Banken: Die Finanzbranche braucht eine neue Strategie für ihre IT

Ob Deutsche Bank, Commerzbank oder DKB: Immer wieder wackeln Server und Anwendungen bei großen Finanzinstituten. Viele Kernbanksysteme sind zu alt für aktuelle Anforderungen. Die Branche sucht nach Auswegen.

Eine Analyse von Manuel Heckel veröffentlicht am
Die Finanzbranche sucht nach neuen Strategien.
Die Finanzbranche sucht nach neuen Strategien. (Bild: Pixabay)

Mal gibt es kein Geld, mal viel zu viel: Vor wenigen Wochen wackelte das Online-Banking der Deutschen Bank. Auch Kunden der DKB wurden digital ausgebremst. Anfang Juni kamen einige Überweisungen von Commerzbank-Kunden nicht auf den Konten an. Und bei der Direktbank-Tochter Comdirect entdeckten Nutzer auf einmal erfreuliche Kursgewinne - die jedoch nur durch einen Anzeigefehler entstanden waren.

Inhalt:
  1. Banken: Die Finanzbranche braucht eine neue Strategie für ihre IT
  2. Update oder Umbruch?

Immer wieder gerät die IT der Banken ins Wanken. Für das vergangene Jahr meldete die Finanzaufsicht Bafin 301 "Zahlungssicherheitsvorfälle". Bis Anfang Juli dieses Jahres waren es schon 160 dieser Ausnahmesituationen. Dahinter stecken Störungen, die entweder außergewöhnlich viele Kunden betreffen - oder besonders lange anhalten.

Viele der Probleme entstehen dabei tief in den sogenannten Kernbanksystemen der Institute. Die IT der meisten Großbanken basiert auf einer Architektur, die vor 20 Jahren oder mehr installiert wurde. Gedacht ist sie für einen Stapelverarbeitungsbetrieb. Tagsüber wurden Überweisungsträger und andere Formulare in den Filialen gespeichert und sortiert, nachts verarbeitete das System die große Masse der Transaktionen. Am nächsten Morgen waren die Kontostände dann im Idealfall aktualisiert.

Je mehr sich das Online-Banking vorarbeitete, je mehr Echtzeit-Dienstleistungen die Kunden verlangen, desto stärker gerät diese Architektur unter Druck. "Die sogenannten Legacy-Systeme sind einfach nicht auf einen Echtzeit-Betrieb ausgelegt. Das löst man auch nicht mehr mit mehr Hardware oder Software", sagt Boris Strucken. Er leitet die Innovationsentwicklung für Banken beim amerikanischen Finanz-Software-Spezialisten FIS. Das Unternehmen hat selbst noch Kernbanksysteme für Banken im Portfolio, die vor mehr als 40 Jahren erstmals entstanden sind.

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Parallel sind jedoch in den vergangenen Jahren von Grund auf neu konzipierte Software-Anwendungen entstanden. Eine ähnliche Doppelstrategie fahren auch die meisten Finanzinstitute: Milliarden-Investitionen sollen ihre Serverparks modernisieren, Kooperationen mit Fintechs bringen neue Programme in den Stack. "Die Branche hat verstanden, dass der Handlungsbedarf groß ist", sagt Strucken.

Unter Druck an der Digitalisierung arbeiten

Noch sind viele Institute von einer modernen IT-Welt jedoch weit entfernt. Lediglich acht Prozent der Banken nutzen bereits IT-Systeme, bei denen im Kreditprozess nicht an irgendeiner Stelle von Hand Daten noch einmal eingegeben werden müssen, zeigt eine Studie der auf die Bankbranche spezialisierten Beratung Capco. Über die Jahre wurde an die Kernbanksysteme der Zahlungsverkehr angedockt, dazu kamen Produktdaten. Entstanden sind so nach den Erfahrungen der Experten massive und starre Systeme. "Architektonisch ist das nicht immer gut angelegt", sagt Strucken. Sein Rat: "entkoppeln und entkernen."

Eine Möglichkeit: eine neue Zwischenschicht, die die eng verzahnten Prozesse voneinander trennt. Deren offene Schnittstellen machen es dann einfacher, die darunterliegenden Systeme nach und nach auszutauschen. Je nach Bedarf der Bank könnten zudem neue Apps oder Finanzprodukte darüber installiert werden. Auch Klaus-Georg Meyer, der bei der Beratung Capgemini in Deutschland als Leiter Business Technology Solutions für den Banken- und Versicherungsbereich fungiert, sieht die Chancen einer solchen Ebene. Die würde es ermöglichen, nach und nach sowohl das Frontend als auch das Backend zu modernisieren. Er weiß aber auch: "Das richtig auf die Beine zu stellen, ist eine riesige Herausforderung."

Aktuell tun sich die Banken schwer, große Erfolge zu vermelden. Denn die Finanzbranche steht unter Druck: Durch die Zinsflaute sind die Erträge seit langem massiv geschrumpft. Fusionen des vergangenen Jahrzehnts haben noch mehr Chaos in die IT gebracht. Dazu kommt die besondere Beobachtung durch die Behörden: Die Finanzaufsicht hat genau im Blick, wie stabil und sicher die Systeme sind. Das spüren auch schnell wachsende Fintechs. Die haben eigentlich einen Startvorteil, weil sie ohne die Altsysteme loslegen können.

Doch diese Systeme zu skalieren, ist auch keine einfache Aufgabe. Im Frühjahr hatte etwa auch das Online-Banking von N26 Schwierigkeiten. Durch eine Reihe von Phishing-Attacken verloren einige Kunden viel Geld, der Kundenservice der Bank war schwer zu erreichen und reagierte in vielen Fällen nur zögerlich. Im Mai wurde die Digitalbank sogar öffentlich von der Bafin ermahnt, mehr gegen Geldwäsche zu tun. Die selbst ernannte Smartphone-Bank müsse unter anderem "Rückstände im EDV-Monitoring" aufarbeiten, schrieben die Aufseher.

So suchen die Banken ihre Strategien.

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Update oder Umbruch? 
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hl_1001 02. Okt 2019

Danke für die Einblicke! Interessant zu lesen! Habe auch schon viel Legacy SW gesehen...

Toni32 01. Okt 2019

Quatsch, gute Externe sind oft 3, 4, 5 Jahre dort engagiert, auch wenn der Vertrag immer...

.02 Cents 01. Okt 2019

Ich würde behaupten, dass der Vergleich mit dem Motorblock etwas hinkt. Es ist sicher so...

ibsi 01. Okt 2019

Und wie viele Personen nutzen das? Ich kenne persönlich niemanden. Die meisten haben...



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