die Verteidiger in Norwegen einen Vorstoß der Angreifer stoppen, etwa indem sie mit ihren Artilleriekanonen die feindlichen Flugzeuge abschießen. Die angreifenden Soldaten befinden sich in diesem Flugzeug und müssen entscheiden, ob sie mit hohem Risiko dort, also weit hinter den Linien der Verteidiger bleiben, oder ob sie eben mit niedrigerem Risiko schon früh per Fallschirm abspringen.

Je nach Ausgang folgt eine andere Partie auf der nächsten Karte. Falls es über mehrere Matches hinweg zu einem Gleichstand zwischen den Gruppen kommt, folgt irgendwann (typischerweise nach ein bis zwei Stunden) eine Entscheidungsschlacht, die deutlich an Battle Royale erinnert: Alle Spieler treten ohne Respawns an – wer stirbt, darf nur noch zuschauen. Das Gebiet wird durch Energiewände sehr schnell verkleinert. Das Team, dessen Mitglieder insgesamt am längsten durchhalten, hat die Grand Operations gewonnen.

Sammeln mit The Company

Mit derlei Erfolgen schalten wir nach und nach immer mehr Extras in The Company frei. So heißt eine gut gemachte Sammlung von Ausrüstungsgegenständen, Skins, Waffen und Vehikeln sowie Verbesserungen, mit der Spieler ihre Charaktere langfristig ausstaffieren können – was als eine wesentliche Motivation gedacht ist, sich langfristig in dem Spiel zu engagieren.

Ein wesentlicher Unterschied von Teil 5 gegenüber den Multiplayergefechten aus den letzten paar Battlefields ist, dass Teil 5 das Squad stärker in den Mittelpunkt rückt. Gemeint sind Verbände aus normalerweise vier Soldaten, die zusammen kämpfen. Entsprechend ergänzen sich die vier Klassen Assault, Medic, Supply und Recon: Zum Beispiel haben wir weniger Munition im Magazin. Für einen ersten Angriff reichen die Kugeln zwar aus. Aber dann sind wir auf Lieferungen durch den Supply angewiesen, wenn wir nicht mit dem Kriegsmesser gegen gut ausgerüstete Feinde antreten möchten.

Battlefield 5 mit Raytracing (Gameplay von Golem.de)
Battlefield 5 mit Raytracing (Gameplay von Golem.de) (01:42)

Im Normalfall haben wir mit derlei Notlösungen natürlich keine Chance. In Battlefield 5 ist die jeweils aktive Ausrüstung mitentscheidend über den Erfolg, und da haben wir viel Auswahl. Zum einen können wir unter einer Vielzahl von Gewehren und Pistolen wählen, dazu kommt Spezialgerät wie Flammenwerfer und das Scharfschützengewehr.

Außerdem dürfen wir in mehrere Vehikel klettern: Es gibt einen einfachen Kübelwagen (just der steuert sich leider sehr seifig), aber auch Panzer mit dicken Kanonen und einen riesigen Tank, mit dem wir feuerspeiend über die Schlachtfelder rumpeln können. Dazu kommen Flugzeuge, mit denen man unter anderem Selbstmordangriffe auf feindliche Stellungen durchführen kann. Das Ergebnis ist eine spektakuläre Explosion, die Spielern im Umkreis mehrere Dutzend Meter zumindest die Sicht, wenn nicht gar alle Lebenspunkte raubt.

Es gibt aber noch mehr Herausforderungen. Eine davon ist, dass feindliche Kugeln gegenüber dem Vorgänger mehr Schaden anrichten. Dice hat nach der Beta von Battlefield 5 die TTK (Time to Kill) zwar offenbar wieder etwas erhöht – aber allzu viele Treffer halten wir trotzdem nicht aus. Stellenweise kann das auch für erfahrende Spieler durchaus zu Frust führen: Wer ins gegnerische Fadenkreuz gelangt ist, überlebt häufig nur mit der richtigen Mischung aus Glück und Können.

Dice hatte angekündigt, dass Spieler deutlicher erkennen sollen, woher sie unter Beschuss genommen werden, um entsprechende Ausweichmaßnahmen ergreifen zu können. Wir finden, dass das sehr selten klappt: In den riesigen und offenen Umgebungen können wir fast immer von überall ins Visier genommen werden, Schutzwälle gibt es nur zufällig mal. Das bedeutet bei Beschuss meist den Bildschirmtod, oder zumindest hohen Schaden.

Wenn wir verletzt sind, regenerieren wir die Lebenspunkte (außer in den Kampagnen) nicht automatisch, sondern nur durch ein einmalig verwendbares Medipack. Wenn wir sterben, liegen wir bewegungsunfähig auf dem Boden, dabei läuft ein Timer. Den können wir mit einer Taste verlangsamen und um Hilfe rufen (was teilweise erschütternd echt klingt). Mit etwas Glück heilen uns der Medic oder ein Teamkamerad; nur der Medic füllt dabei alle Lebenspunkte wieder auf.

Sobald wir die andere Taste drücken, läuft der Timer schneller. Wenn er auf Null sinkt, sind wir tot, und es folgt die nächste Entscheidung: Wahlweise können wir in der Übersichtskarte den Ort für unseren Respawn auswählen oder uns einfach unserem Squad anschließen. Wir tauchen dann aus dem Nichts hinter einem der Gefährten auf. Dieser Ablauf kommt uns zwar durchdacht vor, aber nach einer gewissen Zeit hat uns der Prozess trotzdem genervt und wir haben so gut wie immer den Timer beschleunigt, um möglichst schnell auf die Übersichtskarte zu gelangen.

Neben den Multiplayermodi bietet Battlefield 5 auch Inhalte für Einzelspieler, nämlich drei kurze, nicht mit einander verbundene Kampagnen, die sich mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen; eine vierte Kampagne soll später kostenlos folgen. Die Geschichten der Abenteuer gefallen uns: Wir folgen dem Schicksal einer Widerstandskämpferin in Norwegen, oder lernen anhand eines armen Soldaten namens Deme etwas über die Tirailleurs sénégalais(öffnet im neuen Fenster) , die auf der Seite Frankreichs kämpfen mussten.

So interessant Handlung und Hintergründe, so langweilig das Gameplay. Meist geht es darum, in halboffenen Umgebungen auf jeden verfügbaren Feind zu ballern, oder schlicht an den Gegnern vorbeizurennen und die eigentlichen Ziele, etwa Geschützstellungen, mit einer Granate zu zerstören. Wer sich beeilt und die gut gemachten Zwischensequenzen überspringt, schafft das locker in unter vier Stunden.

Verfügbarkeit und Fazit

Zum Testen hatten wir Zugriff auf die PC-Version von Battlefield 5 ( offizielle Systemanforderungen ). Die meiste Zeit haben wir auf einem Rechner gespielt, bei dem wir in der Auflösung 1440p mit einer Geforce RTX 2080 Ti spielen konnten. Das Spiel sieht erstklassig aus: Schatten und Lichter wirken extrem glaubwürdig, Exturen sind sehr fein aufgelöst, Effekte sind stimmig – sehr viel besser geht es im Grunde derzeit nicht.

Wenn wir von dieser Version auf die ebenfalls zur Verfügung stehende Fassung auf der Xbox One gewechselt sind, mussten wir uns zuerst an den Downgrade gewöhnen – die Unterschiede bei der Grafikqualität sind deutlich sichtbar. Im Vergleich mit anderen aktuellen Konsolenspielen wirkt Battlefield 5 aber immer noch sehr aufwendig produziert. Die Version für die Playstation 4 lag uns nicht vor. In den kommenden Tagen werden wir uns weiter mit den technischen Aspekten des Spiels beschäftigen.

Battlefield 5 – Trailer (Einzelspieler)
Battlefield 5 – Trailer (Einzelspieler) (01:59)

Beim Test haben wir im gesamten Spiel keinerlei Hinweise auf Extras entdeckt, die für echte Euro zu kaufen sind. Später soll es solche Mikrotransaktionen geben, der geplante Starttermin und die Details hat Dice noch nicht bekanntgegeben. Die Entwickler versprechen, dass Spieler nur kosmetische Ausrüstung kaufen können. Ab Anfang Dezember 2018 soll es regelmäßig neue Modi, Karten und sonstige Extras geben, und zwar ohne weitere Zuzahlung. Im März 2019 will Dice – ebenfalls kostenlos – einen Battle-Royale-Modus namens Firestorm veröffentlichen, der momentan in Zusammenarbeit mit Criterion Games entsteht.

Battlefield 5 erscheint am 20. November 2018 für Windows-PC (rund 60 Euro) sowie für Xbox One und Playstation 4 (jeweils rund 70 Euro). Wer schon früher antreten möchte: Abonnenten von Origin Access Premier (Flatrate für alle neuen EA-Spiele, rund 15 Euro/Monat) können auf PC bereits ab dem 9. November 2018 loslegen. Käufer der Deluxe Edition (rund 90 Euro) dürfen am 15. November in den virtuellen Zweiten Weltkrieg ziehen.

Das Spiel erscheint ungeschnitten, die Vertreter der jeweiligen Nationen sprechen grundsätzlich ihre eigene Sprache. Das gilt in Multiplayermodus, so dass in den Gefechten Deutsch und Englisch zu hören ist, aber auch in der Kampagne. Wer trotzdem etwas verstehen will, kann Untertitel einschalten. Von der USK hat das Programm eine Freigabe ab 16 Jahre erhalten.

Fazit

Battlefield 5 ist konsequent auf die Unterstützung von Squads ausgelegt. Viele Elemente, von der Munitionsmenge bis zu den Klassen, wirken wie gemacht für Gruppen aus Fans der früheren Serienteile, die sich gemeinsam ins Gefecht stürzen möchten. Mit kampferprobten Mitstreitern fühlen sich die Matches wieder wunderbar episch an.

Das Actionspiel richtet sich auch sonst klar an erfahrene Spieler. Das Tempo ist höher als im Vorgänger, die Schusswechsel meist kurz. Wer nicht aufpasst und die Maps nicht kennt, verbringt einen großen Teil der Spielzeit im virtuellen Halbkoma. Die häufigen Bildschirmtode und der relativ aufwendige und zeitraubende Respawn- oder Heilprozess können für Einsteiger sogar frustrierend sein. Umso toller ist allerdings auch das Gefühl, wenn man dazulernt und sich Erfolge einstellen.

Eine große Stärke sind die Karten. Deren Laufwege bieten angenehm abwechslungsreiche Möglichkeiten. Eroberungsstellen und andere kritische Gebiete sind sinnvoll verteilt und dazu sehen die Umgebungen auch noch spektakulär gut aus. Anders als in früheren Serienteilen gibt es diesmal übrigens keine Karten, gegen die wir im Laufe vieler Partien irgendwann so etwas wie Abneigung entwickelt hätten, etwa wegen kleinerer Unstimmigkeiten oder schlicht wegen des Szenarios.

Einzelspieler kommen bei Battlefield 5 allerdings kaum auf ihre Kosten. Die kurzen Kampagnen erzählen zwar interessante Geschichten, die das Leid und Elend des Zweiten Weltkriegs berührend und sensibel auf den Bildschirm bringen. Spielerisch sind die anspruchslosen Ballereien aber eine Enttäuschung.

Schade, denn sonst sind Produktionsaufwand ebenso wie die Detailliebe von Battlefield 5 beeindruckend. Hier stimmen auch die Kleinigkeiten, jede Karte wirkt hochglanzpoliert. Neuerungen wie die Company sorgen für zusätzliche Motivation, indem langfristiges Engagement und Können belohnt werden. Grafik und Soundeffekte gehören vor allem auf leistungsstarken PCs zum Besten, was die Branche derzeit zu bieten hat.

Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung von Electronic Arts an einer mehrtätigen Testveranstaltung in Stockholm teilgenommen, die Reisekosten wurden zur Gänze von dem Publisher bezahlt. Anschließend haben wir außerdem in der Redaktion Zugriff auf die PC-Version erhalten, bei der wir allerdings wegen der noch nicht öffentlich erreichbaren Server nur die Kampagne spielen konnten. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.


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