Batteriezellproduktion: VW nimmt Gigafabrik Salzgitter in Betrieb

Der Autohersteller Volkswagen hat mit dem Betrieb seiner Batteriezellfabrik in Salzgitter begonnen. Damit habe die Firmentochter Powerco erstmals Batteriezellen in Europa vollumfänglich konzipiert, entwickelt und produziert, teilte VW am 17. Dezember 2025 mit(öffnet im neuen Fenster) . Das stärke die "technologische Souveränität des Unternehmens" .
Die Fabrik in Salzgitter soll in einer ersten Ausbaustufe jährlich eine Batteriekapazität von 20 Gigawattstunden (GWh) produzieren. In einer zweiten Stufe sind 40 GWh geplant. Die Zellen der ersten Stufe reichen rechnerisch für etwa 250.000 Elektroautos mit einer Akkukapazität von 80 kWh.
Einheitszelle für verschiedene Zellchemien
Produziert wird in Salzgitter die sogenannte Einheitszelle des VW-Konzerns. Powerco soll mit dem Werk in Salzgitter sowie weiteren Werken in Spanien und Kanada rund 50 Prozent des Konzernbedarfs abdecken. Die andere Hälfte stammt von externen Lieferanten.
Die standardisierte Architektur der prismatischen Zelle kann verschiedene Zellchemien verwenden. "Von Lithium-Eisenphosphat (LFP) über Nickel-Mangan-Kobalt (NMC) bis hin zu Feststoff sind alle relevanten Zelltechnologien möglich" , erklärte VW.
Bei den ersten produzierten Zellen handelt es sich um NMC-Zellen, wie sie im geplanten VW ID.Polo und Einstiegsmodellen von Seat und Skoda zum Einsatz kommen sollen. Der Marktstart des ID.Polo ist für den Sommer 2026 geplant.
In Kürze solle die erste Einheitszelle auf LFP-Basis folgen. Die Zellen würden nun "für finale Tests im Fahrzeug an die Marken des Volkswagen-Konzerns ausgeliefert" , hieß es weiter.
Die Gigafabrik Salzgitter setzt der Mitteilung zufolge neue Standards für eine CO 2 -arme Zellfertigung. "Die Produktion erfolgt vollständig mit regenerativer Energie aus Wind und Sonne. Erstmals werden auch die energieintensiven Rein- und Trockenräume mit Grünstrom betrieben" , heißt es von VW.
Viele Batteriezellfabriken gestoppt
Mit der Fabrik in Salzgitter ist es zumindest VW gelungen, eine eigene Zellproduktion in Deutschland aufzubauen. Noch im Sommer 2024 gab es Darstellungen, wonach hierzulande eine Produktionskapazität von 350 GWh geplant sei .
Doch seitdem verzögerten sich die meisten Projekte oder wurden auf Eis gelegt. Das gilt für die gescheiterte Northvolt-Fabrik im schleswig-holsteinischen Heide, die ACC-Fabrik in Kaiserslautern, die Svolt-Fabrik in Überherrn oder die Tesla-Fabrik in Grünheide. Das Branchenportal Battery-News.de gibt die geplante Produktionskapazität in Deutschland(öffnet im neuen Fenster) derzeit nur noch mit 57 GWh pro Jahr an. Das ist deutlich weniger als in Ländern wie Frankreich, Spanien, Polen oder Ungarn.
Tesla bereitet Zellproduktion vor
Zumindest was Tesla betrifft, könnte die Zellproduktion in Deutschland doch noch aufgenommen werden. In der Fabrik in Grünheide bei Berlin würden die Voraussetzungen geschaffen, um voraussichtlich ab 2027 bis zu acht Gigawattstunden Batteriezellen pro Jahr zu produzieren, erklärte das Unternehmen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.
"Wenn die Rahmenbedingungen passen, findet in Zukunft auch die komplette Batteriewertschöpfung in Grünheide statt" , teilte das Unternehmen mit. Damit ist das ganze Akkupaket gemeint. Im internationalen Wettbewerb mit China und den USA sei es derzeit kaum möglich, wirtschaftlich Zellen in Europa zu produzieren, hieß es.
Um die Batteriezellproduktion zu stärken, kündigte die EU-Kommission ein Förderpaket an. Europäische Batteriehersteller sollen demnach mit zinslosen Darlehen unterstützt werden.
Dadurch würden die Wettbewerbsfähigkeit der Branche verbessert, vorgelagerte Lieferketten gesichert und eine nachhaltige sowie widerstandsfähige Produktion in der EU gestärkt, hieß es in der Mitteilung. Eine Unterstützung in Höhe von 1,8 Milliarden Euro solle eine komplett in Europa produzierte Batterie ermöglichen.