Baikal BE-S1000: Letzte Bilder des modernsten russischen Prozessors
Baikal Electronics entwickelte ARM-Prozessoren für Russland. Gefertigt werden können sie nicht mehr, Bilder zeigen jetzt den Aufbau des S1000 mit 48 Kernen.
Es war eine Erfolgsmeldung für das russische Unternehmen Baikal Electronics: Ende 2021 konnte es den erfolgreichen Tape-out seines BE-S1000 mit 48 ARM-Kernen verkünden. 2022 musste der Prozessor allerdings eingestellt werden, nach Beginn des Kriegs gegen die Ukraine weigerte sich TSMC, den Prozessor zu fertigen. Auf Flickr hat Nutzer Fritzchens Fritz Bilder vom Silizium-Die des Baikal-Prozessors veröffentlicht - quasi ein letztes Geleit für den wohl für lange Zeit letzten modernen, in Russland entworfenen Prozessor.
Fritzchens Fritz nimmt regelmäßig Prozessoren auseinander und fotografiert deren Dies. Von einem russischen Kontakt erhielt er gleich mehrere der für den russischen Markt gedachten Prozessoren, die es mit Xeons der Skylake-Generation oder AMDs Zen-1-Epycs aufnehmen sollten. Das zeigen auf Twitter veröffentlichte Benchmark-Ergebnisse, die von Baikal Electronics stammen sollen. Auf den Fotos sind viele Details des inneren Aufbaus erkennbar, Twitter-Nutzer Locuza markierte darauf die einzelnen Funktionseinheiten.
Erkennbar ist, dass die 48 ARM-Cortex-A75-Kerne in zwölf Cluster aufgeteilt sind, jedes verfügt über 2 MByte L3-Cache. In der Mitte des Chips befindet sich ein 32 MByte großer System Level Cache (L4), der aus 16 einzelnen Blöcken besteht. Auch die sechs DDR4-3200-Speichercontroller und fünf PCIe-4-Blöcke sind deutlich erkennbar, sie nehmen ein knappes Viertel des 607 mm2 großen, mit TSMCs 16FFC-Prozess gefertigten Dies ein.
BE-S1000 sollte Russland unabhängiger machen
Der BE-S1000 sollte eigentlich 2022 auf den Markt kommen - konkurrenzfähig wäre er dann zwar nicht mehr gewesen. Ziel des Entwurfs war allerdings auch nicht die Konkurrenz zu etablierten x86- oder ARM-Prozessoren, sondern mehr Unabhängigkeit. Auch an einem Nachfolger namens Baikal-S2 hatte Baikal Electronics bereits gearbeitet.
Darin sollten 128 Neoverse-N2-Kerne von ARM arbeiten, gefertigt werden sollte der Chip mit einem 6-nm-Prozess. Daraus wird aus mehreren Gründen nichts: ARM hat alle Lizenzen russischer Kunden gekündigt, die für den S2 angestrebte Taktfrequenz von über 3 GHz liegt um mehr als das Hundertfache über dem, was Taiwan noch nach Russland exportiert: Bei 25 MHz ist Schluss.