Abo
  • Services:

Autoschlüssel: Volkswagen-Hack nach langer Sperrverfügung veröffentlicht

Vor einigen Jahren haben Forscher entdeckt, dass sich Motorolas Megamos-Transponder, der in den Autoschlüsseln unter anderem von Volkswagen verwendet wird, angreifen lässt. VW ließ damals gerichtlich untersagen, Detailinformationen über die Lücke zu veröffentlichen. Jetzt ist dies gelungen.

Artikel veröffentlicht am ,
VW Autoschlüssel
VW Autoschlüssel (Bild: kallu/CC BY-SA 2.0)

Ein Transponder, der in den Autos von VW mit den Marken Audi, Porsche, Bentley und Lamborghini sowie von Fiat, Volvo und Honda verwendet wird, lässt sich aufgrund niedriger Verschlüsselungsstandards angreifen, wie ein Forscherteam der Universität Radboud aus den Niederlanden und der Universität Birmingham mitteilte. Obwohl die Wissenschaftler die Autohersteller ein Dreivierteljahr vor dem geplanten Publikationstermin ihrer Erkenntnisse informierten, reagierten diese ungewöhnlich. Volkswagen ließ es gerichtlich untersagen, die Daten zu veröffentlichen.

Stellenmarkt
  1. ProLeiT AG, Leverkusen
  2. MDK Baden-Württemberg Medizinischer Dienst der Krankenversicherung, Lahr

Der wissenschaftliche Artikel mit dem Titel "Dismantling Megamos Crypto: Wirelessly Lockpicking a Vehicle Immobilizer" wird erst jetzt auf der Usenix-Konferenz vom 14. bis 16. August in Washington D.C. präsentiert. Die Publikation ist vorab als PDF erhältlich.

Der sogenannte Immobilisierer, also die Wegfahrsperre, ist eine elektronische Baugruppe, die mit dem Zündsystem der Autos verbunden ist. Er erkennt, ob der RFID-Chip im Schlüssel vorhanden ist oder nicht. Wenn dieser fehlt, geht das System von einem nachgemachten Schlüssel und einem Diebstahlversuch aus und verhindert den Start des Motors.

Angriffe innerhalb weniger Minuten erfolgreich

Die Forscher haben laut einem Bericht von Ars Technica die Verschlüsselung des Megamos-Transponders von Motorola selbst angegriffen. Insgesamt fanden sie drei Möglichkeiten, die Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen und das Auto zu starten.

Dabei musste die Funkkommunikation zwischen dem Megamos Kryptosystem und dem Schlüssel nur zweimal abgefangen und aufgezeichnet werden, um mit vergleichsweise wenigen Versuchen per Replay-Attacke den geheimen Schlüssel zu erraten. Das Problem: Das System erlaubt unendlich viele Authentifizierungsversuche und besitzt zahlreiche Schwächen wie eine zu geringe Entropie.

Auch fehlt ihm ein Zufallsgenerator, so dass es den Forschern gelang, mit vergleichsweise geringem Aufwand die wenigen möglichen Schlüssel zu erraten und dem System vorzugaukeln, dass der echte Schlüssel in der Nähe des Zündschlosses sei. Ein Versuch dauerte nur 30 Minuten. Bei einem anderen Angriffsmuster gelang das schon nach wenigen Minuten mit einem Standardnotebook aus dem Jahr 2012.

Keine einfache Fehlerbehebung möglich

Dass die Autohersteller so aggressiv reagierten, liegt an der Problematik des Hacks: Er lässt sich nicht mit einem Software-Update lösen, da die Komponenten nicht updatefähig sind. Eine teure, weil arbeitsintensive Austauschaktion von Schlüsseln und Transpondern wäre erforderlich gewesen, wovor die Unternehmen wohl zurückschreckten. Eine solche Aktion hätte zudem lange gedauert. Wäre in der Zwischenzeit die Lücke bekannt geworden, hätten Autodiebe leichtes Spiel gehabt. Offiziell ist diese Begründung allerdings nicht.

Einer der Forscher, Flavio Garcia, arbeitete damals an der Universität Birmingham. Das Gericht verbot auch zwei niederländischen Kollegen des Forschers, in Großbritannien die Informationen zu publizieren. Erst nach langen Verhandlungen mit Volkswagen erhielten die Forscher die Erlaubnis, eine überarbeitete Fassung zu veröffentlichen.

Garcia und seine Kollegen Baris Ege und Roel Verdult betonten damals vor Gericht, dass sie verantwortlich handelnde Akademiker seien, die die Sicherheit erhöhen und Kriminellen keine Möglichkeit eröffnen wollten, in teure Fahrzeuge einzubrechen. Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf, die Schwächen des Systems zu kennen. Ansonsten wüssten nur die Industrie und Kriminelle, dass die Sicherheitsfunktionen lückenhaft seien, argumentierten die Forscher. Der Richter hob laut einem Bericht des Guardian hervor, dass die Wissenschaft zwar das Recht habe, zu veröffentlichen. In diesem Fall würde das jedoch bedeuten, dass Autodiebstähle begünstigt würden.

Es war nicht das erste Mal, dass es Sicherheitsprobleme mit Autoschlüsseln gab. 2008 knackten beispielsweise Forscher der Ruhr-Universität Bochum nach eigenen Angaben die in vielen Autos eingesetzten Funkschlüssel. Ihnen reichte dazu das zweimal abgefangene Signal der Keeloq-Schlüssel aus.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. täglich neue Deals bei Alternate.de
  2. 449€
  3. bei Alternate.de
  4. bei dell.com

Folgen Sie uns
       


Always Connected PCs angesehen (Windows 10 on ARM)

Mit einer neuen Plattform will Microsoft noch einmal ARM-basierte Geräte als Notebook-Alternative auf den Markt bringen. Dieses Mal können auch zahlreiche alte Programme ausgeführt werden.

Always Connected PCs angesehen (Windows 10 on ARM) Video aufrufen
BeA: Rechtsanwaltsregister wegen Sicherheitslücke abgeschaltet
BeA
Rechtsanwaltsregister wegen Sicherheitslücke abgeschaltet

Das deutsche Rechtsanwaltsregister hat eine schwere Sicherheitslücke. Schuld daran ist eine veraltete Java-Komponente, die für einen Padding-Oracle-Angriff verwundbar ist. Das Rechtsanwaltsregister ist Teil des besonderen elektronischen Anwaltspostfachs, war aber anders als dieses weiterhin online.
Eine Exklusivmeldung von Hanno Böck

  1. BeA Secunet findet noch mehr Lücken im Anwaltspostfach
  2. EGVP Empfangsbestätigungen einer Klage sind verwertbar
  3. BeA Anwälte wollen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung einklagen

Physik: Maserlicht aus Diamant
Physik
Maserlicht aus Diamant

Ein Stickstoff-Fehlstellen-basierter Maser liefert kontinuierliche und kohärente Mikrowellenstrahlung bei Raumtemperatur. Eine mögliche Anwendung ist die Kommunikation mit Satelliten.
Von Dirk Eidemüller

  1. Xiaoice und Zo Microsoft erforscht menschlicher wirkende Sprachchat-KIs
  2. Hyperschallgeschwindigkeit Projektil schießt sich durch den Boden
  3. Materialforschung Stanen - ein neues Wundermaterial?

Xperia XZ2 Compact im Test: Sonys kompaktes Top-Smartphone bleibt konkurrenzlos
Xperia XZ2 Compact im Test
Sonys kompaktes Top-Smartphone bleibt konkurrenzlos

Sony konzentriert sich beim Xperia XZ2 Compact erneut auf die alte Stärke der Serie und steckt ein technisch hervorragendes Smartphone in ein kompaktes Gehäuse. Heraus kommt ein kleines Gerät, das kaum Wünsche offenlässt und in dieser Größenordnung im Grunde ohne Konkurrenz ist.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Xperia XZ2 Premium Sony stellt Smartphone mit lichtempfindlicher Dualkamera vor
  2. Sony Grundrauschen an Gerüchten über die Playstation 5 nimmt zu
  3. Playstation Sony-Chef Kaz Hirai verabschiedet sich mit starken Zahlen

    •  /