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Back-up der Realität: Trumps Datenlöschung - und was Aktivisten dagegen tun

Unter Trump verschwinden Klimaarchive und Gesundheitsinfos. Doch ein Team um einen Kölner Historiker rettet die Informationen ins Netz.
/ Oliver Jessner
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Das Data Rescue Project versucht zu retten, was noch zu retten ist. (Bild: Pixabay)
Das Data Rescue Project versucht zu retten, was noch zu retten ist. Bild: Pixabay
Inhalt
  1. Back-up der Realität: Trumps Datenlöschung - und was Aktivisten dagegen tun
  2. Historiker erinnert das an autoritäre Staaten
  3. Digitale Notfallarchäologie
  4. Daten von fundamentalem Wert für eine Demokratie

Sebastian Majstorovic sitzt in Köln an seinem Rechner und speichert akribisch Datensätze US-amerikanischer Regierungsbehörden. Täte er es nicht, würden sie im digitalen Nirwana verschwinden. Der Historiker sichert Forschungsdaten, Umweltberichte und Gesundheitsstatistiken, die unter der Trump-Regierung plötzlich von öffentlichen Webseiten gelöscht werden.

Zusammen mit anderen Freiwilligen des Data Rescue Project erstellt Majstorovic ein digitales Back-up der Realität und bewahrt damit Fakten vor dem Verschwinden(öffnet im neuen Fenster) . Während die US-Regierung unter Donald Trump brisante Informationen von Klimatrends bis HIV-Prävention entfernt, bauen Aktivisten ein Schattenarchiv auf.

Denn was einmal offline ist, droht für immer verloren zu gehen. Majstorovic und seine Mitstreiter wollen das verhindern – ein Wettlauf gegen die Zeit.

Im Januar trat Donald Trump erneut als US-Präsident an und kaum war er im Amt, ließen seine Behörden zahlreiche Onlineangebote verschwinden. Innerhalb weniger Wochen wurden tausende Websites und Datenbanken abgeschaltet.

Hinter der Löschwelle steht eine offizielle Anordnung der neuen Regierung, sämtliche Inhalte zu DEI (Diversity, Equity und Inclusion) sowie angeblicher "Gender-Ideologie" aus Bundesangeboten zu tilgen(öffnet im neuen Fenster) , unter anderem von der Website der NSA .

Selbst große Portale wie die Website der Entwicklungshilfebehörde USAID gingen plötzlich offline(öffnet im neuen Fenster) . Für Experten kommt dieser beispiellose Datensturz einem Angriff auf die Informationsfreiheit gleich. Diese Zensur richtet sich offenbar gegen unbequeme Fakten, ihr Ausmaß überrascht selbst erfahrene Beobachter.

Wenn Fakten politisch unerwünscht sind

Tatsächlich trifft die Datenlöschung insbesondere Umwelt- und Klimainformationen, die vielen als politisch unerwünscht gelten und in Maga-Kreisen gerne als zu woke bezeichnet werden. So verschwanden im Sommer mehrere offizielle Portale zum Klimawandel, darunter die Website der gesetzlich vorgeschriebenen Nationalen Klimaberichte.

Die Regierung behauptete, man werde diese Berichte bei der Nasa "gesetzeskonform" verfügbar machen, doch konkrete Links oder Hinweise fehlten. Wissenschaftler schlagen Alarm: Diese Berichte sind entscheidend, um Regionen auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten.


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