Bargeldloses Zahlen: Warum Apple Pay sich hier noch nicht auszahlt

Der Zahlungsdienst Google Pay ist kürzlich in Deutschland gestartet und damit in einen schwierigen Markt eingestiegen. Viele Zahlungsdienste sind hierzulande bereits gescheitert. Das könnte auch ein Grund dafür sein, dass Apple mit seinem Konkurrenzangebot noch wartet - obwohl das in anderen Ländern bereits sehr erfolgreich ist, etwa Polen, der Ukraine und Brasilien. In den USA ist der Zahlungsdienst schon seit Herbst 2014 im Einsatz. Der ukrainische Finanzminister schrieb(öffnet im neuen Fenster) im Mai, der Start von Apple Pay sei ein Beleg für die Attraktivität des ukrainischen Marktes für führende globale Konzerne. Deutschland ist da offenkundig weniger attraktiv - die Deutschen sind beim bargeldlosen Zahlen konservativer als andere Nationen.
Diese Erfahrung haben schon einige Anbieter mobiler Bezahllösungen gemacht. Ende Juni stellt Vodafone seine Vodafone Wallet ein. In der digitalen Geldbörse konnten Vodafone-Kunden ihre Kredit- oder Girokarten hinterlegen und damit bezahlen. Vodafone begründet die Einstellung des Dienstes mit der geringen Marktakzeptanz kontaktlosen Bezahlens in Deutschland.
Ein Vodafone-Sprecher sagt, Vodafone könne ohne die anderen deutschen Netzbetreiber keine Standardisierung bei der Technik erreichen. Ein solcher Schulterschluss der Netzbetreiber wäre aber wichtig gewesen, "da Kredit- und Kreditkarten-Institute so ein größeres Interesse haben, ihren Kunden eine digitale Bezahlkarte für das Smartphone anbieten zu wollen" . Je weniger Firmen mobile Payment-Dienste anbieten, desto geringer sei die Bereitschaft der Banken, in diesen Bereich zu investieren. Zu den Kosten des Betriebs der Wallet schweigt das Unternehmen.
Viele Zahlungsdienste sind schon gescheitert
Die Liste der bisher gescheiterten Payment-Angebote ist lang: Vor Vodafone stellten bereits die Deutsche Telekom, O2 und Base ihre Wallets ein. Die Telekom nahm 2016 ihre App MyWallet vom Markt. Eine Sprecherin der Telekom sagt, es sei fraglich, ob sich die SIM-Karten-basierte Lösung als Standard durchsetzen werde. Der Markt habe sich langsamer entwickelt als angenommen. Einzelne Ländergesellschaften wie Polen und Ungarn setzen aber weiterhin auf Lösungen für das mobile Bezahlen.
Ein Hindernis für neue Bezahllösungen hierzulande ist, dass die Deutschen besonders gerne mit Bargeld zahlen. Sie tragen laut einer Studie der Europäischen Zentralbank(öffnet im neuen Fenster) im Schnitt 103 Euro im Geldbeutel mit sich herum. Das ist der höchste Wert in der Eurozone. Laut einer Studie der Bundesbank(öffnet im neuen Fenster) besitzen nur 36 Prozent der Deutschen eine Kreditkarte. Und von den Kreditkarten-Inhabern setzen nur 19 Prozent diese mindestens einmal pro Woche ein. Bargeld und ihre Girocard reichen den Deutschen für die meisten Einkäufe.
Volksbanken sind für Kooperation mit Apple offen
Ein weiteres Hindernis für den Start von Apple Pay sind die Gewinnabsichten von Apple. Denn der US-Konzern will von den Finanzinstituten, die Kreditkarten herausgeben, eine Gebühr, wenn die Kunden mit Apple Pay zahlen. Die Finanzinstitute haben aber wenig Grund, ihren eigenen Gewinn ohne Not mit Apple zu teilen. Entsprechend hart sind offensichtlich die Verhandlungen beider Seiten miteinander. Ein Vorteil für die Banken ist bei den Verhandlungen, dass in Deutschland Kreditkarten relativ selten beim Einkauf genutzt werden.
Der Payment-Experte Rudolf Linsenbarth sagt: "Offenbar will Apple nur zusammen mit großen Banken in den deutschen Payment-Markt einsteigen." Technisch betrachtet hätte Apple sonst nämlich schon an den Start gehen können. Die deutsche Smartphone-Bank N26 bietet Apple Pay bereits in Frankreich und Italien an. Es wäre leicht, den Dienst auch in Deutschland anzubieten, doch Apple will noch nicht. Ein Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken sagt: "Die Volksbanken und Raiffeisenbanken sind für eine mögliche Zusammenarbeit grundsätzlich offen. Wenn Apple mit Apple Pay den deutschen Markt ansteuert, werden wir das prüfen." Die Sparkassen hingegen haben sich offenbar bereits entschieden , den Markt nicht ausländischen Großkonzernen zu überlassen: Sie wollen in Kürze ihren Kunden in Eigenregie das kontaktlose Zahlen über eine App anbieten.
Apple verspricht den Nutzern, ihre Daten zu schützen und keine Transaktionsdaten zu speichern, die Rückschlüsse auf den Käufer zulassen. Die Zahlungen seien nur für den Händler, die Bank und den Kartenaussteller ersichtlich. Die Daten der Kreditkarte werden nicht direkt auf dem Apple-Gerät gespeichert(öffnet im neuen Fenster) .
Technisch funktionieren Google Pay und Apple Pay ähnlich. Die Nutzer benötigen ein Smartphone oder eine Smartwatch mit einem NFC-Chip. Wenn der Händler ein NFC-fähiges Kartenlesegerät hat, arbeitet das Smartphone oder die Smartwatch quasi wie eine kontaktlose Kreditkarte. Bei Apple Pay identifiziert sich der Besitzer auf seinem iPhone oder seiner Apple Watch mit seinem Fingerabdruck.
Auf der Internetseite des Finanzdienstleisters Concardis war kurzzeitig bereits zu lesen: "Akzeptieren Sie jetzt Apple Pay! Die Paymentlösung von Apple kommt jetzt auch nach Deutschland und ermöglicht das Bezahlen mit iPhone und Apple Watch." Doch der Text wurde inzwischen wieder geändert.
Apple lehnt Kommentar zu Deutschland-Plänen ab
Und was sagt Apple? Der Konzern mit der besonders großen Portion Selbstbewusstsein schweigt. "Bitte haben Sie Verständnis, dass Apple zum Thema Apple Pay in Deutschland die Gerüchte und Spekulationen nicht kommentiert" , schreibt Apple-Sprecher Martin Kuderna. Nicht einmal die Frage, weshalb Apple Pay bisher nicht in Deutschland eingeführt worden ist, will er beantworten. "Apple kommentiert das Thema Apple Pay in Deutschland nicht."
Google verfolgt eine andere Strategie und kann auf eine Beteiligung an den Kreditkarten-Umsätzen verzichten. Der Konzern hat außerdem den Vorteil, dass das Betriebssystem Android in Deutschland viel verbreiteter ist als Apples Betriebssystem.
Ausländische Händler ziehen positive Bilanz
Apple Pay kommt im deutschsprachigen Ausland schon gut an. Ein Sprecher von Aldi Suisse sagt: "Kunden schätzen die Möglichkeit sehr, ihre Einkäufe schnell, unkompliziert und kontaktlos zu bezahlen, was dank dem in den Geräten eingebauten und aktivierten NFC-Chip möglich ist." Das Feedback der Kunden sei positiv. Auch C&A bietet seinen Kunden in Spanien und der Schweiz das Zahlen mit Apple Pay bereits an. Die Zahl der Nutzer steige ständig, sagt ein Sprecher. Wenn Firmen wie C&A neue Zahlungsmethoden anbieten, schaffe dies höhere Akzeptanz für diese Dienste. Vielleicht klappt das ja irgendwann auch noch in Deutschland.
Auch zu diesem Thema:




