Batteriehersteller: Northvolt beantragt Gläubigerschutz in den USA

Der finanziell angeschlagene schwedische Batteriehersteller Northvolt hat in den USA Gläubigerschutz beantragt. Das Unternehmen meldete am Abend des 21. November 2024 ein Restrukturierungsverfahren gemäß dem sogenannten "Chapter 11" des US-Insolvenzrechts an, wie es mitteilte(öffnet im neuen Fenster) . Damit will sich Northvolt vor Forderungen der Gläubiger schützen, während es um seine Zukunft als eigenständiges Unternehmen ringt.
Unter Chapter 11 dürfen Unternehmen unter der Aufsicht eines Konkursrichters ihre Geschäfte zunächst weiterbetreiben und Pläne für die Schuldenrückzahlung ausarbeiten. Die Gläubiger können in dieser Zeit nicht auf die Vermögenswerte zugreifen.
Der Schritt ermögliche Zugang zu neuen Finanzierungsquellen, teilte Northvolt mit. 100 Millionen US-Dollar würden dem Unternehmen von einem Kundenunternehmen im Rahmen einer Art Brückenfinanzierung bereitgestellt. Darüber hinaus erhalte Northvolt von Kreditgebern Zugang zu etwa 145 Millionen US-Dollar (sogenanntes Cash Collateral).
Auswirkungen auf deutsches Projekt nicht abzusehen
Noch ist nicht abzusehen, was das konkret für Bau einer Northvolt-Gigafabrik im schleswig-holsteinischen Heide bedeutet. Das Unternehmen erklärte dazu am Abend, die deutsche Tochter werde unabhängig von der Muttergesellschaft finanziert. "Sie ist nicht Teil des Chapter-11-Verfahrens."
Deutschlandchef Christofer Haux sagte, "in Dithmarschen schreiten die Bauarbeiten derweil weiter voran. Der Standort genießt höchste Priorität" . Klar ist aber bereits, dass die Fabrik ihre Arbeit später aufnehmen soll als zunächst geplant. Die Zellmontage soll erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 starten statt bereits Ende 2026.
Anfang des Jahres genehmigte die EU-Kommission Fördermittel und Garantien für das Milliardenprojekt in Heide über 902 Millionen Euro. Der Bund und das Land Schleswig-Holstein unterstützen den Bau der Batteriefabrik mit rund 700 Millionen Euro. Hinzu kommen mögliche Garantien über weitere 202 Millionen Euro.
Eine Verwaltungsvereinbarung sieht vor, dass zunächst die Landesmittel in Höhe von 137 Millionen Euro fließen sollen. Das war bislang aber nicht der Fall. Auf den Bund entfallen etwa 564 Millionen.
Northvolt will zunächst keine Mittel abrufen
Der Batteriehersteller verwies darauf, dass der Bau in Norddeutschland im gemeinsam mit Bundes- und Landesregierung festgelegten Zeitplan liege. "Es wurden bisher keine Fördermittel in Anspruch genommen, und Northvolt Germany wird, solange die Restrukturierung der Muttergesellschaft andauert, auch weiterhin keine Mittel abrufen."
Schleswig-Holsteins Staatskanzleichef Dirk Schrödter (CDU) sieht Chancen für einen Restrukturierungsplan gemeinsam mit den Gläubigern. Es sei bedauerlich, dass noch keine gesicherte Finanzierung für den Mutterkonzern in Schweden gelungen sei, sagte Schrödter. "Es ist gut, dass nach den Diskussionen der letzten Wochen jetzt Klarheit über das weitere Verfahren und die nächsten Schritte herrscht."
Schrödter zeigte sich außerdem zufrieden, "dass die Bauarbeiten in Heide weiterlaufen und nun konkrete Aussagen zum Zeitplan getroffen wurden" . Das Land werde alle förderrechtlichen Fragen gemeinsam mit dem Bund prüfen. "Fragen betreffend etwaige Risiken für den Bund und das Land werden derzeit eingehend mit dem Bund besprochen und bewertet, über die Risikoposition des Bundes und des Landes hinsichtlich der Wandelanleihe kann somit derzeit noch keine Aussage getroffen werden, da das Verfahren unter Chapter 11 erst beginnt" , so Schrödter.
"Die europäische Batteriezellindustrie befindet sich insgesamt in einer herausfordernden Lage" , sagte Deutschlandchef Haux. Das Unternehmen wolle dem mit einer strategischen Neuausrichtung gerecht werden. "Wir haben seit dem Sommer zahlreiche Effizienzmaßnahmen umgesetzt, die bereits Wirkung zeigen." Der nun erfolgte Schritt verbessere die finanzielle Situation und werbe neues Kapital ein.
Weggefallene Aufträge belasten Unternehmen
Northvolt galt hinsichtlich der Batterieproduktion für Elektroautos lange Zeit als großer Hoffnungsträger der europäischen Automobilindustrie. Der größte Anteilseigner des Herstellers ist der deutsche Autobauer Volkswagen. Zu den Eigentümern gehören auch die US-Investmentbank Goldman Sachs und BMW.
Nichtsdestotrotz ringt Northvolt seit geraumer Zeit mit größeren Finanzierungsproblemen. Unter anderem zog Autobauer BMW im Juni einen Auftrag für Batteriezellen im Wert von zwei Milliarden Euro zurück.
Im September folgte dann Northvolts Ankündigung , schätzungsweise 1.600 Beschäftigte in Schweden zu entlassen sowie gleich mehrere Expansionspläne auf Eis zu legen. Konzentrieren will sich das Unternehmen nun vor allem auf die Großserienproduktion von Batteriezellen in der Fabrik Northvolt Ett im schwedischen Skellefteå.



