Bad Hersfeld und Leipzig: Streikwelle bei Amazon trifft auf Poststreik

Die Lagerarbeiter des größten deutschen Amazon-Standorts Bad Hersfeld und in Leipzig haben am 27. Mai 2015 ihren Streik fortgesetzt. Der Arbeitskampf wurde in der Nacht zum Dienstag begonnen. Der Ausstand soll bis zum Ende der heutigen Spätschicht dauern, kündigte Verdi bei Facebook(öffnet im neuen Fenster) an.
Der Tarifkonflikt läuft schon seit dem Frühjahr 2013. Verdi will den US-Versandhändler zur Aufnahme von Tarifverhandlungen zu Bedingungen des Einzelhandels bewegen. Amazon lehnt jedes Gespräch strikt ab und verweist auf eine Bezahlung am oberen Ende dessen, was in der Logistikbranche üblich sei. Während Verdi die hohe Beteiligung an den Streiks durch gewerkschaftlich organisierte Lagerarbeiter betont, ist Amazon stets bemüht, die Wirkung herunterzuspielen. Doch durch die Arbeitsniederlegungen bei der DHL kommen Pakete bereits später an.
Amazon und die Streikwelle in Deutschland
Im aktuellen Streikaufruf wird das gemeinsame Anliegen mit den Streiks im Handel, bei der Deutschen Bahn, in Kindertagesstätten und bei der Post betont. "Es ist an der Zeit, dass Amazon nicht nur expandiert, sondern auch in seine Mitarbeiter investiert. Wir wollen uns für unsere tägliche Leistung etwas leisten können. Wir fordern eine kräftige Lohnerhöhung in diesem Jahr und Urlaubsgeld." Die Beschäftigten wollten Respekt und Anerkennung durch einen Tarifvertrag.
Amazon hatte angekündigt , seine in Deutschland erwirtschafteten Gewinne nun auch in Deutschland zu versteuern. "Seit 1. Mai verbucht Amazon seine deutschen Verkäufe nicht mehr wie bisher in Luxemburg, sondern in Deutschland" , sagte ein Amazon-Sprecher. Doch bei der Frage, wie Gewinne ausgewiesen und den Standorten in unterschiedlichen Staaten zugerechnet werden, gibt es weiterhin viel Raum für kreative Steuergestaltung.