Autonomes Schiff auf Kurs der Mayflower: AI, AI, Captain!

Rund 400 Jahre nach der Mayflower macht sich wieder ein Schiff von Plymouth in die USA auf. Ohne Pilger diesmal, dafür mit einem KI-Captain aus Finanzsoftware von IBM.

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Mayflower Autonomous Ship bei einer Testfahrt (im April 2021): der erste Schritt zu einem vollständig autonomen Schiff mit künstlicher Intelligenz
Mayflower Autonomous Ship bei einer Testfahrt (im April 2021): der erste Schritt zu einem vollständig autonomen Schiff mit künstlicher Intelligenz (Bild: Promare/IBM)

Im Spätsommer 1620 machten sich etwa 100 Menschen aus England auf eine Reise ins Unbekannte. Ein Schiff namens Mayflower brachte sie über den Atlantik, wo die Pilgerväter ein neues Leben in einer neuen Welt beginnen wollten. Zum 401. Jahrestag soll wieder eine Mayflower von England aus in See stechen. Dieses Mal ist das Ziel bekannt - und die Fahrt ist das Unbekannte.

Die neue Mayflower, das Mayflower Autonomous Ship (MAS) ist ein unbemanntes Schiff, das selbstständig den Atlantik überqueren soll - von Plymouth in England nach Plymouth im US-Bundesstaat Massachusetts. "Für mich ist das der erste Schritt zu einem vollständig autonomen Schiff mit künstlicher Intelligenz", sagte Brett Phaneuf, einer der Gründer der Meeresforschungsorganisation Promare, Golem.de. Bewährt sich das autonome Schiff auf dieser Reise, soll es künftig für die Wissenschaft auf See wichtige Daten sammeln.

Mit ihrer Vorgängerin hat die MAS nur wenig gemein: Statt einem hat das Schiff drei Rümpfe. Der moderne Trimaran ist mit seinen 15 Metern nur halb so lang. Weil er aus Verbundwerkstoffen und Aluminium besteht, wiegt er nur etwa fünf Tonnen. Er hat auch keine Segel, sondern fährt elektrisch. Solarzellen auf dem Deck sowie ein Dieselgenerator, der die Akkus lädt, liefern den Strom für den Antrieb und für alle anderen Systeme an Bord.

Die Idee entstand beim Smalltalk

Die Idee, ein autonomes Schiff auf den Spuren der alten Mayflower fahren zu lassen, sei eher zufällig entstanden, am Rande eines Meetings im Jahr 2006, erzählt Phaneuf. Worum es in dem Meeting eigentlich ging, weiß er nicht mehr. Aber beim Smalltalk sei als Thema der 400. Geburtstag der Mayflower aufgekommen.

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Einer der Teilnehmer schlug einen Nachbau der Mayflower vor. Den gebe es schon, habe er eingewandt, in Plymouth, Massachusetts. "Wir können kreativer sein. Warum bauen wir nicht etwas, das für die kommenden 400 Jahren spricht, statt über die vergangenen 400 Jahre?", fragte Phaneuf. "Lassen wir uns von dem Aufbruch ins Unbekannte inspirieren. Darum geht es für mich bei der Mayflower: dass diese Menschen alles riskiert haben, um neu anzufangen."

Sein Vorschlag war also, ein autonomes Schiff zu bauen. 15 Jahre später ist es nun fertig. Es liegt im britischen Plymouth und wartet auf den Start seiner Reise. Dieser Start war eigentlich schon für 2020 geplant, musste aber, wie so vieles, wegen der Coronapandemie verschoben werden. Nun wird es voraussichtlich Mitte Mai losgehen.

Drei bis vier Wochen soll die Fahrt dauern. Die originale Mayflower brauchte 60 Tage. Den Pilgervätern standen für die Navigation aber auch weniger Hilfsmittel zur Verfügung. Die moderne Mayflower hingegen ist gespickt mit Hochtechnologie für die Navigation, Wahrnehmung, Wetter und Kommunikation.

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An Bord sind diverse Sensoren

Mehrere Satellitennavigationssysteme bestimmen die Position des Schiffes bis auf wenige Zentimeter genau. Kameras und Radar erfassen die Umgebung, Trägheitssensoren die Ausrichtung sowie die Beschleunigung in jede Richtung. Über das Automatische Identifikationssystem (AIS) empfängt die Mayflower Meldungen anderer Schiffe über deren Position, Kurs und Geschwindigkeit. Zwei Wetterstationen messen Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Windrichtung und -geschwindigkeit.

  • Das Mayflower Autonomous Ship vor Plymouth in England (Bild: Promare/IBM)
  • Der Trimaran soll 2021 autonom auf den Spuren der ersten Mayflower den Atlantik überqueren. (Bild: Promare/IBM)
  • Gesteuert wird das Schiff von einem KI-System von IBM. (Bild: Promare/IBM)
  • Die Systeme sollen robust genug sein, um auf See klarzukommen. Notfalls kann von Land aus eingegriffen  werden. (Bild: Promare/IBM)
  • Erstmals kam das Schiff im September 2020 ins Wasser. Die Corona-Pandemie hatte das Projekt verzögert. (Bild: Promare/IBM)
  • Die Überfahrt nach Plymouth in Massachusetts soll etwa 20 Tage dauern. 1620 brauchte die Originale-Mayflower 60 Tage. (Bild: Promare/IBM)
Das Mayflower Autonomous Ship vor Plymouth in England (Bild: Promare/IBM)

Über den Satellitendienst Iridium steht das Schiff zudem in ständigem Kontakt mit dem Land. Darüber bekommt das Schiff aktuelle Wetterdaten. Es wird kontinuierlich von einem Menschen überwacht, im Notfall kann dieser auch eingreifen - alles Möglichkeiten, die den Pilgervätern im 17. Jahrhundert nicht zur Verfügung standen.

Wache gingen die Seeleute damals zwar auch, allerdings hatten sie weniger Hilfsmittel zur Verfügung. Bei der Auswertungen der Beobachtungen waren sie auf ihre eigenen Erfahrungen angewiesen. Auf der neuen Mayflower gibt es da ausgefeiltere Methoden.

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Die neue Mayflower soll später Meeresforschung machen 
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