Autonomes Fahren: Wer kotzt als Erstes in den Waymo?

Die Google-Schwesterfirma Waymo will noch in diesem Jahr ihre Testautos ohne menschliche Hilfe fahren lassen. Doch es gibt Zweifel, ob die Technik schon ausgereift ist. Kritiker fordern eine schärfere Regulierung.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Ein selbstfahrendes Auto von Waymo auf Basis eines Chrysler Minivans
Ein selbstfahrendes Auto von Waymo auf Basis eines Chrysler Minivans (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)

Es war ein Meilenstein im fast wörtlichen Sinne. Anfang Oktober 2018 berichtete Waymo-Chef John Krafcik, dass die autonomen Testautos der Google-Schwester inzwischen zehn Millionen Meilen (16 Millionen Kilometer) auf öffentlichen Straßen zurückgelegt hätten. Bis Ende dieses Jahres sollen die Waymo-Autos im US-Bundesstaat Arizona ihre Passagiere sogar ohne Sicherheitsfahrer kommerziell transportieren. Die Logistik für Wartung und Pflege der Autos scheint schon zu stehen. Doch sind die Bewohner von Phoenix und die autonome Technik wirklich schon bereit für dieses Experiment?

In jüngster Zeit gab es durchaus Stimmen, die dies anzweifelten. So berichtete im August 2018 das IT-Portal The Information, dass die Waymo-Autos bisweilen an einfachen Fahraufgaben scheiterten. "Ich hasse sie", sollen Bewohner von Phoenix über die Testautos gesagt haben. Eine Frau gab demnach an, beinahe auf einen der Chrysler-Minivans aufgefahren zu sein, weil dieser beim Abbiegen aus unerfindlichen Gründen gestoppt habe. Ein Mann sei so frustriert gewesen, hinter den Autos an einer Kreuzung zu warten, dass er sie unerlaubterweise überholt habe.

Aufschlussreiches Video mit Waymo-Pannen

Dem Bericht zufolge haben die Autos Probleme beim Linksabbiegen, wenn es dafür keine eigene Linksabbieger-Ampel gibt. Schwierigkeiten bereite den Autos zudem das Einfädeln auf Highways bei dichtem Verkehr.

Ein Ingenieur aus dem Silicon Valley stellte kürzlich seine gesammelten Dashcam-Videos mit Waymo-Autos ins Netz. Aufnahmen, die das Unternehmen sicher gerne der Öffentlichkeit vorenthalten hätte. Darin ist beispielsweise zu sehen, wie mehrere Autos vor einem Fußgängerüberweg anhalten, um zwei Passanten die Kreuzung passieren zu lassen. Das Waymo-Auto fährt hingegen seelen- beziehungsweise siliziumruhig weiter. Trotz blinkender Hinweisschilder.

Stellenmarkt
  1. Kundenbeziehungsmanager Service (m/w/d)
    Gladbacher Bank AG, Korschenbroich
  2. IT Services / Administration - Informatiker (m/w/d)
    FINDER GmbH, Trebur
Detailsuche

Das Fazit des Ingenieurs: Das Auto beherrscht die Physik, kann aber nicht wirklich fahren. Waymos Standardantwort auf solche Hinweise lautet: "Unsere Autos lernen ständig weiter und Sicherheit hat oberste Priorität." Menschliche Autofahrer reagieren jedoch schnell genervt, wenn ein autonomes Auto übervorsichtig drei Sekunden lang an jedem Stoppschild wartet.

Uber-Unfall beschädigt Vertrauen in Technik

Die Betonung der Sicherheit hat ihre Berechtigung. Spätestens seit dem tödlichen Unfall mit einem Uber-Testauto im März 2018 ist der Öffentlichkeit klar geworden, dass sie schon Teil eines gefährlichen Experiments geworden ist. Uber zog daraus die Konsequenzen und startete seine Testfahrten nach einer mehrmonatigen Zwangspause mit einem stark veränderten Konzept neu. Selbst ein Verkauf der Sparte wegen der hohen Entwicklungskosten werde diskutiert, berichtete die Financial Times (Paywall) vergangene Woche. Doch Waymo und die General Motors-Tochter Cruise Automation blieben davon unbeeindruckt. Cruise konnte kürzlich sogar den Einstieg des japanischen Herstellers Honda bekanntgeben.

Meldungen wie die von den 16 Millionen gefahrenen Testkilometern sollen der Öffentlichkeit den Eindruck vermitteln, dass die Technik schon intensiv ausprobiert wurde. Doch diese Zahl ist wenig aussagekräftig. So hat Daimler vor der Freigabe der Assistenzsysteme in der früheren Mercedes-Benz E-Klasse (W212) alleine 36 Millionen Testkilometer absolviert. Fahrzeugtechnikexperten wie der Darmstädter Professor Hermann Winner haben für autonome Fahrzeuge Milliarden von erforderlichen Testkilometern ausgerechnet.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Autonome Autos kaum reguliert 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5.  


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Frommer Legal
Große Abmahnwelle wegen Filesharing in Deutschland

Mehrere Zehntausend Menschen suchen derzeit Hilfe bei einer Anwaltskanzlei, weil sie wegen angeblich illegalem Filesharing abgemahnt wurden.

Frommer Legal: Große Abmahnwelle wegen Filesharing in Deutschland
Artikel
  1. Kim Schmitz' Lebensgeschichte: Die Dotcom-Blase
    Kim Schmitz' Lebensgeschichte
    Die Dotcom-Blase

    Glaubt man seiner Autobiografie, wollte Kim Schmitz als Jugendlicher einfach nur raus aus seinem Leben. Also schuf er sich ein neues: als Kim Dotcom.
    Von Stephan Skrobisch

  2. Sifive P550: Der schnellste RISC-V wird von Intel genutzt
    Sifive P550
    Der schnellste RISC-V wird von Intel genutzt

    Der P550 ist laut Sifive der bisher leistungsstärkste CPU-Prozessor mit RISC-V-Technik, er wird von Intel als 7-nm-Design unterstützt.

  3. Nachhaltigkeit: Amazon beim Aussortieren von Neuwaren zur Zerstörung gefilmt
    Nachhaltigkeit
    Amazon beim Aussortieren von Neuwaren zur Zerstörung gefilmt

    ITV News hat ein Video veröffentlicht, das Amazon beim Aussortieren neuer Produkte zeigen soll. Dabei geht es um große Stückzahlen.

Achranon 03. Nov 2018

Man braucht kein eigenes Auto mehr sonder ruft sich per Smartphone eins herbei, steigt...

blariog 30. Okt 2018

Najaaa, Waymo ist ein ganz neues Unternehmen, das für autonomes Fahren gegründet wurde...

plutoniumsulfat 24. Okt 2018

Das gilt aber nur für bestimmte Situationen, wie eben dem Bus. Ja, auch ein Radfahrer...

plutoniumsulfat 24. Okt 2018

Da wurde einem aber auch beigebracht, vor einer roten Ampel nicht unnötig zu beschleunigen.

Anonymer Nutzer 24. Okt 2018

Ich wohne seit fast 40 Jahren selbst in einer Gegend, die man beinahe euphemistisch als...


Folgen Sie uns
       


Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Schnäppchen • Amazon Prime Day nur noch heute • SSD (u. a. Crucial BX500 1TB 64,06€) • Gaming-Laptops von Razer, MSI & Asus • 30% auf Warehouse • Surface Pro 7 664,05€ • Echo Show 8 + Ring Indoor Cam 84,99€ • Monitore (u. a. Acer 27" WQHD 144Hz 259€) • Gaming-Chairs • Gönn dir Dienstag [Werbung]
    •  /