Bahnstreiks: Warum autonome Züge nicht die Lösung sind

Wegen eines Streiks steht die Deutsche Bahn heute still – mal wieder. Braucht man im Schienenverkehr die Menschen überhaupt noch?

Artikel von veröffentlicht am
Fährt es sich ohne Lokführer wirklich besser?
Fährt es sich ohne Lokführer wirklich besser? (Bild: Joerg Koch/Getty Images)

Die Bahn wird bestreikt – immer noch, schon wieder und bald bestimmt erneut. Seit 2 Uhr Dienstagnacht haben die Mitglieder der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) im andauernden Tarifstreit mit der Deutschen Bahn die Arbeit niedergelegt, vorerst bis morgen. Und manch ein Fahrgast, der am Gleis vergeblich auf seinen Zug wartet, wird sich fragen: Wieso braucht es im Schienenverkehr überhaupt noch menschliches Personal?

Inhalt:
  1. Bahnstreiks: Warum autonome Züge nicht die Lösung sind
  2. Marode Infrastruktur statt selbstfahrender Züge

So auch Bernd Reuther. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion trat Anfang des Jahres anlässlich des bis dato längsten Streiks in der Geschichte der Bahn die Diskussion los, autonom fahrende Züge könnten "flexibler sowie effizienter eingesetzt werden, ohne auf Lokführer angewiesen zu sein". Ein Zitat, das die Bild-Zeitung in ihrer Überschrift zur Aussage aufblähte, die FDP wolle "Lokführer durch KI ersetzen" – auch wenn Reuther gar nicht von künstlicher Intelligenz sprach.

"Die Mär vom baldigen vollautomatisierten Fahren taucht immer wieder dann auf, wenn man sich der missliebigen Lokführer entledigen will", sagte hingegen ein Sprecher der GDL Golem.de bereits zum Streik im Januar. Bei der Gewerkschaft glaubt man nicht, dass die Automatisierung etwas an den Gründen ändert, aus denen man im Tarifstreit erneut die Arbeit niederlegt.

Fantasie oder Konzept mit Zukunft?

Diese "Fantasie" vom selbstfahrenden Zug, wie die GDL es nennt, reicht lange zurück. Im Jahr 2016 erklärte der damalige Bahn-Chef Rüdiger Grube, dass er damit rechne, schon ab 2023 in Teilen des Netzes vollautomatisierte Züge im Betrieb zu haben. Das ist im Fernverkehr nicht eingetreten.

Was 2023 stattdessen passierte: Die Deutsche Bahn kündigte ein Forschungsprojekt an, das vom Bund mit rund 42,6 Millionen Euro gefördert wird. Bis 2026 sollen mit dem Projekt Automated Train zwei Regionalzüge als Prototypen mit der entsprechenden Sensortechnik ausgestattet werden.

Große Pläne im Ausmaß von Rüdiger Grubes Ankündigungen "werden wir so schnell nicht erleben", glaubt ein Sprecher der GDL, "denn automatisiertes Fahren ist nur in abgekapselten Streckenabschnitten möglich", auf denen kaum Störungen zu erwarten seien.

An den Landungsbrücken raus

Auf denen gibt es sie auch in Deutschland schon, die autonom fahrenden Züge. Nur verkehren die nicht auf Fernverkehrsstrecken, sondern im städtischen Raum. Vorreiter ist die Nürnberger U-Bahn, die bereits seit 2008 computergesteuert fährt.

Im September 2022 folgte eine Bahn in Hamburg. Das Projekt Digitale S-Bahn Hamburg ist das Ergebnis einer 2018 gestarteten Kooperation zwischen der Hansestadt und Siemens.

Vier Wagen auf den Linien S2 und S21 wurden zusammen mit der Technik am Streckenabschnitt mit den ATO- und ETCS-Systemen nachgerüstet. Bis 2030 soll die Flotte auf 256 Züge ausgebaut werden. Leer ist das Führerhäuschen aber weiter nicht: Noch überwacht auch hier ein Mensch das automatisierte Bremsen und Beschleunigen.

"Je höher die Stufe der digitalen Zugbeeinflussung, desto mehr Aufgaben übernimmt der Zug selbst", sagte Reuther. "Wenn angesichts des Fachkräftemangels die Personaldecke bei Verkehrsunternehmen schon so dünn ist, dass diese den Fahrplan ausdünnen müssen, müssen neue Lösungen gefunden werden. Die Digitalisierung ist hier der Schlüssel."

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Marode Infrastruktur statt selbstfahrender Züge 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Takato 01:15 / Themenstart

GPS und co sind einfach zu ungenau für eine genaue Ortung. Du willst schon wissen ob du...

superdachs 00:31 / Themenstart

Dir ist klar, auf welche Schiene in einer Kurve die Kräfte wirken? Was du dir vorstellst...

superdachs 00:29 / Themenstart

Äh doch. Digitalisierung ist nach dem Naziproblem unser größtes. Wahnsinn. Und im...

juxtaposed 12. Mär 2024 / Themenstart

da stehts eigentlich drin

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
DP++ ohne Adapter
In diesen Displayport-Anschluss passen auch HDMI-Kabel

Ein Youtuber hat einen seltenen Displayport-Anschluss entdeckt, der auch mit HDMI kompatibel ist - ganz ohne Adapter.

DP++ ohne Adapter: In diesen Displayport-Anschluss passen auch HDMI-Kabel
Artikel
  1. Ausfälle bei E-Rezepten: Es ist zum Verrücktwerden
    Ausfälle bei E-Rezepten
    "Es ist zum Verrücktwerden"

    Bei den Apothekern liegen die Nerven blank, weil seit mehreren Tagen jeweils stundenlang das Abrufen der E-Rezepte nicht funktioniert. Die Gematik gibt die Schuldzuweisung weiter.

  2. Erneuernbare Energien: Sand Battery speichert erneuerbaren Strom für Fernwärme
    Erneuernbare Energien
    Sand Battery speichert erneuerbaren Strom für Fernwärme

    In Finnland wird ein Speicher gebaut, der Strom in Form von Wärme speichert. Damit wird im Winter geheizt.

  3. Astrobiologie: Könnten Bärtierchen den Mond besiedelt haben?
    Astrobiologie
    Könnten Bärtierchen den Mond besiedelt haben?

    Auf dem Mond sind Bärtierchen abgestürzt. Diese Lebewesen sind äußerst robust und einiges deutet darauf hin, dass sie den Absturz der Raumsonde Beresheet überlebt haben könnten. Es gibt aber auch Punkte, die dagegensprechen.
    Ein Bericht von Patrick Klapetz

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Rabatt-Coupons bei MediaMarkt • Ryzen 9 5950X 341,20€ • Philips OLED TV 55" 120Hz Ambilight 1.279€ • Logitech Gaming-Zubehör -44% • Android Weeks • Bethesda Spring Sale (PC) • Koorui Gaming-Monitore bis -30% • EA-Spiele bis -81% • Denon AVR-X2800H + Home 150 599€ [Werbung]
    •  /