Batteriezellproduktion: ACC hält Werk in Kaiserslautern für "unverantwortlich"
Die IG Metall will dafür kämpfen, dass das Batteriezellenwerk des Unternehmens ACC in Kaiserslautern doch noch errichtet wird. "Es gibt bundesweit keinen besseren Standort, wenn man Batteriezellenproduktion wirklich will" , hat der Vorsitzende des Gewerkschaftsbezirks Mitte, Jörg Köhlinger, der Nachrichtenagentur dpa gesagt. Es gebe einen voll erschlossenen Standort, Förderzusagen und eine qualifizierte Belegschaft mit einem ausverhandelten Tarifvertrag.
In der Pfalz sollten auf dem früheren Opel-Gelände rund 2.000 neue Jobs entstehen. Das vorgesehene Grundstück dürfe auf keinen Fall weiterverkauft werden, sagt Köhlinger. Die Gewerkschaft wolle dort einen "Brückenkopf" halten und Gespräche mit der Politik sowie den Anteilseignern des Gemeinschaftsunternehmens ACC suchen.
Das sind die Autohersteller Stellantis und Mercedes-Benz sowie der französische Energiekonzern Total Energies. Es gehe darum, eine "Koalition der Willigen und Fähigen" zu schmieden.
ACC stoppte die Investitionen für Kaiserslautern und für ein weiteres Werk in Italien vor wenigen Tagen, weil sich die Standorte aus Sicht des Unternehmens nicht mehr rechnen. Die IG Metall betont hingegen die Notwendigkeit von widerstandsfähigen Lieferketten und warnt vor drohender Abhängigkeit von externen Zulieferern.
ACC verteidigt Verzicht auf neue Werke
Am 16. Februar 2026 appellierte ACC in einer Mitteilung(öffnet im neuen Fenster) an die Politik und an private Innovationskräfte, den Aufbau einer europäischen Batteriezellproduktion stärker zu unterstützen. Dabei räumte ACC ein, dass der Hochlauf der Produktion in Hauts-de-France länger dauere und teurer sei als erwartet.
In dem Statement heißt es: "Wir sind jedoch zu nah am Ziel, um jetzt aufzugeben. [...] Derzeit verlassen doppelt so viele Module unsere Produktionslinien wie noch vor zwei Monaten. Unsere Ausschussquote, die in dieser Branche von entscheidender Bedeutung ist, sinkt dank zahlreicher Maßnahmen und der Mobilisierung interner und externer Ressourcen kontinuierlich."
ACC verteidigt jedoch die Entscheidung, auf den Bau neuer Werke zu verzichten. Im aktuellen Kontext "wäre es unverantwortlich, sich zum Bau neuer Gigafactories in Deutschland oder Italien zu verpflichten" , heißt es.
Dies sei der Zweck "des kürzlich aufgenommenen konstruktiven Dialogs mit den deutschen und italienischen Teams bei ACC, mit dem Ziel, die Bedingungen für die mögliche Beendigung unserer Projekte in Kaiserslautern und Termoli auszuarbeiten" . Das Projekt am Opel-Standort Kaiserslautern wird mit Steuergeld in Höhe von rund 437 Millionen Euro unterstützt.
ACC hatte das Projekt in Kaiserslautern im Juni 2024 pausiert . ACC-Chef Yann Vincent räumte später ein , dass die Batterien und damit auch die Elektroautos zu teuer seien. "Eine billigere Batterie bedeutet eine andere Chemie, ein anderes Batteriedesign. Darauf konzentrieren wir uns seit einigen Monaten" , sagte Vincent.
Das werde "ein wenig Zeit in Anspruch nehmen" und anschließend zu Investitionen in Deutschland und Italien führen. Doch dazu fehlt dem Unternehmen offenbar weiterhin das nötige Know-how und Kapital.
- Anzeige Hier geht es zu Elektromobilität: Grundlagen und Praxis bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



