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Balkonkraftwerke: Es geht nicht nur um die Amortisierung

Bei Balkonkraftwerken wird viel über Kosten und deren Amortisierung gesprochen. Einsparpotenzial und Nutzen gehen aber darüber hinaus.
Aktualisiert am , veröffentlicht am / Tobias Költzsch
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Balkonkraftwerke erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Balkonkraftwerke erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

Wer sich ein Balkonkraftwerk zulegen will, wird in der Regel vorher ein bisschen herumrechnen. Wie viele Kilowattstunden an Energie werden voraussichtlich am geplanten Standort generiert? Und was bringt das für eine Ersparnis bei welchem zu erwartenden Strompreis? Am Ergebnis kann man den Amortisierungszeitraum ausrechnen - also die Dauer, bis die Anschaffungskosten durch die Einsparungen ausgeglichen wurden.

Dieser Amortisierungszeitraum ist für viele immer noch entscheidend, um den Nutzen eines Balkonkraftwerks zu beurteilen. Auch Golem.de berechnet in seinen Tests die Amortisationsraten. Je länger die Amortisierung einer Anlage benötigt, desto weniger sinnvoll erscheint vielen die Anschaffung eines Balkonkraftwerks.

Dabei kann der Nutzen einer derartigen Anlage über die reine Kostenersparnis durch die Energiegenerierung hinausgehen - davon einmal abgesehen, dass die Amortisierungsberechnungen von Faktoren wie dem Strompreis abhängen, die nur schlecht vorhersehbar sind. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass sich die Anschaffung eines Balkonkraftwerks auch anderweitig kostensparend auswirken kann.

Eigene Energieerzeugung macht aufmerksamer, was den Verbrauch angeht

Auch wir haben im Bekanntenkreis oft gesehen, dass sich Neubesitzer eines Balkonkraftwerks teilweise zum ersten Mal in ihrem Leben mit ihrer Energienutzung beschäftigen. Vor allem bei Anlagen, die über eine App erlauben, die Leistung der Solaranlage genau zu verfolgen, kann sich das Bewusstsein dafür durchaus verändern.

Wir sind nicht die einzigen, die diese Beobachtung gemacht haben(öffnet im neuen Fenster) . Oft fangen Balkonkraftwerksbesitzer an, die täglich generierte Energie mit der im Haushalt genutzten zu vergleichen und gegenzurechnen. Dabei fällt vielen Einsparpotenzial auf, weil der eigene Verbrauch überhaupt erst vor Augen geführt wird - ist es wirklich nötig, bestimmte Geräte den ganzen Tag auf Stand-by laufen zu lassen? Muss das Licht hier und dort so lange brennen?

Durch ein erhöhtes Bewusstsein für den Verbrauch im Haushalt kann Einsparpotenzial erkannt werden - allein schon durch den Einbau eines Balkonkraftwerks. Derartige Ersparnisse werden in Amortisationsrechnungen für gewöhnlich nicht berücksichtigt. Wer bestimmte Abläufe im Haushalt wie etwa den Einsatz einer Waschmaschine optimieren kann und tagsüber wäscht, kann auch den durch den Netzbetreiber bezogenen Strom reduzieren.

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Energieerzeugung als "vertrauensbildende Maßnahme"

Interessant ist auch ein Punkt, den der Youtuber Andreas Schmitz im Eingangsstatement seiner mittlerweile bekannten Petition gemacht hat. Darin erklärt er, dass die Einblicke in die eigene Energieerzeugung und -nutzung eine "vertrauensbildende Maßnahme für die erneuerbaren Energien" seien. Gemeint ist: Wer vorher dem Thema negativ gegenüberstand, könnte seine Meinung ändern, wenn der Effekt selbst erfahrbar wird.

Ein weiterer Faktor, der oft zu wenig beachtet wird, ist der Beitrag jedes Balkonkraftwerks zur Energiewende. Auch kleine Solaranlagen erzeugen Energie, und zusammengenommen dürfte das Potenzial für einen Beitrag zum Wechsel auf erneuerbare Energien durchaus vorhanden sein.

Beitrag zur Energiewende

Wenn ein Haushalt etwa die tagsüber erzeugte Energie nicht selbst verwenden kann und sie ins Netz eingespeist wird, verwendet sie jemand anderes. Sicher, die Erzeuger selbst haben davon aktuell nichts oder kaum etwas - aber jede Kilowattstunde Solarenergie kann eine Kilowattstunde nicht-nachhaltige Energie ersetzen.

Man muss sich nur ausmalen, welches Potenzial allein ein nach Süden gerichteter Wohnblock mit Hunderten Balkons diesbezüglich hat. Eine flächendeckende Installation von Balkonkraftwerken würde aber erfordern, dass die Hausnetze dies auch mitmachen - ein Punkt, auf den die Handwerkslobby vor Kurzem hingewiesen hat. Dass an einem derartigen (aktuell nicht realistischen) großflächigen Ausbau von Balkonkraftwerken weitere Baumaßnahmen hängen, ist wahrscheinlich.

Aktuell ist der offizielle Anteil der Energie, die alle zugelassenen Balkonkraftwerke in Deutschland in die Netze speisen, mit 0,3 Promille des Stromverbrauchs hierzulande noch relativ gering. Allerdings gibt es eine wahrscheinlich recht hohe Anzahl an nicht angemeldeten Balkonkraftwerken, die nicht in die Berechnungen einfließen.

Wie viele Balkonkraftwerke sind nicht angemeldet?

Der überwiegende Teil der Balkonkraftwerke in Deutschland soll trotz Meldepflicht nämlich gar nicht angemeldet sein. Manche Quellen(öffnet im neuen Fenster) gingen 2022 von 500.000 Balkonkraftwerken in Deutschland aus, von denen 90 Prozent nicht angemeldet gewesen sein sollen. Zum Vergleich: Das Statistische Bundesamt hat 2,6 Millionen PV-Anlagen mit erfasster Einspeisung gezählt.

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Grundsätzlich muss bei aller Euphorie und geplanter Förderung durch die Politik natürlich gesagt werden, dass es auch offene Fragen jenseits der Amortisierungsrechnungen gibt. Wie sieht es beispielsweise mit der Haftung aus, wenn ein Balkonkraftwerk herunterfällt? Wie sollen die Befestigungen der Solaranlagen überprüft werden? Und wie bekommt man die Nutzer dazu, ihr Balkonkraftwerk anzumelden?

Der letzte Punkt kann wahrscheinlich durch vereinfachte Verfahren gelöst werden. Golem.de hat selbst erfahren, wie zäh die Kommunikation mit den erforderlichen Stellen sein kann, bis das Balkonkraftwerk genutzt werden darf. So sehr kleine, steckerfertige Solaranlagen aktuell boomen, so neu ist das Thema auch für Behörden und Netzbetreiber.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich in naher Zukunft vieles ändern wird. Bereits jetzt lässt sich aber sagen: Bei einem Balkonkraftwerk gibt es über die Amortisierung hinaus wichtige Punkte, die zur Energiewende und dem persönlichen Einsparpotenzial beim Energieverbrauch beitragen.

Nachtrag vom 7. Juli 2023, 12:35 Uhr

Mittlerweile gibt es eine offizielle Schätzung zur Energiegewinnung durch Balkonkraftwerke in Deutschland. Wir haben den Artikel entsprechend aktualisiert.


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