Banken und Versicherungen: Bafin erhält mehr Beschwerden, schreitet aber nicht ein
Die Bankenaufsicht Bafin erhielt im Jahr 2025 nach eigener Auskunft "etwa ein Drittel mehr Beschwerden" zu Banken und Versicherungen als im Jahr 2024, erklärte der Bafin-Verbraucherschutzbeauftragte Christian Bock in einem inszenierten Interview der Bankenaufsicht. Etwa 50 Prozent aller Beschwerden zu Banken entfielen auf fünf große Institute auf dem Markt.
"Gegenstand der Beschwerden sind sehr häufig die Erreichbarkeit oder der Kundenservice", fasst Bock das Ergebnis zusammen. Etwa ein Drittel der Beschwerden innerhalb des Bankensegments entfallen auf Neobanken. "Eine Ursache für deren hohen Anteil könnte sein, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher sich nicht im Klaren darüber sind, dass Onlinebanken nicht die gleiche persönliche Betreuung wie Filialbanken bieten können."
In der Vergangenheit liefen bei Golem viele Beschwerden über die Neobank Trade Republic auf. Die Bank hat diesen Monat damit begonnen, den Kundendienst zu erweitern. Erstmals bietet Trade Republic, Kunden die Möglichkeit, auch telefonisch Kontakt zum Kundendienst aufzunehmen.
Bafin will Beschwerden ernst nehmen
"Das nehmen wir ernst", kommentiert Block den Zuwachs an Beschwerden. Bisher ist nicht bekannt, dass die Bafin als Reaktion auf die Zunahme der Beschwerden, in diesem Jahr Sanktionen gegen entsprechende Banken verhängte oder Forderungen etwa für einen besseren Kundendienst stellte.
"Beschwerden helfen uns, etwaige Probleme bei beaufsichtigten Unternehmen frühzeitig zu erkennen", erklärte Block. Viele Kunden äußern in sozialen Netzwerken und Foren allerdings den Eindruck, dass Beschwerden keine Wirkung zeigten. Uns liegen viele Schilderungen Betroffener vor, die sich über Trade Republic bei der Bafin beschwert haben und seitdem warten, dass diese einschreitet.
"Bei Bedarf können wir handeln und tun das auch", beteuert Block in dem Interview(öffnet im neuen Fenster). "Unsere Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen zu verbessern", erläutert er die Bafin-Aufgabe. Demnach beseitige die Bafin strukturelle Missstände. Damit seien "erhebliche und wiederholte Verstöße gegen Verbraucherrechte" gemeint.
Im Jahr 2025 gingen insgesamt 25.744 Beschwerden zu Banken bei der Bafin ein. Das sind durchschnittlich rund 70 Beschwerden pro Kalendertag. Im Jahr zuvor lag der Wert mit 22.123 Beschwerden ebenfalls vergleichsweise hoch, auch wenn es im Durchschnitt zehn Beschwerden weniger pro Tag waren.