Baikal BE-S1000: Letzte Bilder des modernsten russischen Prozessors

Baikal Electronics entwickelte ARM-Prozessoren für Russland. Gefertigt werden können sie nicht mehr, Bilder zeigen jetzt den Aufbau des S1000 mit 48 Kernen.

Artikel veröffentlicht am , Johannes Hiltscher
Die des Baikal BE-S1000: In der Mitte der 32 MByte große SLC, darum verteilt die Blöcke mit je vier ARM-Cortex A75.
Die des Baikal BE-S1000: In der Mitte der 32 MByte große SLC, darum verteilt die Blöcke mit je vier ARM-Cortex A75. (Bild: Fritzchens Fritz, Flickr)

Es war eine Erfolgsmeldung für das russische Unternehmen Baikal Electronics: Ende 2021 konnte es den erfolgreichen Tape-out seines BE-S1000 mit 48 ARM-Kernen verkünden. 2022 musste der Prozessor allerdings eingestellt werden, nach Beginn des Kriegs gegen die Ukraine weigerte sich TSMC, den Prozessor zu fertigen. Auf Flickr hat Nutzer Fritzchens Fritz Bilder vom Silizium-Die des Baikal-Prozessors veröffentlicht - quasi ein letztes Geleit für den wohl für lange Zeit letzten modernen, in Russland entworfenen Prozessor.

Fritzchens Fritz nimmt regelmäßig Prozessoren auseinander und fotografiert deren Dies. Von einem russischen Kontakt erhielt er gleich mehrere der für den russischen Markt gedachten Prozessoren, die es mit Xeons der Skylake-Generation oder AMDs Zen-1-Epycs aufnehmen sollten. Das zeigen auf Twitter veröffentlichte Benchmark-Ergebnisse, die von Baikal Electronics stammen sollen. Auf den Fotos sind viele Details des inneren Aufbaus erkennbar, Twitter-Nutzer Locuza markierte darauf die einzelnen Funktionseinheiten.

Erkennbar ist, dass die 48 ARM-Cortex-A75-Kerne in zwölf Cluster aufgeteilt sind, jedes verfügt über 2 MByte L3-Cache. In der Mitte des Chips befindet sich ein 32 MByte großer System Level Cache (L4), der aus 16 einzelnen Blöcken besteht. Auch die sechs DDR4-3200-Speichercontroller und fünf PCIe-4-Blöcke sind deutlich erkennbar, sie nehmen ein knappes Viertel des 607 mm2 großen, mit TSMCs 16FFC-Prozess gefertigten Dies ein.

BE-S1000 sollte Russland unabhängiger machen

Der BE-S1000 sollte eigentlich 2022 auf den Markt kommen - konkurrenzfähig wäre er dann zwar nicht mehr gewesen. Ziel des Entwurfs war allerdings auch nicht die Konkurrenz zu etablierten x86- oder ARM-Prozessoren, sondern mehr Unabhängigkeit. Auch an einem Nachfolger namens Baikal-S2 hatte Baikal Electronics bereits gearbeitet.

  • Der BE-S1000 nutzt einen LGA-Sockel, mutmaßlich LGA 3647. (Bild: Fritzchens Fritz, Flickr)
  • Im passenden Winkel reflektiert das Silizium in bunten Farben, die Funktionseinheiten sind nachträglich hervorgehoben. (Bild: Fritzchens Fritz, Flickr)
  • So sieht der BE-S1000 ohne Heatspreader aus: Das 607 Quadratmillimeter große Die sitzt auf einer großen Platine. (Bild: Fritzchens Fritz, Flickr)
  • Detailaufnahme des BE-S1000: In der Mitte die 16 SLC-Blöcke, darum die CPU-Cluster. Am oberen und unteren Rand befinden sich die Phys für DDR4-3200, links und rechts PCIe-4-Controller. (Bild: Fritzchens Fritz, Flickr)
Detailaufnahme des BE-S1000: In der Mitte die 16 SLC-Blöcke, darum die CPU-Cluster. Am oberen und unteren Rand befinden sich die Phys für DDR4-3200, links und rechts PCIe-4-Controller. (Bild: Fritzchens Fritz, Flickr)

Darin sollten 128 Neoverse-N2-Kerne von ARM arbeiten, gefertigt werden sollte der Chip mit einem 6-nm-Prozess. Daraus wird aus mehreren Gründen nichts: ARM hat alle Lizenzen russischer Kunden gekündigt, die für den S2 angestrebte Taktfrequenz von über 3 GHz liegt um mehr als das Hundertfache über dem, was Taiwan noch nach Russland exportiert: Bei 25 MHz ist Schluss.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
25 Jahre Grim Fandango
Toller Trip durch das Reich der Toten

Morbide und lustig: Grim Fandango war kein Erfolg und gilt trotzdem als Klassiker. Golem.de hat es erneut durchgespielt - und war wieder begeistert.
Von Andreas Altenheimer

25 Jahre Grim Fandango: Toller Trip durch das Reich der Toten
Artikel
  1. Star Wars: Holiday Special jetzt in 4K mit 60 fps
    Star Wars
    Holiday Special jetzt in 4K mit 60 fps

    Eine bessere Story bekommt der legendär schlechte Film dadurch leider nicht. Bis heute lieben ihn einige Fans aber vor allem wegen seiner Absurdität.

  2. Autonomes Fahren: Im Märzen der Bauer den Roboter einspannt
    Autonomes Fahren
    Im Märzen der Bauer den Roboter einspannt

    Landmaschinen ohne Fahrer, Traktoren, die mit Gesten gesteuert werden - autonome Systeme sollen in der Landwirtschaft gleich mehrere Probleme lösen.
    Ein Bericht von Werner Pluta

  3. Lohn und Gehalt: OpenAI-Entwickler verdienen bis zu 800.000 US-Dollar im Jahr
    Lohn und Gehalt
    OpenAI-Entwickler verdienen bis zu 800.000 US-Dollar im Jahr

    Die Firma hinter Chat-GPT zahlt im Vergleich zu Unternehmen wie Nvidia besonders gut. Erfahrene Forscher und Entwickler auf dem Gebiet sind Mangelware.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Crucial P5 Plus 2 TB mit Kühlkörper 114,99€ • Crucial Pro 32 GB DDR5-5600 79,99€ • Logitech G915 TKL LIGHTSYNC RGB 125,11€ • Anthem PC 0,99€ • Wochenendknaller bei MediaMarkt • MindStar: Patriot Viper VENOM 64 GB DDR5-6000 159€, XFX RX 7900 XT Speedster MERC 310 Black 789€ [Werbung]
    •  /