Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Banana Pi Router: Ein erster Eindruck vom Bastelrouter

Ist der Banana Pi Router ein Bastelrechner mit integriertem Router oder ein Bastelrouter mit Rechner? Er ist vor allem etwas zum Basteln - im positiven wie negativen Sinne.
/ Alexander Merz
117 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Der BPI-R1 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Der BPI-R1 Bild: Martin Wolf/Golem.de

Die Reaktionen auf die Ankündigung des Banana Pi Routers fielen gemischt aus. Die einen freuen sich auf einen bezahlbaren Bastelrechner mit 4 Gbit-Ethernet-Ports, die anderen fragen nach dem Sinn eines solchen Hybrids und bemängeln den langsamen Netzwerkchip. Wir haben den Banana Pi Router(öffnet im neuen Fenster) , Kürzel: BPI-R1, deswegen neugierig ausprobiert und uns - notgedrungen - vorerst auf die Router-Aspekte konzentriert. Trotzdem deutet sich bereits an, dass er als Experimentierplattform für Netzwerkaufgaben durchaus geeignet ist.

Derzeit bietet der Hersteller für das Router-Board zwei Betriebssystem-Images(öffnet im neuen Fenster) zum Download an: Android und OpenWrt(öffnet im neuen Fenster) . Da Android, zumindest unseres Wissens nach, derzeit keine Router-App anbietet, haben wir uns ganz auf OpenWrt konzentriert.

Die Installation verläuft reibungslos. Das Image muss auf eine Micro-SD-Karte übertragen werden, danach wird die Karte in das Router-Board gesteckt. Außerdem stecken wir noch zwei Rechner an die Ethernet-Ports und verbinden den Router mit dem Firmennetzwerk. Dann versorgen wir das Board mit Strom. Bereits nach wenigen Sekunden hat es gebootet.

Laut Dokumentation ist das Board standardmäßig über 10.0.0.1 erreichbar. Da LuCI(öffnet im neuen Fenster) Teil der OpenWrt-Installation ist, rufen wir das Board über den Browser auf. Luci ist eine umfangreiche Web-Anwendung, über die OpenWrt per Browser verwaltet werden kann und über die umfangreiche Verwaltungs- und Konfigurationsaufgaben abgewickelt werden können. Beim ersten Aufruf wird über die Weboberfläche ein Passwort für den Root-Nutzer vergeben.

Alternativ kann der erste Zugriff über Telnet erfolgen, um ein Passwort zu vergeben. In beiden Fällen ist das Resultat identisch: Der Telnet-Zugang wird deaktiviert und über die Kommandozeile ist nur noch der Zugriff über SSH möglich.

Genau das haben wir dann auch genutzt und ein wenig auf der Kommandozeile herumgespielt. Die Installation auf dem Board ist recht aufgeräumt - und klein. Selbst auf einer 2-GByte-Karte bleibt noch viel Platz. Soweit wir das bei unseren Experimenten festgestellt haben, sind die netzwerkrelevanten Werkzeuge vorhanden. Größere Anwendungen, oder gar eine GUI, fehlen - bei OpenWrt allerdings prinzipbedingt.

Bekannte Fehler

Der aktuelle Release hat zwar bereits die Versionsnummer 1.0, trotzdem gibt es noch eine Reihe bekannter Probleme. Die beiden kritischsten: Das WLAN-Modul und der HDMI-Ausgang funktionieren noch nicht. Die OpenWrt-Portierung ist noch nicht so weit.

Ein anderes Problem lässt sich recht einfach beheben. Es gibt einen Konfigurationsfehler, der verhindert, dass sich angeschlossene Geräte im Netzwerk gegenseitig ansprechen können. Das kann aber leicht behoben werden. Dazu muss in Luci das Menü Network und darin der Punkt Switch aufgerufen werden. In der erscheinenden Oberfläche muss nun Save&Apply aufgerufen werden.

Geschwindigkeit nicht herausragend

Wir haben mit Iperf(öffnet im neuen Fenster) einige Tests durchgeführt. Dazu haben wir einen Rechner im Netzwerk als Iperf-Client konfiguriert, einen zweiten als Iperf-Server. Bei einer einfachen Datenübertragung lag die gemessene Bandbreite zwischen 765 und 850 Mbit/s, bei zwei gleichzeitigen Datenübertragungen zusammen zwischen 920 und 945 Mbit/s. Die Werte veränderten sich nicht, wenn wir den Router zusätzlich selbst als Iperf-Client benutzten. Für Gigabit-Ethernet sind das keine herausragenden Werte. Um per NAS mehrere Filme übers Netzwerk zu streamen, reicht das aber aus.

Der Prozessor des Banana Pi Routers wurde in dieser Zeit nicht beansprucht, denn der Netzwerkverkehr wird vom Broadcom-Chip abgewickelt. Der Load Average(öffnet im neuen Fenster) stieg während unserer Tests selten über einen Wert von 0.3. Selbst Interaktionen mit Luci änderten daran nichts. Es ist also ohne Probleme möglich, das Board als Router zu nutzen und gleichzeitig als Web- oder E-Mail-Server .

Bauteile sind am falschen Ort

Die Platine weist auf der Oberseite freien Platz für eine SATA-Festplatte auf - mit einem Schönheitsfehler: Mittig befindet sich eine Reihe kleiner SMD-Bauteile. Diese sind nicht sehr hoch, aber allein ihre Existenz an dieser Stelle wirft Bedenken auf. Ein Benutzer im Banana-Pi-Forum behauptet auch(öffnet im neuen Fenster) , dass sein Exemplar nicht mehr booten wollte, als er eine Festplatte einbaute. Erst als er zwischen Festplatte und Board ein Blatt Papier geschoben habe, habe es funktioniert.

Als wir probehalber eine SSD anstecken, erkennen wir, dass diese ebenfalls auf den Bauteilen aufliegt. Zum Kurzschluss kommt es dadurch aber nicht. Die Typen-Aufkleber verhindern unfreiwillige Strombrücken. Inwieweit es dabei aber auf lange Sicht zu Wärmeproblemen kommen kann, konnten wir bislang nicht abklären.

Fazit

Der Banana Pi Router ist derzeit ein Bastlerrouter - in doppelter Hinsicht. Zum einen richtet sich die Ausstattung des Router-Boards klar an Bastler. Wer schon immer mal die Netzwerkauslastung über einen per Servo gesteuerten Zeiger in Steampunk-Manier anzeigen oder mit Hilfe eines großen roten Buttons per Wake-on-Lan angeschlossene Geräte starten wollte, kann das einfach mit Hilfe der GPIO-Pins und einer Programmiersprache seiner Wahl tun. Auch wer "nur" mit OpenWrt, Firewall- oder Routerkonfigurationen experimentieren will, für den ist das Board eine Option. Sollte der HDMI-Ausgang einmal funktionieren, wäre - auch dank des USB-Host-Anschlusses - der Zugriff auf das System auch dann möglich, wenn die Netzwerk-Konfiguration komplett verbaut wurde.

Allerdings können solche Betriebssystem-Experimente derzeit eben noch notwendig sein. Die Portierung von OpenWrt für die Banana-Pi-Familie ist noch nicht abgeschlossen. Das System ist weitgehend verwendbar, bis auf die bekannte fehlende WLAN- und HDMI-Unterstützung. Doch wer tiefer in das System einsteigt, stößt womöglich noch auf das eine oder andere weitere, noch undokumentierte Problem.


Relevante Themen