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Batterieproduktion: Ungarn hat ein Batterieproblem und Deutschland zieht nach

Der viertgrößte Akkuhersteller der Welt zeigt, wie Europas Unabhängigkeit bei entscheidenden Technologien nicht gelingt.
/ Mario Petzold
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Nicht nur Fahrzeuge, auch Stromnetze werden zahlreiche Batteriespeicher benötigen. (Bild: Pixabay/garten-gg)
Nicht nur Fahrzeuge, auch Stromnetze werden zahlreiche Batteriespeicher benötigen. Bild: Pixabay/garten-gg

Eine Analyse des Max-Planck-Instituts (MPI) für Gesellschaftsforschung(öffnet im neuen Fenster) hat die Entwicklung beim Aufbau einer europäischen Batterieindustrie untersucht. Vor allem die Entwicklung in Ungarn – angetrieben von hohen Subventionen – zeigt, welche Probleme drohen können.

Mit der Ansiedlung von CATL soll sich die derzeitige Produktion von 87 Gigawattstunden, immerhin Platz 4 weltweit, pro Jahr mehr als verdoppeln. Das Problem ist aber, dass im kleinen Ungarn weder genügend Grundwasser noch ausreichend Fachkräfte oder der nötige Strom, im besten Fall aus erneuerbaren Quellen, vorhanden sind.

Ungarn begibt sich damit auf einen riskanten Weg mit einer starken Abhängigkeit von zwei außereuropäischen Firmen. Hinzu kommt, dass von den Rohstoffen bis zur Energie und der Arbeitskraft fast alles importiert werden muss, während die Auswirkungen auf die Umwelt vor allem Anwohner treffen.

Deutschland auf ähnlichen Pfaden

Zwar will die EU in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die Batterieproduktion steigern, schließlich wird von einem jährlichen Bedarf von weit über 1.000 Gigawattstunden ausgegangen. Aber ohne eigene Forschung und nachhaltige Rohstoffgewinnung dürfte es kaum möglich sein, im Vergleich zu asiatischen Produktionsstätten konkurrenzfähig zu sein.

Die verantwortliche Forscherin des MPI Pálma Polyák sieht zudem Parallelen zur Entwicklung in Deutschland. Das erste Beispiel wäre der Standort der Batterieproduktion von Tesla. Obwohl es hierzulande weniger Grundwasserprobleme gibt als in Ungarn, befindet sich die Fabrik ausgerechnet in einer der trockensten Regionen.

Zudem fällt der Anteil einheimischer Hersteller an der Gesamtproduktion, auch der geplanten, äußerst gering aus. Am größten ist die Produktionsstätte von CATL in Thüringen, gefolgt von Tesla aus den USA und Northvolt aus Schweden. Wobei letztere derzeit fraglich ist.

Positivbeispiele gibt es

Während eine lokale Produktion einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten kann, sind es eigentlich Forschung, Entwicklung und Design, die auch eine wirtschaftliche Unabhängigkeit versprechen. Hier wird in Deutschland, Ungarn oder Polen, dem drittgrößten Batterieproduzent der Welt nach China und den USA, viel zu wenig investiert.

Anders sieht dies zum Beispiel in Frankreich aus. Hier wird über den teilstaatlichen Konzern Renault an der lokalen Forschung und Entwicklung festgehalten, obwohl Gewinne derzeit kaum in Sicht sind.

Auch Länder wie Schweden, Finnland oder Norwegen setzen auf eine hohe Unabhängigkeit. Die sei zwar teuer, nicht frei von Rückschlägen und erfordere Geduld, meint die Wissenschaftlerin des MPI. Um den Vorsprung chinesischer Hersteller aufzuholen und eine profitable Industrie aufzubauen, gibt es aber kaum einen anderen Weg.


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