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Bad Wildbad: Stadt seit zwei Monaten mit nur einem Mobilfunknetz

Vodafone , Telefónica und die Stadt wussten seit drei Jahren von einem Schornsteinabriss. Doch bisher gibt es keine Lösung.
/ Achim Sawall
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Baumwipfelpfad Bad Wildbad: neuer Antennenstandort? (Bild: Eak AG)
Baumwipfelpfad Bad Wildbad: neuer Antennenstandort? Bild: Eak AG

In Bad Wildbad in Baden-Württemberg sind seit zwei Monaten die Mobilfunknetzwerke von Vodafone und Telefónica ausgefallen. Wie der SWR berichtet(öffnet im neuen Fenster) , wurden die Antennen auf dem Schornstein eines Fernheizwerks abgebaut, weil das Bauwerk abgerissen werden soll. Die Netzbetreiber hat man laut Fernwärmegesellschaft Baden-Württemberg vor drei Jahren darüber informiert.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Ursula Jahn-Zöhrens (SPD) ging im Gespräch mit dem SWR davon aus, dass dahinter entweder technisches Unvermögen oder Absicht stehe, " weil ihnen der Standort hier nicht lukrativ genug ist ". Die Kurstadt im Enztal hat nur etwa 10.000 Einwohner.

Der Chef der Thermen von Bad Wildbad, Jürgen Schwarz, sagte dem SWR, er biete den Netzbetreibern Liegenschaften für neue Antennen an, wenn Interesse bestehe. Auch die Stadtverwaltung und die Fernwärmegesellschaft hätten Standorte vorgeschlagen, ohne Reaktion.

Vodafone ging von Netzversorgung über andere Antennen aus

Golem sprach mit den drei Netzbetreibern über ihre Sichtweise: Laut Vodafone-Sprecher Volker Petendorf musste man am 25. Juni 2025 die Mobilfunkstation in Bad Wildbad außer Betrieb nehmen. " Der Mobilfunkverkehr wird seitdem weitgehend über die umliegenden Vodafone-Stationen geführt, da wir diese zum 25. Juni neu ausgerichtet haben. Im Gegensatz zu unserer ursprünglichen Annahme lassen sich dennoch Einschränkungen bei einzelnen Kunden nicht ganz vermeiden. Diese Einschränkungen reichen von einem schwächeren Netz bis zum Totalausfall – worüber sich die Betroffenen zu recht beschweren. "

Nach aktuellem Plan wird nun ein mobiler Mast per LKW bis zum 28. August nach Bad Wildbad gebracht, dort aufgebaut und an das Stromnetz angeschlossen. Diese Arbeiten dauern etwa zwei bis drei Wochen nach Mastaufstellung. Die Inbetriebnahme ist bis zum 12. September vorgesehen.

Zugleich sei der Vodafone-Dienstleister Vantage Towers vor mehr als einem Jahr damit beauftragt worden, einen dauerhaften Mastneubau zu errichten. Doch das nehme viel Zeit in Anspruch.

Telefónica seit 2023 auf Standortsuche

Telefónica habe nach der finalen Standortkündigung im Jahr 2023 mit der Suche nach einem neuen Mobilfunkstandort begonnen, erklärte deren Sprecher Florian Streicher Golem. " Eine zunächst angestrebte Mitnutzung eines bestehenden Standorts musste im Jahresverlauf 2025 aufgrund statischer Gegebenheiten verworfen werden. Parallel dazu prüfen wir derzeit mehrere alternative Flächen für einen neuen dauerhaften Standort. Die Suche nach neuen Standorten beziehungsweise geeigneten Flächen gestaltet sich in ländlichen Regionen wie Bad Wildbad oft herausfordernder als in urbanen Gebieten – unter anderem wegen topografischer Bedingungen oder fehlender Stromanbindung. Parallel laufen Planungen für eine temporäre Versorgungslösung, etwa durch einen mobilen Mast ", sagte Streicher. Man versichere, dass die Wiederherstellung der Mobilfunkversorgung in Bad Wildbad " höchste Priorität " habe.

Bäderleiter Schwarz sagte, die Telekom betreibe keinen eigenen Mast über der Stadt, sondern stelle die Abdeckung über umliegende Antennen sicher, was das Netz zuvor im Vergleich schlechter gemacht habe.

Laut Telekom-Sprecherin Lena Raschke hat man jedoch einen eigenen Mobilfunkstandort im Westen auf dem Sommerberg, der mit LTE und 5G-Technik ausgerüstet ist. " Daher sind unsere Kunden von dem Funkloch auch nicht betroffen ", sagte Raschke.

Warum die Stadt den Netzbetreibern nicht sofort mit der Kündigung Ersatzstandorte aktiv angeboten hat, bleibt offen. Zudem wirken die Planungen der zwei Netzbetreiber schwerfällig, der Datenbestand scheint zu langsam mit der Wirklichkeit abgeglichen zu werden. Für den Kurort ist der Ausfall eine wirtschaftliche Katastrophe.


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