Basicode: Als der Basic-Download über das Radio kam

In den 80er Jahren gab es unzählige Magazine mit Basic-Programmen zum Abtippen oder Kassetten, die unter Freuden getauscht wurden. Weniger bekannt ist die Übertragung durch öffentliche Radiostationen, die es sogar bis in die DDR geschafft hat.

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Eine Basicode-Kassette des niederländischen Rundfunks
Eine Basicode-Kassette des niederländischen Rundfunks (Bild: Jüppsche, Wikimedia/CC-BY-SA 3.0)

Mit der 8-Bit-Revolution Anfang der 80er Jahre des vergangen Jahrhunderts gab es in kurzer Zeit sehr viele vergleichbar erschwingliche Heimcomputer. Auf diesen liefen Programme, die in verschiedenen Basic-Dialekten verfasst wurden, die wiederum auf Kassetten verteilt oder aus speziellen Heften abgetippt werden konnten. Auf der Fosdem-Konferenz, die derzeit in Brüssel stattfindet, erzählt der Entwickler Rob Hagemans von einer weiteren, allerdings weniger bekannten Möglichkeit, Programme zu übertragen: das Radiosignal.

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Die Idee ist dabei einfach nachvollziehbar. So werden die Programme auf den Kassetten als Tonsignale gespeichert, diese lassen sich aber nicht nur abspielen beziehungsweise einlesen, sondern auch per Rundfunk übertragen. Der niederländische Rundfunk NOS begann Anfang der 80er Jahre damit, Computerprogramme im Radio zu übertragen. Diese konnten von den Nutzern dann mit Kassettenrekordern aufgenommen werden. Ein Download über das Radio also, wie Hagemans das beschreibt. Auch wenn dies damals natürlich noch niemand so nannte.

Der Entwickler beschreibt in seinem Vortrag darüber hinaus, dass diese Übertragungen zu Beginn nicht nur ein "ziemlich schrecklicher Lärm" gewesen seien, sondern auch nicht wirklich robust gewesen seien und schlecht funktioniert hätten. Wohl weil im Radiosignal schlicht zu viel Rauschen herrscht im Vergleich zur Kassette.

Die Techniker und Bastler beim Radio haben dann aber ein eigenes Modulationsschema speziell für diesen Übertragungsweg erstellt. Es enthielt etwa eine Fehlerkorrektur, Anfangs- und Endsignale oder Ähnliches. Die Programme zur Demodulation sind dann wiederum verkauft worden.

Basicode als Standard-API für Basic

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Nachdem das Übertragungsproblem gelöst war, gab es aber - analog zu den Programmen zum Abtippen in den Magazinen - ein weiteres entscheidendes Problem. Die Basic-Dialekte der einzelnen Rechner von Herstellern wie Commodore, Atari, Sinclair und vielen anderen haben sich in entscheidenden Details unterschieden. Und zwar so stark, dass die Programme nicht kompatibel zueinander waren. Die Magazine versuchten das zu lösen, indem sie Poster oder andere Hilfestellungen veröffentlichten, die eine Art Transponierung zwischen den Dialekten ermöglichen sollte.

Im Fall des Radios ging das aber nicht, so dass das gleiche Programm für mehrere Rechnertypen mehrfach übertragen werden musste. Um das zu lösen, haben die Verantwortlichen eine einheitliche Abstraktion über die Basic-Dialekte erstellt. Diese bestand aus einer Vielzahl Subroutinen und bildete damit eine Art API für weitere Basic-Programme. Die konnten dann über das Radio übertragen werden, liefen aber auch auf verschiedenen Rechnern. Dieses Projekt bekam den Namen Basicode. Die plattformspezifischen Implementierungen waren Bascoder.

Die Übertragung von Basicode-Programmen über das Radio erlangte schnell weitere Unterstützter. Zusätzlich zum NOS ist dieses System etwa auch von der BBC genutzt worden. In der BRD hat der WDR Computerclub ebenfalls Basicode-Programme übertragen, allerdings nicht über das Radiosignal, sondern über das Tonsignal des Fernsehers.

Basicode auch in der DDR

Auch in der DDR sind Basic-Programme über das Radio ausgestrahlt worden. Diese dienten wohl vor allem der Grundlagenvermittlung des Programmierens und nutzten den Basic-Dialekt der KC-85-Reihe. Offenbar waren diese Sendungen äußert beliebt. Die Verantwortlichen in der DDR hatten aber bald ähnliche Probleme wie ihre Kollegen zuvor schon in den Niederlanden.

Der DDR-eigene KC 85 ist so gut wie nie in Privathaushalten gelandet, sondern meist in Schulen oder auch Forschungseinrichtungen. Die Privatnutzer, die es sich leisten konnten, verwendeten stattdessen die Modelle aus westlicher Produktion von Atari, Commodore oder Sinclair. Die vom DDR-Radio ausgestrahlten Programmen waren zu diesen Rechnern aber nicht kompatibel.

Dem Vortrag zufolge machte ein Hörer in West-Berlin das DDR-Radio auf die Arbeiten an Basicode der Niederländer aufmerksam. Das führte schließlich zu einer Lizenzierung von Basicode an das DDR-Radio, das im Jahr 1989 damit begann, Basicode-Programme im Rundfunkprogramm auszustrahlen. Zusätzlich zu der Verwendung von Kassetten sind in der DDR außerdem Schallplatte mit den Bascoder für die Rechner gepresst worden. Diese lagen einem Buch über Basicode bei.

Hagemans hat auf seinem Github-Profil eine Auswahl an Basicode-Programmen zusammengestellt und einen Basicode-Interpreter in Javascript erstellt, mit dessen Hilfe die Programme in modernen Browsern ausgeführt werden können.

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peer_g 04. Feb 2020

Ja das war Klasse. Nannte sich Pocketcom, oder so ähnlich. Eine kleine Box als...

OCP001 03. Feb 2020

Mit einem ähnlichen (oder sogar dem gleichen) System haben ZDF/3sat in Kooperation mit...

elitezocker 03. Feb 2020

Wochenlang habe ich Hex codes für meinen Atari 800XL abgetippt. Es waren so um die 14 Din...

Eldark 03. Feb 2020

Jepp xD



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