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AVM Smart Gateway im Test: Zigbee für Fritzboxen

Dank AVM-Smart-Gateway können zwölf Fritzboxen nun 40 Zigbee -Geräte wie Philips-LED-Lampen steuern. Wir haben ausgepackt, aufgeschraubt, ausprobiert.
/ Harald Karcher
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Reingeguckt und ausprobiert: AVM Fritz Smart Gateway mit Zigbee im Test (Bild: Harald Karcher)
Reingeguckt und ausprobiert: AVM Fritz Smart Gateway mit Zigbee im Test Bild: Harald Karcher

Das neue Fritz Smart Gateway kann Smart-Home-Geräte über zwei Funksorten in die Fritz-Welt integrieren. Per DECT-ULE (Ultra Low Energy) und neuerdings auch per Zigbee 3.0. Mit Bestands-Fritzboxen ab OS 7.50 verkoppelt sich das neue Gateway, das seit April 2023 für 89 Euro zu haben ist, mittels LAN oder WLAN fast automatisch. Installation und Bedienung sind einfach. Wir haben das neue Gerät getestet und festgestellt: Es hat einige Pluspunkte, aber noch Nachholbedarf bei der Zahl der kompatiblen Lampen und Steckdosen.

Kleines Fritzdect-Sortiment

DECT-ULE funkt in Zentraleuropa bei 1,9 GHz. Für diese Funknorm hat AVM schon seit Jahren ein kleines, aber feines Sortiment an Smart-Home-Endgeräten. Diese smarten DECT-Geräte können schon lange direkt mit vielen Fritzboxen via DECT-ULE kommunizieren.

Diese Geräte sind:

  • sechs DECT-Schnurlostelefone oder DECT-Türsprechanlagen
  • sechs Fritzdect-Repeater 100
  • zwölf Heizkörperregler wie etwa Fritzdect 301 oder 302
  • zehn schaltbare Steckdosen wie etwa Fritzdect 200 oder 210
  • zehn LED-Lampen Fritzdect 500
  • zehn Fritzdect-Funktaster Fritzdect 400 oder 440
  • zehn DECT-Smart-Home-Geräte anderer Hersteller, etwa Rollladenantriebe

Das sind in Summe 64 DECT-Geräte, die gleichzeitig direkt an der Fritzbox angemeldet werden können, ohne zusätzliche Gateways oder Bridges dazwischenschalten zu müssen. Zieht man die sechs DECT-Telefone ab, bleiben 58 reine DECT-ULE-Smart-Home-Geräte.

Neuerdings können die smarten DECT-ULE-Geräte auch indirekt über das Fritz Smart Gateway mit der zentralen Fritzbox verbunden werden. Allerdings werden vom externen Gateway keine DECT-Telefone unterstützt, sondern nur die Smart-Home-Geräte. Das Sortiment an smarten DECT-Geräten ist seitens AVM also fein, aber klein, sprich: sehr begrenzt. Darüber hinaus gibt es nur wenige Fritz-kompatible DECT-Smart-Home-Geräte von Drittherstellern. Wer sein smartes Heim nur mit DECT vernetzen will, stößt schnell an Grenzen.

Viel größer als bei DECT ist die Auswahl bei Zigbee.

Über 4.000 Zigbee-Geräte

Bei Zigbee gibt es Hunderte Firmen, die in Summe schon über 4.000 zertifizierte Zigbee-Geräte für IoT und Smart Home anbieten.

Auf der Webseite der Connectivity Standards Alliance, vormals Zigbee Alliance, kann man die Geräte nach diversen Kategorien durchsuchen. Viele davon funken bei 2,4 GHz maximal 250 Kilobit pro Sekunde. Die meisten Zigbee-Endgeräte sind Low-Speed- und Low-Energy-Geräte, die oft mit einer einzigen Batterie bis zu zwei Jahre arbeiten können.

Nicht alle, aber einige dieser 4.000 zertifizieren Zigbee-Geräte lassen sich schon mit dem neuen Fritz Smart Gateway verbinden. Laut AVM-Wissensdokument #3729 vom 5. Mai 2023 sieht die maximale Verbindungslast mit Zigbee und DECT-ULE am Gateway nun so aus:

  • 40 Smart-Home-Geräte anderer Hersteller, die den Standard Zigbee unterstützen und mit dem Fritz Smart Gateway kompatibel sind, zum Beispiel Philips Hue LED-Lampen
  • zehn LED-Lampen Fritzdect 500
  • zehn Fritzdect-Taster, zum Beispiel Fritzdect 440
  • zwölf Heizkörperregler, zum Beispiel Fritzdect 301
  • zehn schaltbare Steckdosen, zum Beispiel Fritzdect 200
  • zehn Smart-Home-Geräte anderer Hersteller, die den Standard DECT-ULE/HAN-FUN unterstützen, zum Beispiel Rollladenantriebe

Das sind 40 Zigbee- plus 52 DECT-ULE-, in Summe also 92 Smart-Home-Geräte, die sich gleichzeitig via Gateway indirekt an eine geeignete Fritzbox ab Fritz OS 7.50 koppeln lassen. Dazu kommen noch diejenigen DECT-Geräte, die direkt an der Fritzbox selbst hängen dürfen.

Gateway via LAN und WLAN hinter Fritzbox

Das neue Fritz Smart Gateway wird entweder per WLAN-Funk bei 2,4 GHz oder über ein Gigabit-LAN-Kabel mit einer geeigneten Fritzbox ab Fritz OS 7.50 verbunden. Diese Kopplung lief in unseren Tests einfach, schnell und quasi automatisch.

Das Gateway ist aber kein WLAN-Repeater, obwohl das Gehäuse große Ähnlichkeit mit dem Fritz-Repeater 2400 hat. Das WLAN des neuen Smart-Home-Gateway dient nämlich ausschließlich der Verkopplung mit der Fritzbox. Normale WLAN-Endgeräte wie Laptops oder Smartphones können sich am neuen Fritz Gateway nicht anmelden.

Auch der LAN-Kabel-Port des Gateways dient nur der Kopplung mit einer Fritzbox. Normale LAN-Geräte wie Rechner, Drucker oder Fernseher können hier nicht angeschlossen werden.

Auch am USB-Anschluss des Fritz Smart Gateways können USB-Geräte nur aufgeladen werden. Die Nutzung von USB-Speichern, -Druckern oder anderen USB-Geräten wird nicht unterstützt.

Auch DECT-Telefone lassen sich am Fritz Smart Gateway nicht anmelden. Es ist wirklich nur für DECT-ULE-Smart-Home-Geräte gedacht - und eben für Zigbee.

Fragt sich nur noch: Für welche Zigbee-Geräte ist es genau gedacht? Es gibt ja über 4.000!

Test mit Zigbee-Lampen von Philips

Dazu hat AVM eine Zigbee-Kompatibilitätsliste im Internet.

Dort findet man Zigbee-Funk-LED-Lampen von Philips, Ikea, Innr, Ledvance, Müller-Licht, Osram und Paulmann. Außerdem sind Zigbee-Funksteckdosen von Philips, Ikea, Ledvance, Osram, Paulmann, Silvercrest und Trust aufgelistet.

Bleibt zu hoffen, dass bald noch viel mehr smarte Zigbee-Funkgeräte - und vor allem auch viel mehr Gerätegattungen - in dieser Liste stehen werden.

Zigbee in künftigen Fritzboxen 5690 Pro & XGS

Die Chancen dafür stehen gut, denn AVM will den Zigbee-Funk in künftigen Fritzboxen gleich ab Werk fest einbauen. Für sie muss dann kein gesondertes AVM Fritz Smart Gateway mehr nachgekauft werden. Die ersten Fritzboxen mit Zigbee ab Werk sollen noch 2023 kommen, und zwar die beiden Wi-Fi-7-Modelle 5690 Pro und 5690 XGS.

Philips Hue Zigbee-Lampen am Gateway

Die sehr bekannten Philips-Hue-Lampen werden von AVM gerne als Beispiel für Fritz-Gateway-kompatible Zigbee-Endgeräte genannt. Meist werden solche Philips-Lampen über eine Philips-Hue-Bridge gesteuert und in das Heimnetz eingebunden.

Allerdings kostete eine Philips-Bridge Anfang Mai 2023 nur etwa 35 Euro. Dem gegenüber stehen 80 Euro für ein Fritz Smart Gateway. Das AVM-Gateway wirkt auf den ersten Blick also nicht günstig. Im Gegensatz zur Philips-Bridge kann das AVM-Gateway aber neben Zigbee auch DECT-ULE funken. Und es fügt sich fast perfekt in das Look-and-Feel der Fritz-Welt ein, das Millionen User schon von ihrer Fritzbox kennen.

Die Kopplung von Philips-HUE-LEDs am Gateway

Die Anmeldung von zwei fabrikneuen Philips HUE 1100 Zigbee-Lampen am Fritz Smart Gateway lief überraschend einfach: Die frisch in eine Fassung eingedrehten Lampen fingen an zu blinken. Dann konnten wir sie im Webmenü des AVM-Smart-Gateway einbuchen und wenige Sekunden später auch gleich steuern: ein, aus, heller, dunkler.

Wir mussten nicht einmal die Seriennummern der Philips-Lampen in das Gateway eintippen. Das ist offenbar nur nötig, wenn die Lampen zuvor schon mal an einer Philips-Hue-Bridge oder einer anderen Zigbee-Basisstation angemeldet waren. Für solche Fälle gibt es einen Assistenten zur Übernahme von an anderen Basisstationen angemeldeten LED-Lampen.

Zigbee-Geräte steuern und schalten

Zur Steuerung der angemeldeten Zigbee-Smart-Home-Geräte gibt es mehrere Methoden: Über die Weboberfläche der Fritzbox oder des Gateway, über die Tastatur der Fritzfon-Telefone oder über die Fritzapp Smart Home, die man kostenlos im Google Play Store und im Apple App Store bekommt.

Das heißt, die neuen Zigbee-Smart-Home-Geräte von Drittherstellern werden im Prinzip genauso gesteuert, wie man es von den AVM-eigenen DECT-Funk-Lampen kennt: Sie kann man ja schon länger ebenfalls über die Weboberfläche einer Fritzbox, per Fritzfon-Telefon oder per Smartphone-App steuern.

Zigbee-Support ab Fritz OS 7.50

Auf der Oberseite der Gateway-Verpackung sehen wir das altbekannte, sehr markante Fritz-Logo. An der Unterseite finden wir die eindeutige Artikelnummer dieser Gateways, nämlich 2000 3012. Darunter eine fortlaufende Seriennummer, die auf jedem verkauften Exemplar unterschiedlich sein müsste.

In unserem Fall beginnt sie mit einem R. Dieser Buchstabe lässt schon seit Jahren Rückschlüsse auf das ungefähre Alter und Baujahr von Fritz-Geräten zu. Wer also gebrauchte Fritz-Geräte kauft, sollte auf diesen ersten Buchstaben achten.

Wichtig sind auch die Systemvoraussetzungen zum Betrieb des DECT-und-Zigbee-Gateways, nämlich: eine 230-Volt-Steckdose mit Schutzkontakt alias Schuko-Steckdose und vor allem eine Fritzbox mit WLAN, DECT und Mesh ab Fritz OS 7.50. Viel versteckter hätte man den Hinweis auf OS 7.50 kaum platzieren können.

Kleines Unboxing mit der Fritzbox 6660 Cable mit OS 7.50

Fritz OS 7.50 läuft ab Mai 2023 nicht auf allen, aber schon auf etlichen Fritzboxen, darunter

  • zwei Glasfaser-Modelle 5590 und 5530 Fiber
  • sieben DSL-Modelle, von der großen 7590 AX bis zur kleinen Fritzbox 7510
  • drei Kabel-Internet-Fritzboxen 6690, 6660 und 6591 Cable.

Das waren Anfang Mai 2023 also zwölf Fritzbox-Modelle, die das Zigbee-Gateway von AVM bedienen können müssten. Wir haben es aber nur an der Fritzbox 6660 Cable mit OS 7.50 getestet.

Handbuch, Garantie, Schuko-Adapter

Zum Schluss hier noch ein kleines Unboxing: Ganz oben in der Kiste liegt eine gedruckte Kurzanleitung mit 16 Seiten, die es auch kostenlos im Internet als PDF gibt. Da steht alles kurz und knackig drin, was man für Installation und Betrieb wissen muss.

Danach finden wir die gedruckte Herstellergarantie: zwei Jahre! Das überrascht, weil man von AVM sonst eigentlich sehr großzügige fünf Jahre Garantie auf die Hardware gewohnt ist.

Nun kommt das eigentliche Zigbee-Gateway mit der blauen Schutzfolie zum Vorschein: Die ziehen wir ab und sehen nun vor allem drei LEDs für Zigbee, DECT und WLAN sowie den großen, roten Connect-Knopf.

Ganz unten in der Schachtel liegt ein Schuko-Adapter. Den stülpen wir von hinten über den Gateway-Stecker, damit der ganze Zigbee-Adapter fest und wackelfrei in einer 230-Volt-Schuko-Dose steckt. Auf dem weißen Aufkleber finden wir das Fritz-Smart-Kennwort, in unserem Falle lautet es: maja 4665. Das brauchen wir, wenn wir die Bedienoberfläche des Zigbee-Gateway betreten wollen.

An drei schmalen Seiten erkennen wir die Lüftungsöffnungen des AVM Fritz Smart Gateway. An der Unterseite befindet sich eine LAN-Ethernet-Buchse, die ausschließlich für die Verbindung zu einer geeigneten Fritzbox gedacht ist.

USB-Ladebuchse

Rechts neben der LAN-Buchse sitzt eine USB-Buchse, die ausschließlich zum Laden von USB-Geräten dient. Diese Buchse ist also nicht für USB-Drucker oder USB-Festplatten gedacht. Man kann das Zigbee-Gateway nicht als FRITZ-NAS-Platten-Controller verwenden.

Teardown: Das Innenleben des Zigbee-Gateway

Schon vor dem Test haben wir das Zigbee-Gateway zerlegt und wieder zusammengeschraubt. Bitte nicht nachahmen, Strom kann lebensgefährlich sein. Außerdem könnte die Garantie erlöschen.

Wir lösen also insgesamt fünf Schrauben mit einem Torx-T6-Schraubendreher.

Matter kommt, Alexa nicht

In einem Twitter-Posting zeigt AVM plakativ den Vorteil des neuen Gateways am Beispiel von LED-Lampen:

  • Wer nur eine bisherige Fritzbox hat, kann (fast) nur die hauseigene LED-Lampe von AVM per DECT-Funk damit steuern. Diese Lampe ist zwar nicht schlecht, aber man hat eben keine Auswahl zwischen zahlreichen Lampenmodellen oder Bauformen und Fassungen bis hin zu LED-Leuchtstreifen.
  • Wer zusätzlich den neuen Smart-Home-Adapter von AVM per LAN oder per WLAN hinter seine Fritzbox koppelt, kann zudem Dutzende von Zigbee-Lampen anderer Hersteller wie etwa Hue von Philips mit der Fritzbox oder mit der Fritz-App steuern. Sogar mit den jüngeren Fritz-DECT-Telefonen lassen sich die Zigbee-Geräte fernsteuern.

Dadurch bekommt man eine viel größere Auswahl bei den Lampenmodellen, -Bauformen und -Fassungen. Auch bei den Preisen ist man nicht auf AVM allein beschränkt.

Auf eine Frage nach dem Matter-Support von René Hesse von Mobiflip antwortete AVM per Twitter: "Wir planen die Matter-Unterstützung bereits, können aber keinen Termin nennen."

Die Frage eines anderen Twitter-Nutzers nach einer nativen Alexa-Unterstützung beantwortete AVM ganz klar mit Nein.

Fazit: Pro und Contra des Fritz Smart Gateway

Es ist schwierig, sich schon eine endgültige Meinung zum neuen AVM Fritz Smart Gateway zu bilden. Aber grundsätzlich ist die Öffnung der AVM-Smart-Home-Welt in Richtung Zigbee und Matter sicherlich gut und richtig.

Zu den Vorteilen des neuen Gateways gehören:

  • einfache Installation
  • viele Steuermethoden über die Fritz-Weboberflächen, über die Smartphone-Apps, über die Fritz-DECT-Funktaster und über die Tasten der Fritz-DECT-Telefone
  • USB-Ladebuchse bis zu 500 mA
  • Bedienung über das vielen Usern wohl vertraute Fritz-Look-and-Feel

Zu den Nachteilen zählen derzeit:

  • vorerst nur eine begrenzte Anzahl an kompatiblen Lampen und Steckdosen
  • vorerst noch kein Matter-Support
  • offenbar kein Alexa-Support, was man aber auch als Vorteil sehen kann
  • ein relativ hoher UVP von fast 90 Euro

Allerdings hat das AVM Fritz Smart Gateway sicher viel Potenzial für weitere Updates und für eine stetig wachsende Kompatibilitätsliste. Man müsste es also in einem Jahr noch einmal neu bewerten.


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