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Baden-Württemberg: Landesregierung hofft auf Docsis 4.0 und 10 GBit/s

Würde Vodafone zügig in Docsis 4.0 investieren, wären Datenraten von 10 GBit/s im Downstream und 6 GBit/s im Upstream möglich. Doch das ist nicht geplant.
/ Achim Sawall
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SCTE-ISBE Cable-Tec Expo in Philadelphia im Jahr 2022 (Bild: SCTE-ISBE/CableLabs)
SCTE-ISBE Cable-Tec Expo in Philadelphia im Jahr 2022 Bild: SCTE-ISBE/CableLabs

Die Landesregierung Baden-Württembergs sieht das künftige Potenzial des dortigen Kabelnetzes mit dem Standard Docsis 4.0 bei 10 GBit/s. Das sagte eine Sprecherin des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen(öffnet im neuen Fenster) dem Südwestrundfunk (SWR). Die HFC-Technologie habe weiteres Potenzial.

Künftig könnten maximale Downloadgeschwindigkeiten von 10 Gigabit pro Sekunde und Uploadgeschwindigkeiten bis zu 6 Gigabit pro Sekunde erreicht werden. Daher setze das Land für die flächendeckende Gigabit-Versorgung auf einen Mix aus Glasfaser und HFC-Netzen, sagte die Sprecherin.

In Baden-Württemberg wird das Kabelnetz, das dort rund zwei Drittel der Haushalte versorgt, von Vodafone Deutschland betrieben. Doch das Koaxialkabel liegt nicht auf dem Land, sondern nur in den Städten.

Die Quote für FTTB/H (Fiber To The Home/Building) liegt in dem Bundesland bei rund 18 Prozent und damit weit unter dem Bundesdurchschnitt.

"In Gebieten, in denen bereits eine hohe HFC-Versorgung besteht, fällt die Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen tendenziell niedriger aus" , sagte die Ministeriumssprecherin dem SWR. Wo bereits eine gute Versorgung über die HFC-Netze besteht, darf das Land wegen EU-Recht zudem den Glasfaserausbau nicht fördern.

Docsis 4.0 verlangt Investitionen

Docsis 4.0 verlangt Investitionen in neue Verstärker im Netz und weitere neue Ausrüstung. Laut Docsis-Entwickler Cablelabs(öffnet im neuen Fenster) wird Docsis 4.0 bis zu 10 GBit/s im Downstream und 6 GBit/s im Upstream sowie Frequenzerweiterungen bis 1,8 GHz im Down- und 684 MHz im Upstream ermöglichen. Dafür sind technische Änderungen in der Netzebene 3 nötig.

Die aktuellen Docsis-3.1-Signale belegen den Frequenzbereich bis 1.218 MHz im Downstream und bis 204 MHz im Upstream. Diese Investition ergibt laut Experten nur Sinn, wenn die Infrastruktur für mindestens zehn Jahre genutzt werde. FTTH/B verbraucht dagegen weniger Energie und ist zukunftsfähiger.

Vodafone plant in den kommenden Jahren jedoch nicht, in den Ausbau von Docsis 4.0 zu investieren. Das Kabelnetz biete mit "Docsis 3.1 derzeit genügend Potenzial, um den Anforderungen an eine gigabitfähige Infrastruktur in den nächsten Jahren gerecht zu werden" , erklärte ein Vodafone-Sprecher Golem.de im Februar 2024 . Mit dem bisherigen Standard Docsis 3.1 sei technisch bereits ein Vielfaches der heute angebotenen maximalen Übertragungsrate von 1 GBit/s möglich.

USA machen Docsis 4.0 vor

In den USA sind dagegen die größten Kabelnetzbetreiber Charter Communications und Comcast sehr engagiert, sie kündigten einen schnellen Einsatz von Docsis 4.0 an.

Charter Communications ist der zweitgrößte Kabelnetzbetreiber der USA. Obwohl symmetrische Multi-Gigabit-Datenraten von Charter bisher nicht angekündigt wurden, sagte Chief Executive Officer Chris Winfrey, dass neue Docsis-4.0-Modems symmetrische Geschwindigkeiten von bis zu 6 GBit/s liefern könnten. Der Upgrade-Pfad für das Glasfaser-Koax-Netzwerk (HFC) werde etwa 100 US-Dollar pro Haushalt kosten.

Der US-Kabelnetzbetreiber Comcast ist mit seinem Ausbau erheblich weiter als bisher geplant. Schon vor rund einem Jahr waren 10 Millionen Haushalte mit 2 GBit/s ausgestattet. Kein Kabelnetzbetreiber in Deutschland kann bisher mehr als 1 GBit/s anbieten. Das Ziel von Comcast ist, mit Docsis 4.0 eine symmetrische Datenrate von 10 GBit/s für 50 Millionen Haushalte bereitzustellen.


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