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Der Kölner Archivexperte hat mit Dutzenden Freiwilligen binnen kurzer Zeit Hunderte von Regierungsdatenbanken auf externe Server gespiegelt. Darunter sind die öffentliche Beschwerdedatenbank der Finanzaufsicht CFPB und große Gesundheitsstudien der CDC. Ausgestattet mit Webcrawler-Tools wie Archiveteam Warrior durchsuchen Helfer rund um die Uhr Webseiten nach löschgefährdeten Dateien.

Dieses Netzwerk aus "Nerds, die sich kümmern" (Majstorovic) arbeitet mit großem Einsatz daran, das digitale Gedächtnis der Nation zu bewahren. Koordiniert werden die Einsätze über öffentliche Tabellen und Foren – an Spitzentagen waren hunderte Freiwillige gleichzeitig im Einsatz. "So etwas haben wir noch nie erlebt" , sagt auch die Datenbibliothekarin Lynda Kellam.

Während oben gelöscht wird, wird unten gesichert. Weltweit kämpfen ähnliche Initiativen gegen das digitale Vergessen(öffnet im neuen Fenster) .

Das Gedächtnis der Demokratie

Diese Abwehrschlacht um Daten ist kein US-Einzelfall. Weltweit formieren sich Archive gegen staatliche Zensur und Zerstörung digitaler Kultur. In der Ukraine etwa retten Freiwillige seit dem Kriegsbeginn 2022 digitale Kulturgüter vor Bomben und Plünderung: Das Projekt Saving Ukrainian Cultural Heritage Online (Sucho) hat schon über 5.000 Webseiten von Archiven und Museen gesichert und 50 Terabyte an Daten gesammelt(öffnet im neuen Fenster) .

In Russland wiederum bewahren Journalistinnen und Journalisten im Exil unabhängige Nachrichten auf, bevor Putins Zensur sie tilgt: Das Russian Independent Media Archive (Rima) speichert bereits sechs Millionen Dokumente von rund 100 verbotenen Medien, um die Geschichte der letzten 20 Jahre zugänglich zu halten(öffnet im neuen Fenster) .

Digitale Gedächtnissicherung ist Teil des Kampfes um Meinungsfreiheit

Auch in Brasilien ließ man vorsorglich Server mitlaufen: Als Jair Bolsonaro 2019 an die Macht kam, archivierte das Internet Archive in einer Blitzaktion massenhaft brasilianische Websites, um einer möglichen Löschung politisch unerwünschter Inhalte zuvorzukommen(öffnet im neuen Fenster) .

Solche Beispiele zeigen, dass die digitale Gedächtnissicherung längst Teil des globalen Kampfs für Meinungsfreiheit geworden ist. Allerdings stoßen die Aktivistinnen an technische Grenzen.


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