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IT im Geldwesen: So neu nicht

Das Thema Bargeld ist hochemotional aufgeladen, so dass zumindest in Deutschland langfristig kein Abschied von der geliebten Banknote zu befürchten ist. Allerdings sind viele Gründe, die für Bargeld zu sprechen scheinen, eher Vorurteil als Fakt. Bargeld ist nicht sicher, es kann wie oben dargelegt jederzeit entwertet werden. Seinen Wert erhält es nur durch Vertrauen und Akzeptanz.

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Und Vertrauen muss der Bürger Mittlern wie Banken schenken - die dieses Vertrauen oft genug erschüttert haben. Der unter dem Namen Satoshi Nakamoto bekannte Bitcoin-Erfinder sieht genau darin das Problem der Fiat-Währungen: Dass man Mittelspersonen und Banken vertrauen muss. Satoshi will beim Bitcoin das Vertrauen durch Verschlüsselung ersetzen. Statt den Banken sollen Nutzer der unkorrumpierbaren Technologie vertrauen.

Banken sind bei der Digitalisierung hinterher

Dabei sind die Banken selbst alles andere als technologiefeindlich. Tatsächlich haben die technologischen Fortschritte, die die Gesellschaft verändert haben, auch immer das Geldwesen und die IT-Nutzung der Banken nachhaltig beeinflusst. In den 60er Jahren gehörten Banken zu den ersten Anwendern der Großrechner. In den 70er Jahren kam das sogenannte Time-Sharing und führte zum Ende der direkt bedienten Großrechner, Mitarbeiter bekamen Terminals und Rechenzeit für Bildschirm-Dialog-Anwendungen, die Kredite, Spar- und Wertpapierabwicklungen verarbeiteten.

Und die 80er brachten PCs und eine Verlagerung der Intelligenz vom Großrechner auf den einzelnen Arbeitsplatz in der Bank. Die 90er führten schließlich zu Vernetzungen, nicht nur der Arbeitsplätze in den Bankfilialen, sondern auch mit Geschäftskunden und später mit Privatkunden.

Trotz des frühen Einsatzes der Informationstechnologie hinken Banken der Digitalisierung hinterher. Jahrelang wurde nur Altbekanntes digital abgebildet: Das Überweisungsformular beispielsweise wurde durch Onlineüberweisung ersetzt - zu wenig Innovation.

Neben der inneren Einstellung der Banken zur IT, die eher als Kostenfaktor gesehen wurde, dürften die systemtechnischen Altlasten der Banken ein ausschlaggebender Punkt für die fehlende Neuentwicklung sein: Grob gesagt ist auf den alten Systemen immer wieder ein Überbau errichtet worden. Das hat den Effekt, dass die Funktions- und Datenstrukturen der operativen Bankensysteme, sozusagen das Betriebssystem der Banken, geradewegs aus den 60er und 70er-Jahren stammen.

Sieht man von den kundennahen Anwendungen für Berater in der Filiale und dem Onlinebanking ab, ist die Informationstechnologie im Bankensektor bisher eher in der Infrastruktur zu finden. Aus der bequemen Position des Monopolisten wurde das Bankwesen aufgescheucht, als ein eigener Zweig der digitalen Wirtschaft sich mit Banken-IT und Digitalisierung auseinandersetzte: die Fintech-Branche.

Fintech und Banken

Den vielen Startups aus der Finanztechnologie, kurz Fintech, wird viel zugetraut, sogar die Disruption einer ganzen Branche. Die Startups wollen sich alle möglichen Bereiche des traditionellen Bankwesens erneuern: Privates Finanzmanagement mit automatisierten Haushaltsbüchern realisiert das Startup Numbrs mit Hilfe von Algorithmen, die Zahlungen in einer Konto-App kategorisieren. Den Zahlungsverkehr im Geschäftsleben adressiert mit Payleven ein Startup, das Kartenzahlungsmöglichkeiten für Kleinstfirmen mit einem Smartphone-Kartenleser und einfachen Gebührenstrukturen schafft. Und die Bezahl-App Cringle nimmt sich mit einem Peer-2-Peer-Zahlungsservice den privaten Zahlungsverkehr vor: Mal schnell mit dem Smartphone seinen Freunden einen geliehenen Betrag zurückzahlen, abgebucht wird bequem vom Bankkonto.

In der Realität führen Regulation und Gesetzgebung allerdings eher dazu, dass kaum eines der jungen Unternehmen eine Banklizenz bekommt oder bekommen könnte. Und diese Lizenz ist nötig, um Kredite zu vergeben oder Zahlungen selbst abzuwickeln. Als Resultat müssen die Startups mit den angestaubten Konkurrenten, die sie eigentlich erschüttern wollten, gemeinsame Sache machen. Kooperation ist das Motto, nicht Disruption. Fintech-Experte Andre Bajorat dazu: "Es geht in den seltensten Fällen um das Ersetzen der Banken, sondern meist darum, den Kunden anders oder sehr speziell anzusprechen. Kein Fintech-Startup will eine klassische Bank nachbauen. Vielmehr betreiben die Startups eine Art Cherry-Picking und nehmen sich bewusst bestimmte Bereiche der Banken vor, um ihren Nutzern diese anders und modern anzubieten."

Das fällt der Fintech-Branche auch leichter, denn die Banken sitzen teilweise auf uralten Kernbankingsystemen, die eine innovative Entwicklung von Kundenanwendungen stark erschweren. Fintech ist demnach agil und innovativ darin, die typischen Bankdienstleistungen auf den Kunden abgestimmt zu gestalten.

Viele Banken holen auf, bringen eigene, moderne Anwendungen - durch die Kooperation mit Startups wächst auch bei den Banken das Know-how. Sie bieten mittlerweile mit White-Label-Lösungen Bankdienste an. Andererseits gewähren Startups wie Figo anderen Startups über eine API Zugang zu Bankdiensten und den Banken wiederum Zugang zu innovativen Softwarelösungen. Langfristig wird sich das Spiel auf Arbeitsteilung einpendeln: Banken machen Infrastruktur und Fintech-Startups Front-End-Anwendungen.

 Bargeld nervt: Startups und Kryptowährungen mischen die Finanzbranche aufDas Drama des mobilen Bezahlens 
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1ras 01. Jul 2016

Es war nicht ein Automat "defekt" sondern gleich zwei und seltsamerweise nur was den...

plutoniumsulfat 30. Jun 2016

Die Banken können allerdings dann groben Unsinn verzapfen, den sie heute so nicht...

M. 29. Jun 2016

Das ist etwas übertrieben. Ein Acquirer (SIX) hatte für 1-2 Tage technische Probleme...

thesmann 29. Jun 2016

Einfach umzusetzen? Du hast vergessen, das der Laden irgendwo in einem Bunker fernab...

User_x 29. Jun 2016

na klasse, willste päckchen kaugummi kaufen, zahlst du mit nem hinkelstein. möglich, hat...


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