Axel-Springer-Chef: Bild-Zeitung will Qualitätsjournalismus gegen Google setzen
Der Chef des Axel-Springer-Verlages Mathias Döpfner verlangt von der EU-Kommission, die Medienbranche besser vor der Konkurrenz durch Internetkonzerne wie Google zu schützen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia unternehme nichts, obwohl Google seine Monopolstellung als Suchmaschine ausnutze und in den Ergebnislisten seine eigenen Dienstleistungen gegenüber Angeboten von Konkurrenten bevorzuge, sagte Döpfner bei der Mediendozentur von Universität Tübingen und SWR. "Ein solches Vorgehen nennt man Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung."
Trotzdem meinte Döpfner, dass es Internetkonzernen wie Google, Amazon oder Facebook nicht gelingen werde, die Kontrolle über journalistische Inhalte in der digitalen Welt zu erhalten. Leser suchten zunehmend nach Orientierung. Deshalb stoße unabhängig und kritisch recherchierter Journalismus gerade bei jungen Leuten wieder auf Interesse, meinte der Chef des Verlages, der das Boulevardblatt Bild herausbringt. "Die junge Generation ist kritischer, anspruchsvoller und medienkompetenter geworden", sagte er. Dieses Bedürfnis könnten Internetkonzerne aber nicht bedienen. Die Zukunft in der digitalen Welt gehöre Journalisten und Verlegern, die genau wie bei gedruckten Zeitungen an Qualität festhielten. "Wir dürfen nicht alles anders machen als bisher – sonst gehen wir wirklich unter."
Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt hatte den Presseverlagen in Deutschland Anfang April eine Zusammenarbeit bei der Onlinewerbung und anderen Themen angeboten, von der beide Seiten profitieren könnten. Daran orientiere sich Almunia und wolle Google lediglich vorschreiben, seinen Konkurrenten als Ausgleich für die Benachteiligung Werbefenster zu verkaufen. "Das ist die EU-behördlich sanktionierte Einführung eines Geschäftsmodells, das man in weniger ehrenwerten Kreisen Schutzgeld nennt", kritisierte Döpfner.
Der Medienkonzern Axel Springer (Bild, Die Welt) und andere europäische Verlage kritisieren Google seit langem. Sie werfen dem kalifornischen Internetkonzern vor, seinen Marktanteil von über 90 Prozent bei Suchmaschinen in der EU zu missbrauchen, um seine eigenen Dienste weiter oben in den Suchtrefferlisten anzuzeigen.
Markige Worte von Springer zu Google sind nicht neu: "Google ist eine Art Taliban und wehrt sich gegen jede Art von Fortschritt", hatte Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer beim Axel-Springer-Verlag und wahrscheinlich Verfasser des Gesetzentwurfs zum Leistungsschutzrecht, im Dezember 2012 gesagt.
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