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Autos: Volkswagen erwägt Fertigung chinesischer Modelle in Europa

VW plant offenbar einen Strategiewechsel: Fahrzeuge aus chinesischer Entwicklung könnten künftig auch europäische Kunden erreichen.
/ Andreas Donath
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VW ID. Era (2025) (Bild: Tim Wu/ Wikipedia)
VW ID. Era (2025) Bild: Tim Wu/ Wikipedia / CC-BY-SA 4.0

Volkswagen zieht offenbar in Betracht, in China entwickelte Fahrzeuge künftig auch auf dem europäischen Markt zu fertigen und anzubieten. Nach Angaben von Konzerninsidern laufen dazu erste konkrete Prüfungen. Diese umfassen sowohl den Import fertiger Wagen als auch eine mögliche spätere Fertigung von Fahrzeugen oder Bauteilen in Europa. Das berichtete das Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster).

Als denkbarer Produktionsstandort wird unter anderem das Werk in Zwickau genannt. Welche Modelle und in welcher Stückzahl dort infrage kämen, ist noch nicht entschieden. Ein Entscheider bezeichnete die Überlegungen als frühen Testlauf, dessen Ergebnis offen sei. Volkswagen selbst äußerte sich dazu bislang nicht.

Der Schritt könnte für den Konzern mehrere Probleme lösen. VW könnte Werke in Europa besser auslasten, von niedrigeren Entwicklungs- und Produktionskosten in China profitieren und Kunden Zugang zu technisch aktuelleren Fahrzeugen verschaffen. China gilt in der Branche als Taktgeber bei neuen Antriebs- und Softwarekonzepten.

Zwei Modelle als mögliche Kandidaten

Im Gespräch ist zunächst das gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller SAIC entwickelte SUV ID.Era 9X.(öffnet im neuen Fenster) Es ist größer als der auslaufende Touareg und in China deutlich günstiger zu haben. Eine zweite Option ist ein SUV auf der neuen Plattform CSP, das erst im kommenden Jahr an den Start gehen soll und frühestens Ende 2027 nach Europa kommen könnte.

Beim CSP-Modell hätte Volkswagen nach Einschätzung von Insidern den Vorteil, die Technik vollständig selbst zu kontrollieren. Vor einem Export müssten allerdings Software, Assistenzsysteme, Materialien und regulatorische Vorgaben an europäische Standards angepasst werden. Auch dazu laufen offenbar erste Prüfungen.

Sanierungsdruck im Hintergrund

Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der Volkswagen mit sinkenden Margen, Überkapazitäten und wachsendem Wettbewerb aus China zu kämpfen hat. Der Vorstand bereitet derzeit ein Sanierungspaket vor, das über bisherige Sparmaßnahmen hinausgehen soll. Berichten zufolge steht dabei auch ein weiterer, umfangreicher Stellenabbau im Raum.

Für den 9. Juli 2026 ist ein Treffen des Aufsichtsrats angesetzt, bei dem das Thema eine Rolle spielen dürfte. Im Juli soll zudem das gesamte China-Portfolio des Konzerns näher analysiert werden. Offen ist dabei auch, wie sich geplante EU-Vorgaben zu Lokalisierung und Herkunftskennzeichnung auf mögliche Importe auswirken würden.

Bruch mit dem Weltauto-Prinzip

Ein Import vollständig in China entwickelter Fahrzeuge wäre für Volkswagen ein endgültiger Bruch mit dem bisherigen Weltauto-Prinzip. Bislang wurden Modelle in Wolfsburg entwickelt und in Europa gebaut. Schon länger produziert der Konzern jedoch zunehmend Fahrzeuge in China speziell für den chinesischen Markt.

Bei EU-Einfuhren chinesischer Elektroautos fallen neben dem Basiszoll zusätzliche Ausgleichszölle an, die je nach Hersteller unterschiedlich hoch sind. Auch mögliche VW-Modelle aus China dürften davon betroffen sein. Mit dem Cupra Tavascan produziert der Konzern bereits heute ein Fahrzeug in China für den europäischen Markt, allerdings auf Basis europäischer Technik.

Innerhalb des Konzerns wird das Thema dem Bericht zufolge kontrovers diskutiert. Die bisherige, informelle Regel sah vor, chinesische Entwicklungen von europäischen Werken fernzuhalten, um dortige Modelle nicht zusätzlich unter Druck zu setzen. Arbeitnehmervertreter seien den Überlegungen gegenüber jedoch nicht grundsätzlich abgeneigt, solange bestehende Beschäftigungszusagen erhalten blieben.


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