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Singlethread-Rangliste: Passmark wertet AMD-Modelle teils ab

Zudem vermittelt der Benchmark unrealistische CPU -Werte.
/ Marc Sauter
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Die CPU-Benchmarks des Passmark sind verzerrt. (Bild: Passmark)
Die CPU-Benchmarks des Passmark sind verzerrt. Bild: Passmark

Passmark Software, der Hersteller des gleichnamigen Benchmarks, hat die Gewichtung bei den CPU-Messungen stark geändert: Mit der Version 10(öffnet im neuen Fenster) des CPU-Tests von Passmark fließen auch AVX-512-Befehle mit in die Wertung ein, was AMD-Prozessoren deutlich schlechter abschneiden lässt. Hinzu kommt, dass im Singlethread-Abschnitt kurioserweise nicht der Ryzen 9 3950 (Test) mit 4,7 GHz das schnellste Modell von AMD ist, sondern der noch gar nicht veröffentlichte Ryzen 3 4300U ( Renoir ) mit nur 3,7 GHz.

Auf die neuen Werte aufmerksam gemacht hat der CPU-Experte Hans de Vries(öffnet im neuen Fenster) , er spricht von "Bestechungsgeld" und zeigt auf, wie sich die Singlethread-Resultate verändert haben. Diese stellen allerdings nur einen kleinen Teil der umfangreichen Messungen dar, denn der Passmark prüft die Ganzzahl-, die Fließkomma-, die Primzahlen-, die SSE-, die Kompressions-, die Verschlüsselungs-, die Physik- und die Sortierungsleistung der Prozessoren.

Bei den Werten der Highend-CPUs hat sich auf den ersten Blick dagegen kaum etwas geändert: Dort liegen Modelle wie der Threadripper 3990X (Test) weit vorne, erst danach folgen diverse CPUs von Intel. Bei genauerem Hinsehen wird aber offensichtlich, dass etwa der Xeon W-3175X (Test) die gleiche Punktzahl hat wie zuvor, der Threadripper 3990X mit rund 72.000 statt 55.000 Punkten jedoch einen deutlich größeren Abstand aufweist, was offenbar den Änderungen mit v10 zugunsten von CPUs mit schnelleren Caches und mehr Bandbreite geschuldet ist.

AMD Ryzen 9 3900X und Ryzen 7 3700X - Test
AMD Ryzen 9 3900X und Ryzen 7 3700X - Test (02:40)

Ohne den Schlüssel für die einzelnen Untertests des Passmark zu kennen, fehlt die Möglichkeit, die Ergebnisse einzuordnen oder zu überprüfen. Zumindest die neuen Singlethread-Resultate sind jedoch absolut nicht nachvollziehbar, was entsprechend Kritik in den sozialen Medien und in News(öffnet im neuen Fenster) - Beiträgen(öffnet im neuen Fenster) nach sich zieht. Die Entwickler von Passmark Software weisen darauf hin, dass etwa zum Ryzen 3 4300U nur ein Wert vorliegt und dieser noch mit Version 9 des Passmark erstellt wurde, denn die Graphen mischen(öffnet im neuen Fenster) v9 und v10, was die Werte ohne Skalierung nicht direkt vergleichbar macht.

Ähnlich negative Aufmerksamkeit erhielt vor einigen Monaten auch der Userbenchmark(öffnet im neuen Fenster) , hier änderte sich mit einem Update ebenfalls die Bewertung stark zugunsten von Intel: Mehr als vier Kerne machen sich laut FAQ(öffnet im neuen Fenster) im CPU Speed Index kaum noch positiv bemerkbar, sondern primär hoher Takt. Die Kritik an dieser Änderung wurde als Schmierkampagne einer "Lockvogel-Armee von AMD-Fans" abgetan.

Generell sind Benchmarks oder Indizes aus multiplen Messungen teilweise irreführend, da oft nicht sofort ersichtlich ist, welche Werte einfließen und wie sie gewichtet sind. CPUs unterscheiden sich durch ihre Kerne, ihre Frequenz, ihre Leistung pro Takt und ihre Speichergeschwindigkeit - das macht es schwer, sie in einem einzigen Index miteinander zu vergleichen, auch wenn ein solcher auf den ersten Blick plausibel wirken mag.


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