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Batman Arkham Knight im Test: Es ist kompliziert ...

Alte Feinde wie Scarecrow, gute Freunde wie Robin und die dazwischen wie Poison Ivy: In Arkham Knight muss sich Batman mit seinem Bekanntenkreis herumschlagen - und gleichzeitig mit dem Batmobil ein leistungsstarkes Multifunktions-Technikspielzeug steuern.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Batman Arkham Knight (Bild: Warner Bros Games)
Artwork von Batman Arkham Knight Bild: Warner Bros Games

Feierabend? Kennt einer wie Batman nicht. In seinem jüngsten Abenteuer Arkham Knight dürfen wir uns wieder mit einer ganzen Reihe von altbekannten Gaunern und deren Privatarmeen herumschlagen. An vorderster Front kämpfen wir gegen Scarecrow, der Gotham City mit Angstgas bedroht. Dazu kommt aber rasch eine ganz anderer Bösewicht: Eben der Arkham Knight - damit ist nämlich nicht Batman gemeint. Der neue Superschurke trägt eine dezent an unser Fledermauskostüm erinnernde Hightech-Rüstung, und er weiß auffallend viel über Batman. Das kann kein Zufall sein!

Batman Arkham Knight - Fazit
Batman Arkham Knight - Fazit (01:57)

Arkham Knight ist der Abschluss der Batman-Trilogie des britischen Entwicklerstudios Rocksteady(öffnet im neuen Fenster) , das sich Gerüchten zufolge künftig mit einem Spiel rund um Superman beschäftigt. Auch ein paar Easter Eggs im aktuellen Spiel deuten dies an.

Dass Arkham Knight das (zumindest vorerst) große Finale ist, hat aber noch andere Konsequenzen. So erklärt das Programm kaum noch, was es mit Gadgets wie dem Explosivgel, dem Batarang und anderem technischen Spielzeug von Batman auf sich hat. Einsteiger stehen hier vor einer ziemlich steilen Lernkurve.

Aber auch als erfahrene Spieler müssen wir uns weitere Tastenkombinationen auf dem Gamepad merken. Das verdanken wir vor allem - aber nicht nur - einer Neuerung: dem Batmobil. Damit dürfen wir selbst durch die Straßen von Gotham City steuern und uns gelegentlich Verfolgungsjagden mit Gaunern liefern.

Schön: Das schwere Vehikel macht ordentlich Krach und hat einen hohen Kawumm-Faktor - Straßensperren, herumstehende Mülltonnen, Straßengangster oder andere Hindernisse fahren wir einfach über den Haufen, was technisch schick in Szene gesetzt ist.

Nicht so schön: Die Straßen von Gotham City sehen immer ziemlich gleich aus. Wer in der offenen Spielewelt, die ja letztlich auf New York basiert, auf ähnlich interessante Ausflugsfahrten wie in einem GTA hofft, wird enttäuscht. Arkham Knight bietet größtenteils eine sehr schöne Grafik, aber keine abwechslungsreiche, lebendig wirkende Stadt.

Wenn wir mit Batman wie im direkten Vorgänger frei von Turmspitze zu Turmspitze springen oder weit oben durch die Straßenschluchten gleiten, sieht das immerhin etwas anders aus: Da oben finden wir uns im Laufe der Zeit auf den drei Hauptinseln ganz gut zurecht.

Durch die Straßen von Gotham City

Das Batmobil spielt eine sehr große Rolle in Arkham Knight. Außer für Verfolgungsjagden dient es nämlich im Kampfmodus als Hightech-Tank in Panzerschlachten. Dazu drücken wir die L2-Taste, dadurch verändern sich Aussehen und Steuerung: Mit dem rechten Abzug beschleunigen wir nicht mehr, sondern feuern Raketen ab. Außerdem können wir per Analogstick den Lasermarkierungen der Feinde ausweichen.

Die Stimmen in Batman Arkham Knight - Trailer
Die Stimmen in Batman Arkham Knight - Trailer (05:56)

Dieses Ausweichen ist aber nicht nur in Kämpfen überlebenswichtig. Auch sonst müssen wir es oft verwenden, um das Batmobil durch enge Tunnel oder über schmale Dächer dorthin zu bugsieren, wo wir es benötigen - die normale Steuerung ist dafür viel zu sehr auf brachiales Tempo ausgelegt. Vor Ort müssen wir mit der Winde des Vehikels etwa Wände einreißen oder Mauern zerschießen, um weiterzukommen. Gelegentlich gibt es dann eine Art Wechselspiel: Als Batman gehen wir zu Fuß voran, überwinden Hindernisse mit dem Enterhaken oder durch das Hacken von Toren. Dann holen wir das Batmobil nach, zerstören ein paar Panzer und wechseln dann wieder in den Gehmodus.

Neben dem Batmobil gibt es aber ein paar weitere neue Funktionen, die wir lernen müssen. Besonders praktisch ist ein sogenannter Angstangriff. Dazu müssen wir möglichst unbemerkt in die Nähe von Feinden gelangen, um dann mehrere von ihnen in schneller Reihenfolge ausschalten zu können. Außerdem kämpfen wir an einigen Stellen zusammen mit Vertrauten wie Robin - auch hier gibt es ein paar Extras auf dem Gamepad zu lernen, wenn wir zusammen mit ihm die schick aussehenden Kombos verwenden wollen.

Das Gamepad ist zwar voll belegt, aber dennoch wirkt der Schwierigkeitsgrad der 25 bis 30 Stunden langen Kampagne sehr fair - wie in den Vorgängern. Es gibt vier Stufen, die höchste namens "Schwarzer Ritter" steht erst nach einmaligem Beenden der Story zur Verfügung. Ein paar der Kampfangriffe und Verteidigungstricks kann man vermeiden, indem man seine Erfahrungspunkte nach Möglichkeit in passive Werte wie die Nah- und Fernkampfstärke des Batsuit steckt.

Erfahrungspunkte gibt es übrigens auch für die Nebenmissionen. Die bestehen bis auf Ausnahmen vor allem aus vielen kleinen Einsätzen am Rande. Eine deutlich zweistellige Stundenzahl kann man aber auch dafür locker zur Spielzeit dazurechnen; allein die Aufgaben des Riddler würden locker für ein eigenständiges Minigame reichen.

Auf der Playstation 4 läuft Arkham Knight nativ in einer Auflösung von 1080p (1.920 x 1.080 Pixel) und auf der Xbox One in 900p (1.600 x 900 Pixel). Beide Konsolen liefern eine Bildrate von 30 fps. Den Verkauf der PC-Version hat Publisher Warner Bros. Games inzwischen wegen massiver technischer Probleme auf Steam eingestellt - deswegen gehen wir auf dieses Thema in diesem Test nicht weiter ein, sondern greifen es später erneut auf.

Viele Fehler und ein Fazit

Auch die Konsolenfassungen kämpfen mit Bugs: So können Spieler auf der PS4 derzeit nicht auf Leaderboards zugreifen. Dazu kamen bei uns im Test innerhalb der ersten drei, vier Stunden zwei Totalabstürze - danach lief das Programm aber ganz ohne weitere Probleme. Nutzer berichten in Foren von ähnlichen Problemen. Die finden wir zwar störend, aber vom Kauf oder vom Spielen würden sie uns nicht abhalten. Ein Patch ist angekündigt.

Batman Arkham Knight - Trailer (Launch)
Batman Arkham Knight - Trailer (Launch) (02:04)

Batman Arkham Knight ist für Playstation 4 und Xbox One verfügbar und kostet rund 60 bis 70 Euro; die PC-Fassung war (und ist bei einigen Händlern immer noch) für etwa 50 Euro erhältlich - wie erwähnt raten wir derzeit vom Kauf dieser Version ab. Umfangreiche DLC-Erweiterungen rund um weitere Superhelden und -schurken sind angekündigt; der Season Pass kostet offiziell 40 Euro. Das Spiel enthält keinen Multiplayermodus. Die Lokalisierung wirkt stimmig - Batman klingt zwar etwas hölzern, aber das ist auch im englischen Original so und wohl gewollt. Die USK hat dem Spiel eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit

Hoffentlich ist Arkham Knight wirklich der Abschluss der Batman-Trilogie: Eine weitere Fortsetzung könnte kaum noch etwas steigern, so groß ist die Masse an technischem Spielzeug des dunklen Ritters mittlerweile - an Kampfkombi, Spezialfähigkeiten, Extramodi sowie freundlichen und vor allem feindlichen Superhelden.

Arkham Knight erzählt eine zwar umständliche, unterm Strich aber spannende Geschichte mit überraschenden Wendungen. Dazu kommen die Stärken der Vorgänger: Gut aufeinander abgestimmte Batman-Gadgets, toll inszenierte Prügeleien, spannende Schleichpassagen und ein wunderbar düsteres, schön gestaltetes Gotham City als weitgehend offene Spielewelt.

Doch nicht alles begeistert uns. Das Batmobil etwa ist technisch gut gemacht, etwa wenn es spinnengleich an Kanten hängt oder die halbe Stadt zerdeppert. Aber durch das Vehikel ist auch der Controller mit Steuerungsoptionen überladenen. Durch den ständigen Wechsel der Fahr-, Fuß-, Flug- und Kampfmodi kommt wenig Spielfluss auf. Der Spieler sitzt oft da und fragt sich, welches Knöpfchen denn nun wieder zu drücken ist.

Unterm Strich ist Batman Arkham Knight dennoch ein sehr gutes Spiel. Das Grundkonzept der Serie mit seiner Mischung aus viel Action und einer Prise Adventure ist einfach stark, die Herausforderungen und Rätsel sind größtenteils wieder originell gestaltet. Die auch nicht einfachen, aber etwas unkomplizierteren Vorgänger haben uns allerdings mehr Spaß gemacht.


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