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Feuer und Asche, aber wieder im Wasser

Der Weg des Wassers hatte 2022 als erstes Avatar-Sequel, trotz enttäuschender Handlung, im Vergleich zu Teil 1 doch ein neues, spektakuläres Element zu bieten. Wasser, sehr viel Wasser. Der Wechsel vom reinen Urwald ins Strand- und Küstensetting, eine wunderschöne Unterwasserwelt voller bunter Pflanzen und Fische, das Finale mit einer gewaltigen Schlacht zwischen Riesenwalen, Na'vi und Kampfschiffen der RDA, bot wenigstens optisch neue Reize.

Vom dritten Teil, Fire and Ash, haben wir deswegen erneut einen Wechsel der Kulissen, Kämpfe zwischen Vulkanen und beeindruckenden Lavaflüssen, erwartet. Eine Aschewüste mit ungewöhnlichen Gewächsen, vielleicht Tempelanlagen mit Feuer-Thematik, felsige Panoramen.

Aber nein, die im Trailer in Aussicht gestellte Heimat des neuen Na'vi-Clans mit Asche-Faible wird im richtigen Film kaum öfter gezeigt als in den Werbeclips. Stattdessen bleiben wir meistens beim Strandvolk aus Teil 2, erleben Schlag um Schlag die gleiche Handlung rund um Familie Sully als zähneknirschend geduldete Außenseiter beim Metkayina-Stamm noch einmal, mit nur dezent veränderten Gründen für ihre persönlichen Differenzen zwischen einander und ihren Nachbarn.

Ein Déjà-vu nach dem anderen

Schon wieder geht es in einer Nebenhandlung um einen ausgestoßenen Wal, der vergeblich versucht, alle anderen vor einem bevorstehenden Angriff zu warnen. Erneut ist der zurückgekehrte Colonel Quaritch übermäßig fixiert auf seine Jagd nach Jake, droht mit Ermordung von Wasser-Na'vi, wenn die ihm Familie Sully nicht freiwillig ausliefern. Das ist fast identisch, wie wir es in Der Weg des Wassers gesehen haben.

Und auch jetzt versucht Quaritch seinen Sohn Spider zu sich zurückzuholen, ihn gegen die Na'vi zu instrumentalisieren. Manchmal kamen wir uns im Kino vor wie in einer Zeitschleife. Ein andermal wollten wir den Charakteren verzweifelt zurufen: Habt ihr denn Teil zwei schon wieder vergessen? Da hattet ihr eure Differenzen längst ausgeräumt, diese oder jene Lektion bereits gelernt!

Abweichungen des Kernplots oder gar neue Erkenntnisse sind marginal und hätten auch im Vorgängerfilm problemlos untergebracht werden können. Im Nachhinein wirkt es so, als wären bewusst ein paar Enthüllungen und Charakterentwicklungen aus Avatar 2 herausgeschnitten und nun in Teil 3 platziert worden, um nur ja den Anschein zu erwecken, als wäre die Gesamthandlung in diesen sechseinhalb Stunden tatsächlich ein wenig voran gekommen. Das betrifft besonders Sigourney Weavers Charakter Kiri, deren Herkunft und ihre besondere Verbindung zu Eywa, dem kumulativen Mutter-Natur-Bewusstsein von ganz Pandora.

Aus Teil 2 mach 2 und 3

James Cameron selbst bestätigt unseren Verdacht in einem Interview(öffnet im neuen Fenster) sogar. Er habe ursprünglich nur drei neue Avatar-Drehbücher schreiben wollen, die Handlung des zweiten jedoch nachträglich aufgeteilt, um einen Film mehr daraus machen zu können. Das haben wir Fire and Ash sehr negativ angemerkt.

Regelrecht schockiert waren wir, als die große Seeschlacht aus Avatar 2 jetzt einfach noch einmal ausgetragen wurde. Ein paar Sequenzen mit neuen RDA-Tauchfahrzeugen sind hinzugekommen, der Großteil dieses langen Kampfes kam uns allerdings so vor, als sei hier Copy & Paste aus Der Weg des Wassers betrieben worden. Nicht von ungefähr hat Teil 3 mehr als 2.000 VFX-Shots mit Wasseranimationen – laut Pressetext in etwa so viele wie sein Vorgänger, der das Wort Wasser im Untertitel trägt.

Avatar: The Way of Water – Trailer
Avatar: The Way of Water – Trailer (02:28)

James Cameron, der mit Terminator 2 und Aliens zwei der einflussreichsten Actionfilme aller Zeiten geschaffen hat und anschließend die Titanic(öffnet im neuen Fenster) meisterhaft inszeniert untergehen ließ, hat offenbar sein Gespür für packend konzipierte Actionszenen total verloren.

Die groß angelegten Kampfsequenzen in Avatar 3 sind wahllos aneinandergereihte Clips von Menschen und Na'vi im Kampf gegeneinander – wie ein Supercut separater Todessequenzen aus einem Videospiel. Daran krankte schon der Vorgänger, während Teil 1 seine Actionszenen noch sorgfältiger choreografiert anging.

Anspruchsvoll per Montage ausgespielte Kampfdramatik, spannend zu verfolgende Situationen über mehrere Schnitte hinweg, sind uns in Fire and Ash kaum vergönnt. Es ist ein unbefriedigendes Durcheinander, das nur durch Reizüberflutung zu punkten versucht.

Möglichst viele Na'vi auf ihren Ikran-Flugtieren schwirren gleichzeitig durcheinander, je nach Projektion butterweich in High-Frame-Rate. Überall knallen schick animierte Explosionen, hüpfen Riesenwale an Deck von Schlachtschiffen und zerbrechen sie in viele Einzelteile. Menschen werden durch die Luft geschleudert. Es sind wiederholt fast dieselben Bilder. Spektakulär computerberechnet, aber als lieblos aufgereihte Collage präsentiert, lässt uns das innerlich kalt.

Das wenige Neue geht in Kämpfen unter

Nur ein paar Szenen vom Beginn des Films haben kurz mal etwas Originelles, verhältnismäßig Fantasievolles gezeigt. Die schwebende Karawane der Wind Trader, die mit gigantischen Quallen wie mit Heißluftballons reisen, gezogen von fliegenden Riesenrochen. Schade, dass selbst so eine schöne Sequenz nach wenigen Minuten in wirres Kampfchaos ausartet.

Dafür verantwortlich zeichnet das neu eingeführte Feuer-Volk mit Na'vi, die zum ersten Mal auch Krieg gegen Artgenossen führen. Deren Anführerin Varang (Oona Chaplin) hat richtig Lust am Fiessein, genießt Mord und Kämpfen geradezu leidenschaftlich, wird vom Drehbuch jedoch zum Sidekick von Quaritch degradiert.

Wäre es nach uns gegangen, hätten wir lieber auf Letzteren ganz verzichtet und dafür mehr über Varang und ihren Mangkwan-Clan erfahren, deren Kultur tiefer ergründet, statt bloß ein paar Sätze Hintergrundinfos am Rande erzählt zu bekommen. Hier gab es Potenzial für eine viel spannendere neue Avatar-Geschichte, die dem Filmtitel hätte gerecht werden können.


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