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Avatar Frontiers of Pandora im Test: Far Cry für Hippies

Action im Einklang mit der Natur: Das Open-World-Actionspiel Avatar – Frontiers of Pandora schickt uns als Na'vi in den Kampf gegen die RDA.
/ Peter Steinlechner
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Eine NPC-Na'vi in Avatar - Frontiers of Pandora (Bild: Bild: Ubisoft/Screenshot: Golem.de)
Eine NPC-Na'vi in Avatar - Frontiers of Pandora Bild: Bild: Ubisoft/Screenshot: Golem.de

Das erste Mal auf einer Blumenwiese oder in einem Wald: Wie mag sich das anfühlen, wenn man seine Kindheit in unterirdischen Betonbunkern und dann noch 15 Jahre im Kälteschlaf verbracht hat? Die Hauptfigur im Actionspiel Avatar – Frontiers of Pandora landet nach dem Intro mitten im schönsten Grün, nämlich im Dschungel auf ihrem Heimatplaneten.

Leider hat sie wenig Zeit, die Haare in den Nacken zu werfen, tief durchzuatmen und sich auf all die Sinneseindrücke einzulassen.

Grund: Der oder die von uns in der Ich-Perspektive gesteuerte Na'vi muss ums Überleben kämpfen. Und sich gleichzeitig mit den blauhäutigen Ureinwohnern sowie deren Traditionen auseinandersetzten. Avatar spielt im Jahr 2169, also unmittelbar vor den Ereignissen im zweiten Kinofilm The Way of the Water.

In der Kampagne gibt es nur nebenbei ein paar Verweise auf die Filme. Die Spielhandlung ist in einem bislang nicht gezeigten Gebiet von Pandora angesiedelt. Vorkenntnisse sind unnötig, Hauptgegner ist ein skrupelloser Geschäftsmann namens John Mercer. Die Story wird unter anderem in aufwendig gemachten Zwischensequenzen erzählt sowie über Missionen und Dialoge.

Der grundsätzliche Aufbau und viele Details von Avatar erinnern an Far Cry. Wir sind in einer offenen Welt unterwegs und können uns frei bewegen, aber anstelle von Kasernen zur Eroberung von Gebieten müssen wir hier Fabrik- und Minenanlagen der Menschenarmee RDA lahmlegen. So befreien wir die Umgebungen von Umweltgiften und gewinnen unser intaktes Na'vi-Land zurück.

Ähnlich wie in Far Cry können wir Tiere jagen und häuten, um bessere Ausrüstung herzustellen. Wir haben es mit mehreren Clans zu tun, die allerdings nicht verfeindet sind. Stattdessen sind menschliche RND-Soldaten unsere Gegner sowie einige der wilden Tiere.

Avatar ist ein komplexes Spiel. Neben dem Crafting müssen wir uns um Levelaufstiege, Waffen und sonstige Ausrüstung kümmern sowie Fähigkeiten inklusive besonderer Skills unserer Vorfahren freischalten. Wir sollten regelmäßig essen, was die Suche nach Nahrung bedeutet. Wenn wir Pflanzen oder Fleisch mit Rezepten zubereiten, bekommen wir spezielle Buffs.

Diese helfen uns in den Kämpfen gegen die Soldaten der RDA. Die sind teils in dicken Stahlrüstungen, teils einfach zu Fuß unterwegs. Dazu kommen riesige bemannte Drohnen und weiteres Spezialgerät. Gegen diese Feinde kämpfen wir vor allem anfangs mit Pfeil und Bogen, selbst dick gepanzerte Gegner können wir mit nicht allzu vielen Schüssen ausschalten.

Später finden wir weitere Waffen, etwa eine Art Granatschleuder. Außerdem können wir Waffen der Menschen verwenden, recht früh etwa ein Sturmgewehr – da müssen wir aber ein bisschen auf die Munition aufpassen.

Avatar – Frontiers of Pandora angespielt
Avatar – Frontiers of Pandora angespielt (02:16)

Eigentlich sollen wir zumindest ein Stück weit per Schleichen vorgehen können, das klappt aber nur bedingt. Wenn wir etwa einen abseits stehenden Infanteristen per Pfeil ausschalten, ist trotzdem gleich die ganze Basis alarmiert. Teils geht es in den Gefechten chaotisch zu, taktisch sinnvolles Vorgehen klappt nur mit viel Glück.

Kämpfen ist aber nicht unsere einzige Aufgabe. So gehört es auch zu unserem Job als naturnaher Na'vi, dass wir uns im Dickicht auf Pandora zurechtfinden. Teils ist das trotz immer sichtbarer Zielmarkierung kompliziert, weil es viele große Felswände gibt – da können wir nicht immer direkt rauf oder runter.

Bei den Haupt- und Nebenmissionen gibt es viel Abwechslung: Zusätzlich zu Botenaufträgen müssen wir mal einer Duftmarkierung folgen, Verbündete unter Zeitdruck finden und retten oder in einer Art simplem Adventure-Modus herumliegende Gegenstände sinnvoll kombinieren.

Avatar – Frontiers of Pandora: Verfügbarkeit und Fazit

Zum Test lag uns nur die PC-Version vor. Technische Grundlage ist die Snowdrop-Engine (The Division), die offiziellen Systemanforderungen sind hoch.

Dafür gibt es aber eine außergewöhnlich detailreiche und farbenfrohe Welt, in der selbst nebensächliche Texturen und Animationen mit sichtbar viel Aufwand produziert wurden.

Das von dem zu Ubisoft gehörenden Entwicklerstudio Massive Entertainment(öffnet im neuen Fenster) produzierte Spiel unterstützt Upscaler (FSR 3 + DLSS) sowie Frame Generation.

Die Video- und Grafikoptionen lassen sich weitgehend konfigurieren. Die Begrenzung der Bildrate von 60 fps können wir aufheben und den Regler auf bis zu 300 fps schieben.

Avatar bietet vier Grafik-Presets, auf dem höchsten ist sehr leistungsstarke Hardware nötig. Es gibt einen eingebauten Benchmark, just der war in unserer sonst fertigen Version aber noch nicht enthalten. Größere Fehler oder technische Probleme fielen uns nicht auf, das Programm wirkt ausgereift.

Avatar – Frontiers of Pandora erscheint am 7. Dezember 2023 für Windows PC (nur Ubisoft Connect – rund 70 Euro) sowie für Playstation 5 und Xbox Series X/S (rund 80 Euro). Es gibt keinen wettbewerbsorientierten Multiplayer, aber Onlinekoop für zwei Teilnehmer. Wir erlebten das Spiel nur als Soloabenteuer.

Avatar Frontiers of Pandora – Trailer (Snowdrop-Engine)
Avatar Frontiers of Pandora – Trailer (Snowdrop-Engine) (02:49)

Im Hauptmenü gibt es Mikrotransaktionen. Die meisten davon sind nur kosmetisch, einige sorgen aber auch für spielerische Vorteile. Die deutsche Sprachausgabe finden wir gelungen, allerdings bekommen einige Synchronstimmen den Pseudo-Na'vi-Zungenschlag besser hin als andere. Die USK erteilte eine Freigabe ab 16 Jahren.

Fazit

Man muss kein langhaariges Blumenkind sein, um Spaß mit Avatar – Frontiers of Pandora zu haben. Die inhaltlichen Ähnlichkeiten mit Far Cry sind teils frappierend, allerdings wirkt die Atmosphäre sehr anders. Der Fokus auf Natur, Wald und Wiesen ist erfrischend und stimmig in Szene gesetzt, dürfte aber nicht jedem gefallen.

Immerhin, die Welt sieht wunderbar aus. Auf Pandora streifen wir durch die schönsten Dschungelumgebungen, die wir je in einem Computerspiel gesehen haben. Auch sonst ist die Grafik ein großer Pluspunkt, Avatar taugt als Vorzeigeprogramm etwa für neue Hardware.

Allerdings: Die Wälder sind oft so dicht, dass die Übersicht leidet und wir uns allzu leicht verlaufen. Überhaupt sind die Navigation und die teils elendig langen Wegstrecken ein kleines Ärgernis, das sich erst nach und nach mit mehr Schnellreisepunkten und Reittieren gibt.

Die Kämpfe haben uns teils begeistert und teils genervt. Wenn die Umgebung einen taktisch sinnvollen Einsatz unserer Waffen ermöglicht, führt das gut aufeinander abgestimmte Kampfgerät zu Spaß. Anders in offenen Umgebungen: Dann mutet das nicht nachvollziehbare Gegnerverhalten willkürlich an, und die Gefechte werden zur Glückssache.

Bei der Handlung mit ihren schönen Zwischensequenzen sammelt das Programm dafür Punkte, ebenso bei der Steuerung und den Menüs. Nur auf der Karte würden wir gerne sehr viel stärker reinzoomen.

Avatar ist ein spannendes Spiel mit eigenem Charme. Eine klare Empfehlung stellt es für alle dar, denen die Filme von James Cameron gefallen und die schon Erfahrung mit einem Far Cry haben. Wer dann auch noch Räucherstäbchen neben PC oder Konsole stehen hat, macht mit diesem Titel alles richtig.


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