Avatar-Realfilmserie: Die wunderschöne Welt des Luftbändigers
Wem der Titel bekannt vorkommt, irrt nicht: Von 2005 bis 2008 lief eine gleichnamige Zeichentrickserie(öffnet im neuen Fenster), die ein großer Erfolg mit nachfolgendem Spin-off war. Ein Flop war hingegen M. Night Shyamalans Die Legende von Aang(öffnet im neuen Fenster) von 2010 – auch, weil er sich weit von der Vorlage entfernte, nicht nur inhaltlich, sondern auch bei der Besetzung.
Shyamalans Film betreibt bei vielen Rollen Whitewashing, wie es seinerzeit in Hollywood noch üblich war. Die neue Netflix-Serie ist da deutlich besser: Das Ensemble ist diverser und so zusammengesetzt, dass die Schauspieler den Figuren, die sie spielen, mehr entsprechen.
Die Änderungen wären wohl auch unter den Original-Showrunnern gekommen. Ein Streit mit Netflix sorgte aber dafür, dass Michael Dante DiMartino und Bryan Konietzko, die die Zeichentrickserie erschaffen hatten und auch als Showrunner für die nun startende Realserie angeheuert worden waren, ihren Hut nahmen(öffnet im neuen Fenster).
Offenbar hatte das Duo das Gefühl, dass Netflix dem Versprechen, hinter ihrer Vision beim Neuerzählen der Geschichte zu stehen, nicht nachkam.
Nun zeichnet Albert Kim (Sleepy Hollow) für die Entwicklung der Serie verantwortlich. Auf dem Weg vom Zeichentrick zur Realserie waren einige Anpassungen vonnöten. Schon weil mit der neuen Serie ein größeres Publikum angesprochen werden soll.
So gut und dramatisch die Zeichentrickserie war: Allein der Umstand, dass sie Zeichentrick war, sorgte dafür, dass ein erwachsenes Publikum gar nicht einschaltete. Das soll nun mit der Serie abgeholt werden.
Großer Aufwand
Netflix hat sich die Umsetzung der Serie etwas kosten lassen. Jede der acht Folgen der ersten Staffel hat ein Budget von 15 Millionen US-Dollar(öffnet im neuen Fenster). Das sieht man der Serie an.
Die Welt des letzten Luftbändigers sieht atemberaubend aus – sei es die Stadt Omashu (die ein wenig an Minas Tirith) erinnert, das Dorf am Südpol oder die Hauptstadt der Feuernation. Die Bilder können es mit jedem großen Kinofilm aufnehmen.
Aang ist ein zwölfjähriger Junge, ein Luftbändiger, der die Winde (und eigentlich alle vier Elemente) seinem Willen unterwerfen kann. Er ist ein Avatar und einzigartig – allerdings ist er im ewigen Eis eingeschlossen und überdauert dort 100 Jahre.
Eine Welt, in die man sehr gern eintaucht
In dieser Zeit werden die Luftbändiger von der Feuernation vernichtet, die Krieg über das ganze Land gebracht hat. Ein Jahrhundert später taucht Aang wieder auf. Er hat noch längst nicht alle Kräfte, zu denen er fähig ist, muss sie aber erlernen. Denn an ihm liegt es, der Welt Frieden zu bringen.
In Sokka und Katara findet er Freunde, die ihm helfen, während Prinz Zuko seit Jahren nach ihm sucht. Sein Vater hat ihm aufgetragen, den Avatar zu finden – erst dann darf er nach Hause zurückkehren.
Toll gecastet
Mit dem jungen Ensemble hatte Netflix ein gutes Händchen, denn Gordon Cormier (Joe in der Stephen-King-Adaption The Stand) als Aang ist außergewöhnlich gut. Aber auch Kiawentiio als Katara, die das Wasserbändigen lernen muss, überzeugt in jeder Minute.
Ihr älterer Bruder Sokka (gespielt von Ian Ousley) ist ein junger Mann, der ein Krieger sein will, aber eigentlich ein Ingenieur sein sollte. Besonders erwähnenswert: Dallas Liu als Zuko, denn der Prinz ist eine sehr vielschichtige Figur. Nominell ist er hier der Antagonist, aber die Serie verzichtet auf eine schlichte Schwarzweiß-Zeichnung.
Sein Onkel und väterlicher Freund Iroh wird von Paul Sun-Hyung Lee gespielt, den man als Captain Teva aus seinen Auftritten in The Mandalorian, Das Buch von Boba Fett und Ahsoka kennt.
Die Rolle des bösen Feuerlords Osai ging an Daniel Dae Kim (Lost). In Gastrollen sind Tamlyn Tomita (Karate Kid II/Cobra Kai) und A Martinez (Breaking Bad) dabei.
Die verschiedenen Reiche
Die Welt von Avatar – Der Herr der Elemente ist sehr schön gestaltet – die Feuernation nach dem Vorbild Chinas, die Stadt in der zweiten Folge nach dem des alten Japan; Omusha in der vierten Folge ist von Arabien inspiriert. Kataras Volk wiederum ist den Inuit nachempfunden, mit einem Kleidungsstil, der an die Mongolei erinnert.
Es ist eine enorm vielfältige und reichhaltige Welt. Der Serie gelingt es, das Publikum abzuholen und sie nach und nach zu öffnen. Peu à peu entfaltet sich so eine Fantasy-Welt, in die man nur zu gern eintaucht.
Als Erstes begeistern die Figuren, dann das immense Worldbuilding, das hier stattfindet. Die Serie ist im besten Sinne Familienunterhaltung – ein fantasievolles, dynamisch erzähltes, mitreißendes Fantasy-Abenteuer, das jeder Altersgruppe etwas zu bieten hat.
Puristen mögen sich an den Änderungen zur Zeichentrickserie stören, für ein Publikum, das mit der Welt von Avatar – Der Herr der Elemente nicht vertraut ist, ist das jedoch irrelevant. Die Serie präsentiert sich als große Fantasy-Saga, von der man gern noch mehr sehen möchte.
Sollte Netflix die Serie verlängern, wird das sicher mit einiger Wartezeit verbunden sein. Die erste Staffel wurde von Mitte November 2021 bis Mitte Juni 2022 gedreht – die Nachproduktion dauerte dann mehr als ein Jahr. Vor Ende 2025 ist daher wohl nicht mit einer zweiten Staffel zu rechnen.
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