Avatar 3: Das teuerste Selbstplagiat der Filmgeschichte

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Wir setzen in dieser Rezension Grundkenntnis über bisherige Avatar-Filme voraus, verraten aber keine großen Spoiler über den neuen Teil.
13 Jahre mussten Fans auf eine Fortsetzung von Avatar: Aufbruch nach Pandora warten. Weitere drei Jahre später wird die Sci-Fi-Reihe jetzt zur Trilogie. Bei anhaltendem Erfolg soll 2029 Teil 4 kommen, auch einen fünften Film hat Regisseur James Cameron bereits geplant. Über eine mögliche Serie denkt er nach .
Jetzt startet aber erst einmal Avatar: Fire and Ash im Kino und erhärtet unsere Zweifel daran, ob Cameron je genug gute Ideen für mehr als eine Filmfortsetzung im Sinn hatte.
Ursprünglich war Avatar sehr offensichtlich nur als Adaption der Pocahontas-Legende angelegt. Es erinnerte außerdem an ähnliche Geschichten wie Der mit dem Wolf tanzt(öffnet im neuen Fenster) oder The Last Samurai(öffnet im neuen Fenster) – nur eben im Sci-Fi-Setting des Jahres 2154, auf dem fiktiven Mond Pandora, mit blauen Na'vi als einheimischem Naturvolk.

Es war einmal Sci-Fi-Pocahontas
Die Handlung um Soldat Jake Sully (Sam Worthington), der sich in eine indigene Prinzessin verliebt, ihre Kultur kennenlernt, die Seiten wechselt und sich im Krieg gegen die rücksichtslose Kolonialmacht stellt, der er selbst mal angehörte, wurde innerhalb des ersten Films mit viel Action nach bekanntem Muster erzählt. Das war nur futuristisch neu verpackt und um eine gegenwartsnahe Öko-Message angereichert. Immerhin stehen sich hier Naturverbundenheit und Planetenausbeutung, beziehungsweise Pfeil und Bogen aus Holz und Maschinengewehre sowie gezähmte Reittiere und blecherne Mech-Roboter gegenüber.
Am interessantesten war dabei noch das Konzept der titelgebenden Avatare, also der wie seelenlose Hüllen im Labor gezüchteten Na'vi-Körper. Menschen können sie im Schlaf aus speziellen Vorrichtungen heraus fernsteuern. Held Jake gibt sich zum Schluss als Mensch auf, knüpft durch ein Ritual eine so starke Bindung zu seinem Avatar, dass er mit ihm verschmilzt und seither als Na'vi weiterlebt. Mit Abweichungen im Detail, etwa mehr Fingern an den Händen, als sie ein Original-Na'vi hätte.
Avatar 1 ist heute immer noch der finanziell erfolgreichste Film aller Zeiten(öffnet im neuen Fenster) . Sein weltweites Einspielergebnis von fast 3 Milliarden US-Dollar machte Fortsetzungen nach gängiger Hollywoodlogik unausweichlich. Und wie solch eine unausweichliche Fortsetzung war Avatar 2 dann entsprechend gestrickt.
Probleme aus der Vorgängergeschichte sind plötzlich wieder da, müssen erneut gelöst werden. Alles ist größer, alles ist teurer produziert und die Laufzeit ist etwas länger. Dennoch sehen wir unterm Strich nur die weniger kompakte, dramaturgisch zerfahren erzählte Neuverfilmung des ansonsten gleichen Films wie zuvor, an anderen Schauplätzen, mit zusätzlichen Charakteren.
Dann folgte die Marvelfizierung
Jake Sully musste sich im zweiten Film schon wieder in eine fremde Kultur einleben, weil er mit Frau Neytiri und ihren gemeinsamen Kindern zu einem anderen Na'vi-Clan umgezogen ist. Wieder kommt die RDA (Resources Development Administration) von der Erde mit Kriegsgeräten, Rohstoffsammlern und Schürfanlagen, um Flora und Fauna von Pandora auszubeuten. Neuerdings ist besonders ein Anti-Aging-Mittel, das aus Walen gewonnen wird, hochbegehrt.
Erzfeind Colonel Quaritch ist selbstverständlich von den Toten zurückgekehrt, als Klon in einem Avatar verankert. Nun will er sich persönlich an Familie Sully rächen. Die hat mittlerweile Quaritchs leiblichen Sohn, einen Menschen, quasi adoptiert. Um Spider (Jack Champion), so heißt der Junge, der am liebsten selbst ein Na'vi wäre und als einer der wenigen Menschen zwischen den Animationsfiguren oft ziemlich deplatziert aussieht, gibt es fortan ständig Gezanke.
Wir ahnten beim ersten Sequel schon, was James Cameron offenbar auch gemerkt hat: Der übergeordnete Konflikt des ersten Avatar-Films ist nicht komplex genug, um darauf mehrfach eine neue Dramaturgie aufzubauen. Persönliche Befindlichkeiten, Patchwork-Familiendynamik und private Rachegelüste des Bösewichts nehmen in The Way of Water, im Stile von Disneys Marvel-Filmuniversum, den Interessenmittelpunkt ein.
Es soll für uns Zuschauer nicht mehr um Pandora, den Krieg um diese Welt oder ihre Geheimnisse gehen, auch nicht um Na'vi-Kultur oder Eskapismus in eine bunte Sci-Fi-Welt, sondern zuallererst um Familie Sully und deren cartoonhafte Privatfehde mit Antagonist Quaritch.













In der gebotenen Form kann James Cameron Avatar wie eine Fernsehserie, mit ständig offenem Ende, immer weiter spinnen, solange das Franchise noch genug Milliarden Dollar einspielt, um die riesigen Produktionsbudgets von mehr als 400 Millionen US-Dollar pro Film(öffnet im neuen Fenster) für Rechteinhaber Walt Disney wirtschaftlich zu rechtfertigen.
Gegner werden nie komplett besiegt, schließlich müssen sie wiederkehren. Probleme werden oft nur halb gelöst, damit sie im nächsten Film noch mal im Wege stehen können. Verbundenheit mit den bekannten Figuren und eine schöne Präsentation sollen davon ablenken, dass die Autoren um James Cameron erzählerisch längst nicht mehr auf einem Kaugummi, sondern bereits auf ihren eigenen Zungen herumkauen. Diesen zweifelhaften Höhepunkt haben sie mit Fire and Ash bereits im dritten Film erreicht.



